39 Menschen, 19 Rettungsmedaillen und 20 Öffentliche Belobigungen: Beim vierten Ehrenabend Zivilcourage würdigte Innenminister Reinhold Jost in der Neunkircher Gebläsehalle Saarländerinnen und Saarländer, die in kritischen Momenten nicht weggeschaut, sondern gehandelt haben. Ihre Taten reichen von der Rettung aus Flammen bis zum beherzten Eingriff bei einem Messerangriff im Regionalzug.
„Die heute Geehrten haben in außergewöhnlichen Situationen Verantwortung übernommen und dort geholfen, wo andere Menschen dringend auf Unterstützung angewiesen waren“, sagte Jost in seiner Festrede. Zivilcourage bedeute, im Rahmen der eigenen Möglichkeiten zu handeln – sei es durch den direkten Einsatz, einen Notruf oder das Herbeiholen weiterer Hilfe. Schon ein einzelner Mensch, der sich frage „Was kann ich tun?“, mache einen bedeutenden Unterschied, so der Minister.
Auch Ministerpräsidentin Anke Rehlinger betonte die Bedeutung des selbstlosen Handelns. „Es gibt Momente, in denen es darauf ankommt, nicht wegzusehen, sondern zu handeln. Die Menschen, die wir heute ehren, haben genau das getan.“ Ihr Einsatz zeige, was das Saarland ausmache: Zusammenhalt und Menschlichkeit. Manche der Geretteten hätten sich dabei selbst in erhebliche Gefahr gebracht.

Wie akut diese Gefahr sein kann, zeigt der Brand im Seniorenheim Katharina von Bora in Neunkirchen am 10. Mai 2026. Sechs Polizeikräfte, ein Einsatzleiter der Freiwilligen Feuerwehr und drei Mitarbeitende des Hauses brachten die teils bettlägerigen Bewohnerinnen und Bewohner ins Freie. Mehrere der Helfenden erlitten dabei Rauchgasvergiftungen und mussten ärztlich versorgt werden. Für ihren Mut erhielten alle zehn die Saarländische Rettungsmedaille am Bande.
Eine ähnlich lebensbedrohliche Lage spielte sich am 27. Mai in St. Wendel-Winterbach ab. Eine Mutter und ihre sechsjährige Tochter waren beim Vollbrand ihres Hauses im zweiten Obergeschoss eingeschlossen, das verrauchte Treppenhaus als Fluchtweg unbrauchbar. Noch bevor die Feuerwehr eintraf, bauten ein Feuerwehrmann in Zivil, ein Polizeibeamter und mehrere Bürgerinnen und Bürger mit einer privaten Steckleiter einen improvisierten Rettungsweg und holten erst das Kind, dann die Mutter aus den Flammen.

Zu den ausgezeichneten Taten zählt auch der Eingriff im Regionalzug bei Sulzbach am 25. März 2026. Als eine 18-Jährige bei einem Messerangriff schwer verletzt wurde, gingen Daniel Damrau aus Schiffweiler und Markus Hans Klein aus St. Wendel gegen den noch bewaffneten Täter vor, zogen ihn von der Frau weg und verhinderten weitere Attacken. Andere Reisende stillten die Blutungen. Beide Ersthelfer wurden mit der Rettungsmedaille geehrt, vier weitere Helfende mit Öffentlichen Belobigungen.
Gewürdigt wurden zudem Menschen, die nach schweren Verkehrsunfällen Erste Hilfe leisteten, eine Frau vor dem Suizid bewahrten, einen Postboten nach einem Herzinfarkt reanimierten oder einem verletzten Jäger nach einem Wildschweinangriff das Leben retteten. Pelle Jacob aus Merzig-Bietzen half nach dem Anschlag auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt bei der Versorgung der Verletzten.
Die Saarländische Rettungsmedaille am Bande wird an Menschen verliehen, die unter Einsatz ihres eigenen Lebens Rettungstaten vollbringen. Die Öffentliche Belobigung würdigt Hilfe unter besonders schwierigen Umständen, auch dann, wenn die Rettung trotz allen Einsatzes nicht gelang. Ergänzend verweist das Ministerium auf die Kampagne „Tu was“, die mit sechs Regeln Orientierung geben soll, wie man in kritischen Situationen richtig handelt, ohne sich selbst zu gefährden.



















