Industriekathedrale Alte Schmelz - Foto: Maria Müller-Lang
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„Nicht sehen trennt von den Dingen, aber nicht hören trennt von den Menschen“ – dieses Immanuel Kant zugeschriebene Zitat steht am Anfang eines Vortragsabends, der sich einem der faszinierendsten und zugleich am meisten unterschätzten Sinnesorgane widmet. Am Dienstag, 19. Mai 2026, laden zwei renommierte Mediziner des Universitätsklinikums des Saarlandes nach St. Ingbert ein, um über die Funktionsweise des Gehörs, moderne Therapieansätze und eine verblüffende Zukunftsvision zu sprechen: das Hören mithilfe von Licht.

Der MINT-Campus Alte Schmelz e. V. richtet den Abend im Rahmen seines Wissenschaftsforums aus. Beginn ist um 19:30 Uhr im SFTZ-Gebäude auf dem Gelände der Alten Schmelz in der Saarbrücker Straße 38e. Wer nicht vor Ort dabei sein kann, hat die Möglichkeit, den Vortrag online zu verfolgen – die Veranstaltung findet in einem hybriden Format statt. Der Eintritt ist frei, für die Teilnahme vor Ort wird allerdings um eine vorherige Anmeldung per E-Mail gebeten.

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Unter dem Titel „Vom Hören und vom Licht im Ohr“ nehmen Prof. Dr. Bernhard Schick und Prof. Dr. Gentiana I. Wenzel ihr Publikum mit auf eine Reise durch die Mechanik des Innenohrs bis hin zu den neuesten Erkenntnissen der Hörforschung. Ein zentraler Aspekt des Abends: Aktuelle Studien legen nahe, dass der Schutz des Gehörs weit mehr ist als eine Frage des Komforts. Wer auf sein Hörvermögen achtet, tut demnach auch seinem Gehirn etwas Gutes. Die Referenten wollen aufzeigen, was die moderne Medizin und Technik bereits leisten können – und welche Möglichkeiten in greifbarer Nähe liegen, um ein schwächer werdendes Innenohr durch Lichtstimulation zu unterstützen.

Bernhard Schick bringt jahrzehntelange Erfahrung in der Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde mit. Nach seinem Medizinstudium und der Promotion an der Universität Marburg begann er seine Facharztausbildung am Klinikum Fulda, bevor er in leitenden Positionen am Universitätsklinikum des Saarlandes und an der Universität Erlangen-Nürnberg arbeitete. Seine Habilitation im Jahr 2003 widmete sich der Erstbeschreibung von Eiweißstoffen an Muskelstrukturen des Innenohrs sowie der Entwicklung eines neuen Hörmodells. Seit 2009 leitet er als Direktor die Universitäts-HNO-Klinik in Homburg und übernahm darüber hinaus drei Jahre lang die Funktion des Ärztlichen Direktors und Vorstandsvorsitzenden des gesamten Universitätsklinikums. Sein aktueller Forschungsschwerpunkt liegt unter anderem auf der Lichtstimulation des Ohres, daneben beschäftigt er sich mit onkologischen Fragestellungen rund um Tumorbiologie, Virusinfektionen und genetische Veränderungen.

Gentiana Wenzel ergänzt dieses Profil mit einer ebenso beeindruckenden wissenschaftlichen Laufbahn, die sie von Bukarest über Würzburg bis nach Houston, Texas, führte. Am dortigen Baylor College of Medicine forschte sie als Postdoktorandin im „Laboratory of Cochlear Mechanics and Hearing Loss“, wo sie Laser-Manipulationen am Innenohr durchführte und an Gentherapien für das Hörorgan arbeitete. An der Medizinischen Hochschule Hannover entdeckte sie anschließend einen völlig neuen Ansatz: die Laser-Stimulation des Mittelohres. Für ihre Arbeiten erhielt sie 2010 gleich zwei Auszeichnungen auf der SPIE Photonics West in San Francisco. Zwei Jahre später gelang es ihr als erster Frau im Saarland, einen EU-Starting Grant einzuwerben. Heute ist sie an der HNO-Klinik der Universität des Saarlandes sowohl klinisch als auch wissenschaftlich tätig und leitet dort die Arbeitsgruppe „Licht und Ohr“.

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Der Abend verspricht damit weit mehr als eine trockene Anatomie-Vorlesung. Zwei Forscherpersönlichkeiten, die an der Schnittstelle von Medizin und Physik arbeiten, öffnen den Blick auf eine Zukunft, in der Licht zum Werkzeug gegen Hörverlust werden könnte. Die Koordination des Wissenschaftsforums liegt bei Prof. Dr. Horst Altgeld, der unter horst.altgeld@mintcampus.de für Rückfragen und Anmeldungen erreichbar ist. Wer online teilnehmen möchte, findet den Zugangslink unter t1p.de/Wissenschaftsforum

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