Schulen im Saarland erhalten künftig gezielte Hilfe, wenn es um den Umgang mit Kindern und Jugendlichen im Autismusspektrum geht. Seit dem 1. August 2026 läuft dazu ein gemeinsames Projekt des Ministeriums für Bildung und Kultur und des Autismus-Therapie-Zentrums Saar (ATZ). Unter dem Titel „Beratungs- und Unterstützungsstruktur Autismus an Regelschulen“ soll zusätzliche Fachkompetenz direkt in den Schulalltag gelangen.
Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot machte sich bei einem Besuch des Zentrums in Homburg selbst ein Bild von der Arbeit. „Inklusion gelingt dort, wo Schulen die Unterstützung bekommen, die sie für die unterschiedlichen Bedürfnisse ihrer Schülerinnen und Schüler brauchen“, erklärte sie. Kinder im Autismusspektrum brächten sehr verschiedene Stärken und Bedarfe mit. Entscheidend sei, dass diese verstanden würden und Lehrkräfte pädagogisch angemessen darauf reagieren könnten.
Den Kern des Angebots bildet die Stärkung der multiprofessionellen Teams an den Schulen. Sie sollen lernen, autismusspezifische Bedarfe besser einzuordnen, passende pädagogische Wege zu entwickeln und mehr Sicherheit im Alltag zu gewinnen. Auf diese Weise will man die Bedingungen für gelingende Inklusion verbessern und Krisensituationen an den Schulen möglichst früh entschärfen.
Gedacht ist das Programm zunächst für Schulen der Regelform, von der Grundschule über weiterführende bis hin zu beruflichen Schulen. Bereits der Übergang von der Kita in die Schule wird einbezogen. Auch bei einem bloßen Verdacht auf eine Autismus-Spektrum-Störung dürfen die Schulen das Angebot nutzen, denn für die systemische Beratung ist keine medizinische Diagnose nötig.
Eine wichtige Rolle spielen die regionalen sonderpädagogischen Förderzentren. Dort entstehen eigene Fachgruppen mit dem Schwerpunkt Autismus und Neurodiversität, und es werden feste Ansprechpersonen benannt, die den Schulen zur Seite stehen. Ergänzend bietet der Bildungscampus Saarland Fortbildungen an, unter anderem zum TEACCH-Ansatz und zur Unterstützten Kommunikation.
Für das Vorhaben hat das ATZ eine zusätzliche halbe Stelle geschaffen, die vom Ministerium finanziert wird. Beide Partner begleiten und bewerten das Projekt gemeinsam, um es anhand der praktischen Erfahrungen weiterzuentwickeln. ATZ-Geschäftsführer Christoph Giloi rückt dabei die Perspektive der Kinder in den Vordergrund: „Es muss viel mehr Wert darauf gelegt werden, was ein Kind kann, anstatt auf das, was es nicht kann.“





















