Es gibt Jubiläen, bei denen man einfach gratuliert. Und es gibt Jubiläen, bei denen die Freude immer auch eine ernste zweite Seite hat. 20 Jahre Homburger Tafel gehören genau in diese Kategorie. Denn gefeiert wurde eine Einrichtung, die vielen Menschen im Alltag hilft – und von der sich zugleich wohl jeder wünschen würde, dass sie eines Tages nicht mehr gebraucht wird.
Bei der Feierstunde zum 20-jährigen Bestehen der Tafel Homburg wurde deshalb nicht nur zurückgeblickt. Es ging auch um die Frage, wie sehr sich soziale Not, Lebensmittelrettung und ehrenamtliches Engagement in den vergangenen zwei Jahrzehnten verändert haben. Vorsitzende Doris Lehmann erinnerte daran, dass das Projekt Homburger Tafel am 16. Mai 2006 in der Inastraße 1 in Homburg gestartet wurde – damals noch in Trägerschaft des Caritaszentrums Saarpfalz. Nach mehrmonatiger Vorbereitung wurden bereits am 19. Mai 2006 erstmals Lebensmittel ausgegeben: 70 ehrenamtliche Helfer versorgten damals 130 Familien und Einzelpersonen.
Die Grundidee war von Beginn an klar: Lebensmittel, die qualitativ einwandfrei sind, aber im Handel nicht mehr verkauft werden, sollten nicht weggeworfen werden, sondern Menschen zugutekommen, die Unterstützung brauchen. Schon in den ersten Monaten zeigte sich, wie groß der Bedarf war. Nach 50 Ausgabetagen waren bereits mehr als 500 Tafelausweise ausgestellt worden, rund 8.000 Abholungen wurden gezählt, etwa 30.000 Personen hatten gespendete Lebensmittel erhalten. Aus dem Projekt wurde schließlich ein gemeinnütziger Verein; die Gründung erfolgte am 22. März 2007.
Ohne Unterstützung von außen wäre dieser Aufbau kaum möglich gewesen. Doris Lehmann erinnerte an die frühe Hilfe der Stadt Homburg, an kirchliche und soziale Träger, an Sponsoren, Lebensmittelspender und an den Einsatz von Roland Best, der die Tafel mitbegründete und lange prägte. Auch ehemalige politische Wegbegleiter spielten eine Rolle. Clemens Lindemann, damals Landrat, erinnerte sich bei der Feierstunde daran, wie Best mit der Idee zu ihm gekommen sei: Lebensmittelverschwendung verhindern und zugleich ärmeren Menschen helfen. Heute, so Lindemann, mache ihn die Entwicklung auch ein Stück weit stolz, weil sich daraus eine Einrichtung entwickelt habe, die Menschen ganz konkret entlaste.
Was die Tafel heute leistet, geht allerdings weit über die reine Ausgabe von Lebensmitteln hinaus. In Homburg arbeiten derzeit 72 ehrenamtliche Helfer an vier Tagen pro Woche in verschiedenen Gruppen mit, in der Ausgabestelle St. Ingbert sind es weitere 40 Helfer an zwei Tagen. Hinzu kommen ein festangestellter Koordinator, eine Bürokraft und Reinigungskräfte. Die Zweigstelle in St. Ingbert wurde 2009 im Mathildenstift der Arbeiterwohlfahrt eingerichtet. Auch eine Kleiderkammer gehörte zeitweise zum Angebot der Homburger Tafel.
Besonders im Blick hatte die Tafel schon früh Kinder aus bedürftigen Familien. Doris Lehmann erinnerte unter anderem an Geschenkaktionen, Ferienangebote mit Frühstück und Mittagessen sowie an Schwimmkurse für Kinder, die mithilfe von Kooperationspartnern und Sponsoren organisiert wurden. Auch die Corona-Pandemie stellte die Tafel vor enorme Herausforderungen. Einsatzpläne mussten umgestellt, Ausgaben neu organisiert und neue Helfer gewonnen werden. Trotz schwieriger Bedingungen gelang es, die Versorgung schnell wieder aufzunehmen – damals mit gepackten Kisten im Freien.
Dass die Tafel auch nach 20 Jahren unverzichtbar ist, zeigen die aktuellen Zahlen. Wegen hoher Energie- und Lebensmittelpreise, Krisen und wachsender Unsicherheit steigt die Nachfrage wieder. Aktuell stehen allein bei der Ausgabestelle Homburg 220 Familien und Einzelpersonen auf der Warteliste. Diese Zahl zog sich wie ein stiller, aber deutlicher Hinweis durch mehrere Reden des Tages.
Sozialminister Magnus Jung machte deutlich, dass die Tafel eine Hilfe für Menschen sei, die auch in einem reichen Land am Monatsende vor der Frage stehen, wie sie Essen bezahlen sollen. Er nannte die Idee der Tafeln „großartig“: Lebensmittel, die sonst entsorgt würden, an Menschen weiterzugeben, die sie sich nicht leisten können. Zugleich ordnete Jung die Arbeit in eine größere sozialpolitische Debatte ein. Die Tafel zeige, dass Menschlichkeit und Solidarität in der Gesellschaft weiterhin stark verwurzelt seien – auch wenn soziale Leistungen politisch immer wieder infrage gestellt würden.
Auch Philipp Scheidweiler, Beigeordneter der Stadt Homburg, stellte das Ehrenamt in den Mittelpunkt. Wenn man vor Ort sehe, wie viele Lebensmittel ausgegeben würden, werde schnell klar, wer diese Institution trage: die Menschen, die Woche für Woche mitarbeiten. „Sie sind es, die die Tafel jetzt seit über 20 Jahren am Laufen halten“, sagte Scheidweiler. Ohne dieses Engagement wäre die Tafel nicht dort, wo sie heute stehe. Gleichzeitig sagte er weitere Unterstützung der Stadt zu: Homburg stehe weiterhin an der Seite der Tafel.
Der frühere Vorsitzende und Mitbegründer Roland Best lenkte den Blick auf eine Entwicklung, die die Arbeit der Tafeln zunehmend erschwert. Lebensmittelmärkte und Unternehmen planen heute genauer, digitale Prozesse und automatisierte Warensteuerung reduzieren Überschüsse. Was aus wirtschaftlicher Sicht sinnvoll sein mag, hat für die Tafeln eine direkte Folge: Es kommt weniger Ware an. Best beschrieb diese Veränderung als eine der großen Herausforderungen der kommenden Jahre. Was sich aber nicht verändert habe, sei die Haltung der Homburger Tafel.
Auch aus den Kirchen kamen deutliche Worte der Anerkennung. Der evangelische Vertreter erinnerte daran, dass man eigentlich eine Einrichtung feiere, die man sich in einer gerechten Gesellschaft gar nicht wünschen müsste. Gerade deshalb sei die Arbeit der Tafel so wichtig. Sie stille nicht nur Hunger und Durst, sondern leiste auch einen Beitrag zu Nachhaltigkeit, Teilhabe und gelebter Nächstenliebe. Von katholischer Seite wurde besonders hervorgehoben, dass neben Lebensmitteln auch Gespräche, Zuhören, ein Lächeln und Wertschätzung weitergegeben würden.
Kim Britz vom Landesverband der Tafeln Rheinland-Pfalz/Saarland sprach der Homburger Tafel im Namen des Landesvorstandes Glückwünsche aus. Die Tafel Homburg sei seit zwei Jahrzehnten ein verlässlicher Anker für viele Menschen. Entscheidend sei dabei nicht nur die Struktur, sondern das Team, das Woche für Woche anpacke, Lebensmittel rette, Ausgaben organisiere und Menschen mit Respekt begegne.
Am Ende blieb ein Jubiläum, das Dankbarkeit und Nachdenklichkeit miteinander verband. 20 Jahre Homburger Tafel stehen für eine beeindruckende Leistung vieler Helfer, Unterstützer und Spender. Sie stehen aber auch für eine Realität, die nicht übersehen werden darf: Die Nachfrage wächst, die Beschaffung wird schwieriger, die Warteliste ist lang. Genau deshalb war diese Feier nicht nur ein Rückblick auf das, was geschaffen wurde – sondern auch ein deutlicher Hinweis darauf, wie wichtig diese Arbeit weiterhin bleibt.
Alle Bilder: Friedel Simon



















































































