Europas Verteidigungsindustrie bekommt einen neuen Taktgeber: Der fränkische Automobil- und Industriezulieferer Schaeffler und der französische Drohnenspezialist Delair haben in Paris eine strategische Partnerschaft besiegelt, die den Aufbau einer hochskalierten Drohnenfertigung in Frankreich zum Ziel hat. Bereits im November 2026 soll vom Band einer neuen Produktionslinie rund 100 Kampf- und Abfangdrohnen pro Tag rollen.
Mit dem Schulterschluss verbindet sich industrielle Fertigungstiefe mit ausgewiesener Systemkompetenz. Schaeffler bringt seine über Jahrzehnte gereifte Erfahrung in Serienproduktion und Komponentenfertigung ein. Delair steuert das, was die Firma seit Jahren zu einem der führenden europäischen Anbieter unbemannter Flugsysteme gemacht hat: Design, Integration und Wissen über den operativen Einsatz im Feld.
Auf der neuen Linie sollen zunächst zwei Modelle entstehen. Das eine ist die Damoclès, eine bereits durch die französische Beschaffungsbehörde DGA qualifizierte Drohne, die im französischen Heer bereits zum Einsatz kommt. Das andere ist die Aspik, eine neu vorgestellte Abfangdrohne, die in das Portfolio aufgenommen wird. Beide Systeme sollen künftig in industriellem Maßstab gefertigt werden – ein Anspruch, der angesichts der sicherheitspolitischen Lage in Europa kein Detail ist, sondern Programm.
Die Partner sehen das Bündnis ausdrücklich nicht als zeitlich befristetes Projekt, sondern als dauerhafte Industrieallianz für Multirotor-Drohnen und deren Teilsysteme. Im Kern geht es darum, Europas Rüstungsbasis robuster aufzustellen und die Verfügbarkeit leistungsfähiger, skalierbarer Drohnensysteme spürbar zu beschleunigen. Frankreich als Produktionsstandort ist dabei gesetzt.
„Für den Drohnen-Sektor ist Schaefflers bewährte Industrialisierungskompetenz von großer Bedeutung“, erklärt Rémy Triouleyre, Regional CEO Europa bei Schaeffler. Die Begleitung von Delairs Wachstum durch Serienmontage, Skalierung und Komponentenzulieferung berge erhebliches Potenzial – und trage zugleich „zur Weiterentwicklung belastbarer Kapazitäten im europäischen Verteidigungssektor bei“.
Für Delair markiert die Vereinbarung einen industriepolitischen Wendepunkt. „Diese Zusammenarbeit mit Schaeffler ist ein wichtiger Schritt in der Weiterentwicklung unserer industriellen und europaweiten Präsenz“, sagt Bastien Mancini, CEO des Unternehmens. Durch die Bündelung der eigenen UAS-Expertise mit Schaefflers Fertigungsstärke wolle man die Produktionskapazitäten ausbauen und Kunden schneller mit modernsten Drohnensystemen beliefern.
Der Schulterschluss zwischen einem traditionsreichen Industriekonzern aus Herzogenaurach mit rund 110.000 Mitarbeitenden an mehr als 250 Standorten in 55 Ländern und einem agilen französischen Technologiehaus illustriert, wie sich die europäische Verteidigungslandschaft gerade neu ordnet. Wo bislang Prototypen und Kleinserien dominierten, soll ab Spätherbst 2026 ein durchindustrialisierter Takt vorgegeben werden – mit potenziell weitreichenden Folgen für die Drohnenmärkte des Kontinents.



















