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Seit drei Jahrzehnten rettet die Stroke Unit des Klinikums Saarbrücken Leben – und hat sich in dieser Zeit zur einzigen Comprehensive Stroke Unit des gesamten Saarlandes entwickelt. Anlässlich des Tags gegen den Schlaganfall am 10. Mai zieht Prof. Dr. Andreas Binder, Chefarzt der Klinik für Neurologie, Bilanz über eine Erfolgsgeschichte, die 1996 mit der Einführung der systemischen Thrombolyse begann und heute rund um die Uhr das gesamte Spektrum moderner Schlaganfallmedizin abdeckt. „Stroke Units haben die Schlaganfallbehandlung revolutioniert. Wir wissen heute aus vielen Studien, dass Patientinnen und Patienten nach einer Behandlung auf einer spezialisierten Stroke Unit mit deutlich weniger körperlichen Defiziten entlassen werden“, sagt Binder.

Die Einrichtung auf dem Winterberg gehört zu den 152 überregionalen Stroke Units in Deutschland und ist eine von lediglich zwei überregional zertifizierten Einheiten unter den insgesamt zehn Stroke Units im Saarland. Fünfmal in Folge hat die Deutsche Schlaganfallgesellschaft die Zertifizierung bestätigt, seit 2020 trägt die Station zusätzlich den Status einer Comprehensive Stroke Unit – die höchste Versorgungsstufe, die es in der Schlaganfallmedizin gibt. Auf europäischer Ebene ist sie als European Stroke Centre anerkannt und Teil des nach den Kriterien des Gemeinsamen Bundesausschusses qualifizierten Neurovaskulären Zentrums. Neun spezialisierte Betten stehen bereit, um Patientinnen und Patienten mit leichten bis schwersten Schlaganfällen zu versorgen.

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Was diese höchste Zertifizierungsstufe konkret bedeutet, fasst Binder so zusammen: „Eine Comprehensive Stroke Unit heißt übersetzt, dass wir das gesamte Spektrum der modernen Schlaganfallmedizin anbieten können – von der hochauflösenden Bildgebung über die Thrombektomie bis zur neurochirurgischen Versorgung und dass die Patienten von Aufnahme bis Entlassung von dem gleichen interdisziplinären Team versorgt werden. Damit behandeln wir auch die schwersten Fälle sicher und effektiv.“ Rund um die Uhr stehen spezialisierte Teams für Lysetherapie, kathetergestützte Thrombektomie und neurochirurgische Eingriffe wie Kraniotomien bei Hirnblutungen zur Verfügung. Modernste CT- und MRT-Bildgebung ermöglicht eine schnelle Diagnose, eigens ausgebildete Stroke Nurses erkennen Komplikationen frühzeitig, und die Frührehabilitation beginnt direkt am Bett.

Der medizinische Fortschritt der vergangenen drei Jahrzehnte lässt sich am Beispiel des Klinikums besonders anschaulich nachvollziehen. Bereits 1996 setzte man auf dem Winterberg die systemische Thrombolyse ein – damals die erste zugelassene medikamentöse Akuttherapie bei Schlaganfällen. Ab 2012 kam die kathetergestützte Thrombektomie hinzu, bei der Neuroradiologen Blutgerinnsel direkt aus den Hirngefäßen entfernen. Bis 2021 wurden bereits über 1.000 solcher Eingriffe durchgeführt, inzwischen liegt die Zahl bei rund 150 Thrombektomien pro Jahr. „In den vergangenen 30 Jahren hat sich die Schlaganfallmedizin rasant weiterentwickelt. Von der systemischen Thrombolyse bis zur Einführung der Thrombektomie: ab der ersten Minute – wir haben jede dieser Innovationen früh und konsequent umgesetzt“, betont Binder.

Besonders eindrucksvoll zeigt sich der Fortschritt beim Zeitfenster für eine erfolgreiche Behandlung. Zwar gilt nach wie vor der Grundsatz „Time is brain“, doch dank moderner Bildgebung lässt sich heute wesentlich präziser bestimmen, welches Hirngewebe noch gerettet werden kann. „Moderne Bildgebung erlaubt uns heute, viel präziser zu erkennen, welches Hirngewebe noch zu retten ist. Dadurch können wir geeignete Patientinnen und Patienten in ausgewählten Fällen sogar bis zu 24 Stunden nach Symptombeginn erfolgreich behandeln. Das ist ein enormer Fortschritt, der vor wenigen Jahren noch undenkbar war“, erläutert der Chefarzt. Was früher ein enges Zeitfenster von wenigen Stunden war, hat sich in geeigneten Fällen auf bis zu einen ganzen Tag erweitert.

Hinter der hohen Versorgungsqualität steht ein eng verzahntes Netzwerk verschiedener Fachabteilungen. Neurologie, Neuroradiologie, Neurochirurgie, Intensivmedizin und Gefäßchirurgie arbeiten am Klinikum Saarbrücken nahtlos zusammen. Das Behandlungsspektrum reicht von der Katheterbehandlung verschlossener Hirngefäße über Stentverfahren und Operationen an den Halsschlagadern bis hin zu neurochirurgischen Eingriffen bei raumfordernden Hirnblutungen. „Schlaganfallversorgung ist Teamarbeit. Neurologie, Neuroradiologie, Neurochirurgie, Intensivmedizin und Gefäßchirurgie greifen bei uns nahtlos ineinander. Diese enge Zusammenarbeit ist ein wesentlicher Grund für die hohe Qualität unserer Ergebnisse“, unterstreicht Binder. Weil das Klinikum über diese umfassenden Möglichkeiten verfügt, übernimmt es regelmäßig die Weiterbehandlung komplexer Fälle aus umliegenden Krankenhäusern.

Die Zahlen belegen die Dimension der Versorgungsleistung: Jährlich werden im Gesamtklinikum mehr als 1.000 Patientinnen und Patienten mit Schlaganfallsymptomatik behandelt. Dafür steht ein Team aus 20 Ärztinnen und Ärzten, 52 Pflegekräften und Pflegehelfern, sieben eigens ausgebildeten Stroke Nurses sowie zwei Pflegekräften mit Fachweiterbildung in Anästhesie und Intensivmedizin bereit. Ergänzt wird die Mannschaft durch vier Sekretärinnen, vier Stationshilfen und vier ausländische Pflegekräfte im Anerkennungsverfahren. Spezielle Zusatzqualifikationen in Ultraschallverfahren, endoskopischer Schluckdiagnostik und seltenen neurologischen Spezialverfahren tragen zusätzlich zur Expertise bei. „Ein großer Vorteil unserer Stroke Unit ist die durchgehende Betreuung durch ein eingespieltes Team. Das schafft Informationskontinuität und stärkt das Vertrauensverhältnis zwischen Personal und Patientinnen und Patienten“, sagt Binder.

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Mit Blick auf die Zukunft will die Stroke Unit ihre interdisziplinären Strukturen weiter ausbauen, digitale Diagnostik- und Kommunikationswege stärken und sich an wissenschaftlichen Studien beteiligen. „Unser Anspruch ist es, immer auf dem neuesten Stand der Wissenschaft zu sein und die Schlaganfallversorgung im Saarland kontinuierlich weiterzuentwickeln“, formuliert Binder den Anspruch für die kommenden Jahre. Drei Jahrzehnte nach ihrer Gründung ist die Stroke Unit auf dem Winterberg längst mehr als eine Spezialabteilung – sie ist ein zentraler Pfeiler der Schlaganfallversorgung weit über die Landeshauptstadt hinaus.

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