Der Streit um die Zukunft des Ökostrom-Ausbaus in Deutschland gewinnt an Schärfe. Der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) wirft dem Bundeswirtschaftsministerium (BMWE) vor, die Risiken des geplanten Netzpakets systematisch kleinzurechnen. Auslöser der Kritik ist eine Analyse des Beratungsunternehmens E-Bridge, die im Auftrag des Ministeriums untersucht hat, welche Netzgebiete künftig als kapazitätslimitiert gelten könnten.
Genau diese Einstufung entscheidet darüber, wo neue Anlagen unter einen sogenannten Redispatch-Vorbehalt fallen – also gedrosselt werden dürfen, wenn das Netz an seine Grenzen kommt. Für Investoren ist das eine zentrale Frage. Wer nicht kalkulieren kann, ob und wie oft eine Anlage abgeregelt wird, tut sich schwer, Kapital in die Hand zu nehmen.
BEE-Präsidentin Ursula Heinen-Esser hält die vorgelegte Datenbasis für unzureichend. „Die Ergebnisse der E-Bridge-Studie für das Einzeljahr 2024 verharmlosen die realen Flächeneffekte des Redispatch-Vorbehalts für Neuanlagen“, erklärt sie. Die Beschränkung auf einen einzigen Jahrgang, das Fehlen von Vorwarnstufen zwischen drei und fünf Prozent Abregelung sowie eine rein punktuelle Kartendarstellung bildeten den tatsächlichen Effekt nicht ab. Damit, so ihr Urteil, disqualifiziere sich die Auswertung als Entscheidungsgrundlage.
Der Verband setzt der Ministeriumsstudie eigene Zahlen entgegen. Eine BEE-Auswertung der zwischen 2023 und 2025 abgeregelten Erneuerbare-Energien-Anlagen zeichnet ein deutlich anderes Bild. Demnach könnten die Kriterien für ein kapazitätslimitiertes Gebiet auf bis zu 39 Prozent der Neuanlagen angewendet werden. Ein Anteil, der aus Sicht des Verbands ein kaum beherrschbares wirtschaftliches Risiko darstellt.
Der Kern des Konflikts liegt in der Methodik. Während sich das Ministerium auf eine Momentaufnahme stützt, argumentiert der BEE mit einem längeren Zeitraum und differenzierteren Schwellenwerten. Aus dieser Differenz erwachsen völlig unterschiedliche Schlussfolgerungen darüber, wie stark der künftige Zubau erneuerbarer Energien tatsächlich betroffen wäre.
Heinen-Esser mahnt, das BMWE dürfe die Augen vor den Folgen seiner aktuellen Politik nicht verschließen. Gesetze, die über Investitionen und Arbeitsplätze der kommenden Jahre und Jahrzehnte entscheiden, benötigten eine belastbare Datengrundlage. Die vollständige Stellungnahme des Verbands zur E-Bridge-Analyse liegt der Veröffentlichung bei.




















