Symbolbild Foto: Klinikum Saarbrücken
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Beschimpfungen, Drohungen, Faustschläge: Was in vielen Notaufnahmen längst zum bitteren Alltag gehört, will das Klinikum Saarbrücken so nicht länger hinnehmen. Das Haus am Winterberg stellt sich hinter den Vorschlag von Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann, Gewalttaten gegen Krankenhauspersonal künftig in Schnellverfahren zu ahnden. „Es ist ein wichtiges Signal“, betont Dr. Christian Braun, Geschäftsführer und Ärztlicher Direktor des Klinikums.

Hintergrund des Vorstoßes ist ein Interview, das Linnemann Ende August gab. Darin fand der Minister deutliche Worte: „Es ist perfide, wenn in Notfallaufnahmen, wo es um Leben und Tod geht, Ärzte, Pflegerinnen und Pfleger angegriffen werden. Da muss der Staat durchgreifen.“ Auch die Deutsche Krankenhausgesellschaft begrüßt die Idee und mahnt, dass Übergriffe spürbare Konsequenzen nach sich ziehen müssten. Langwierige oder ergebnislose Verfahren dürften die Betroffenen nicht zusätzlich belasten.

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Das Kalkül hinter den Schnellverfahren ist einfach: Wer eine Tat begeht, soll die strafrechtliche Reaktion nicht erst Monate später spüren. Der zeitliche Abstand zwischen Übergriff und Ahndung soll deutlich schrumpfen. Für Braun, der zugleich Vorstandsvorsitzender der Saarländischen Krankenhausgesellschaft ist, greift das allein aber zu kurz. Neben einer konsequenten Reaktion brauche es verlässliche Versorgungsstrukturen, die Patientinnen und Patienten gezielt in das passende Angebot lenken und die Notaufnahmen entlasten.

Dass das Saarbrücker Haus das Thema nicht zum ersten Mal aufgreift, ist kein Zufall. Bereits in den vergangenen Jahren hatte das Klinikum wiederholt auf zunehmende Gewalt und respektlosen Umgang gegenüber dem Personal hingewiesen, insbesondere aus der Zentralen Notaufnahme. Intern setzt man auf Schulungen und Weiterbildungen. Dazu zählt das Pilotprojekt „Respektzone Winterberg: Gemeinsam gewaltfrei“, das gemeinsam mit der Techniker Krankenkasse läuft. Darin entsteht unter anderem ein strukturiertes Meldewesen, und die Beschäftigten lernen, kritische Situationen früh zu erkennen und Hilfe anzufordern. In der Notaufnahme können sie inzwischen sogar unauffällig technisch Unterstützung alarmieren.

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Wie stark die Notfallversorgung inzwischen beansprucht wird, zeigen die Zahlen vom Winterberg deutlich. Rund 55.000 Notfallpatientinnen und Notfallpatienten werden dort in der Zentralen Notaufnahme und der Kindernotaufnahme mittlerweile pro Jahr versorgt. Das sind 42 Prozent mehr als noch 2020. Weil die Menschen mit ganz unterschiedlichen Beschwerden kommen, wird zu Beginn mit dem sogenannten Manchester-Triage-System eingeschätzt, wie dringend eine Behandlung ist. Schwer oder lebensbedrohlich Erkrankte kommen zuerst dran, für andere entstehen dadurch mitunter Wartezeiten.

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Dass solche Wartezeiten belastend sein können, weiß das Team am Winterberg. Ein Freibrief für Aggression sind sie deshalb nicht. „Das rechtfertigt jedoch keine Beschimpfungen, Bedrohungen oder körperlichen Angriffe“, stellt Braun klar. Für ihn gehört beides zusammen: entschlossenes Durchgreifen und ein Blick auf die strukturellen Rahmenbedingungen.

„Wer unsere Beschäftigten beleidigt, bedroht oder körperlich angreift, muss mit einer schnellen und konsequenten strafrechtlichen Reaktion rechnen“, sagt der Ärztliche Direktor. Zugleich müsse man die wachsende Belastung ernst nehmen. Würden Bereitschaftsdienste gebündelt oder Standorte geschlossen, müssten die Folgen für die verbleibenden Praxen und Notaufnahmen mitbedacht werden. „Wir brauchen eine verlässliche Patientensteuerung und ausreichend leistungsfähige Strukturen. Hohe Belastungen dürfen Gewalt unter keinen Umständen relativieren.“

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