Es war keine gewöhnliche Zeitkapsel, die auf dem Gelände des Universitätsklinikums eingemauert wurde. Zwischen Dokumenten und Erinnerungsstücken lagen Bilder von Kindern aus benachbarten AWO-Kitas. Darauf hatten sie gemalt, wie sie sich ein Hospiz vorstellen – und was sie den Menschen wünschen, die dort einmal leben werden: Familie und Freunde an ihrer Seite, Kuscheltiere, Liebe, Harmonie und Menschen, die ihnen schöne Momente schenken.
Ein kindlicher Blick auf ein schweres Thema. Und zugleich vielleicht die treffendste Beschreibung dessen, was mit dem Palliativzentrum Schmetterling in Homburg entstehen soll. Mit der Grundsteinlegung ist das Projekt Ende Juli einen entscheidenden Schritt weitergekommen. Auf einem rund 12.000 Quadratmeter großen Grundstück am Rand des UKS entsteht ein altersübergreifendes Hospizzentrum mit 24 Plätzen: acht für Kinder und Jugendliche, 16 für Erwachsene. Hinzu kommen Aufenthalts- und Rückzugsmöglichkeiten für Angehörige. Die Eröffnung ist für das vierte Quartal 2027 vorgesehen.
Die Geschichte dieses Hauses begann lange vor dem ersten Spatenstich. Prof. Dr. Sven Gottschling erinnerte bei der Grundsteinlegung an das Jahr 2009. Damals sei er häufig durch das Waldgebiet am Rand des Klinikums gelaufen – auch auf der Suche nach Steinpilzen, deren genaue Fundstellen er als Pilzsammler selbstverständlich für sich behielt.
Schon damals habe er gedacht, dass dies der richtige Ort für ein Hospiz sei: eingebettet in den Wald, fernab von spürbarer medizinischer Infrastruktur und gleichzeitig nah genug am Universitätsklinikum, um bei einem Notfall schnell helfen zu können. Aus diesem Gedanken entstand eine Idee, aus der Idee ein jahrelanger Kampf – und daraus nun ein Gebäude, dessen Konturen bereits sichtbar werden.

Gottschling sprach von einem „ganz, ganz großen Tag“. Mit dem Zentrum komme man dem Ziel einer vollständig alters- und sektorenübergreifenden Versorgung von Menschen mit lebensbegrenzenden Erkrankungen nun „mit Riesenschritten näher“. Für ihn bedeutet Hospiz- und Palliativarbeit vor allem eines: „Hospiz- und Palliativversorgung ist das gelebte Versprechen, dass es keinen Fürsorgeabbruch geben wird.“
Gerade dieser Gedanke stand über der gesamten Feier. Ein Hospiz ist kein Ort, an dem aufgegeben wird. Es ist ein Ort, an dem sich das Ziel verändert. Wenn Heilung nicht mehr möglich ist, geht es um Linderung, um Sicherheit, um Nähe – und darum, Menschen und ihre Angehörigen nicht allein zu lassen.
Kinder und Erwachsene unter einem Dach
Das Palliativzentrum Schmetterling wird bundesweit eine Besonderheit. Zwar entstehen aus rechtlichen Gründen formal ein Kinder- und ein Erwachsenenhospiz, räumlich werden beide jedoch in einem gemeinsamen Baukörper verbunden. Nach Angaben Gottschlings wird damit das größte Hospiz Deutschlands entstehen.
Die Idee einer konsequent altersübergreifenden Versorgung begleitet Gottschling und seine Mitstreiter seit vielen Jahren. Bereits 2016 eröffnete am UKS eine Station, die Menschen vom Neugeborenen bis ins hohe Alter mit lebenslimitierenden Erkrankungen versorgt. Mit dem neuen Hospizzentrum soll diese Arbeit nun um einen stationären Ort ergänzt werden, der medizinische Kompetenz und familiäre Geborgenheit zusammenführt.
Die Bausumme beträgt 12,9 Millionen Euro. Hinzu kommen 2,3 Millionen Euro an Baunebenkosten sowie rund 800.000 Euro für die Einrichtung. Bauherr und späterer Betreiber ist die Siebenpfeiffer Hospiz- und Palliativgesellschaft. Getragen wird sie vom Förderverein für altersübergreifende Palliativmedizin und der AWO Saar.
Ein Projekt, das viele Schultern braucht
Dass aus einer Idee nach so vielen Jahren tatsächlich ein Bauprojekt geworden ist, liegt an einer außergewöhnlich breiten Unterstützung. Förderverein, AWO, UKS, Politik, Wirtschaft, Planer, Bauunternehmen, Spender und zahlreiche Ehrenamtliche haben das Vorhaben begleitet.
Wilfried Bohn, Vorsitzender des Fördervereins, machte deutlich, wie viele Menschen über Jahre hinweg an diesem Projekt gearbeitet haben. Corona habe den Weg zwar erschwert. „Unsere Gedanken wurden nicht ausgebremst“, sagte Bohn. Man habe weiter überlegt, weiter geplant und weiter daran gearbeitet, wie ein solches Hospiz aussehen könne.
Besonders hob er Gottschling hervor. Dieser sei der Motivator des Projekts, der immer wieder neue Möglichkeiten gesehen und die Mitstreiter auf dem langen Weg mitgenommen habe. „Das ist zum großen Teil dein Kopf und deine Rolle“, sagte Bohn in Richtung des Mediziners. Dafür sei man ihm „von Herzen dankbar“.
Bohn sprach zugleich einen Punkt an, der über den Bau hinausweist: Hospize sind nicht vollständig finanziert. Es bleiben Lücken, die Fördervereine und Unterstützer schließen müssen. Gerade bei Kinderhospizen müsse deshalb darüber nachgedacht werden, ob eine vollständige Finanzierung nicht längst überfällig sei. Neben dem eigentlichen Betrieb komme schließlich auch die Unterbringung von Angehörigen hinzu.
„Lebensqualität kann man auch auf den letzten Metern haben“
Ministerpräsidentin Anke Rehlinger würdigte das Zentrum als sichtbaren Ausdruck von Mitmenschlichkeit. Die Gesellschaft müsse das Versprechen geben, „dass niemand alleine ist und erst recht nicht alleine ist, wenn die schwersten Stunden bevorstehen“. Für dieses Versprechen brauche es Orte und hochprofessionelle Teams, die es im Alltag tatsächlich einlösen.
Rehlinger erinnerte daran, dass das Projekt nur entstehen konnte, weil Menschen über viele Jahre hinweg an der Idee festgehalten hätten. Aus einem Gedanken, einer Idee und dem Gefühl der Verantwortung für Mitmenschen sei nun ein konkretes Bauwerk geworden.
Besonders persönlich wurde ihre Rede, als sie von einem Praktikumstag in einem Hospiz in Neunkirchen berichtete. Dort habe sie erlebt, mit welcher Professionalität, aber auch mit welcher „aufgeräumten Leichtigkeit“ Menschen und ihre Familien begleitet würden.
„Lebensqualität kann man auch auf den letzten Metern haben“, sagte die Ministerpräsidentin. Für Angehörige sei es von unschätzbarem Wert, wenn ihnen medizinische, organisatorische und bürokratische Last abgenommen werde – und wenn sie wissen könnten, dass ein nahestehender Mensch gut versorgt ist.
Damit ist das neue Zentrum nicht nur ein medizinisches Projekt. Es gibt auch eine Antwort auf die Frage, wie eine Gesellschaft mit Menschen umgeht, die auf besondere Unterstützung angewiesen sind. Rehlinger stellte dies dem Eindruck entgegen, dass der Ellenbogen immer häufiger das bevorzugte Werkzeug sei. Entscheidend sei vielmehr, wie Menschen in der Gesellschaft gehalten und unterstützt werden könnten.
Die Fackel des Kinder-Lebens-Laufs in Homburg
Ein weiteres Symbol der Grundsteinlegung war die Engels-Fackel des bundesweiten Kinder-Lebens-Laufs. Sie wandert durch Deutschland und erstmals auch durch Luxemburg, Österreich und die Schweiz. In Homburg machte sie auf die Situation von Kindern und Jugendlichen mit lebensverkürzenden Erkrankungen und ihrer Familien aufmerksam.
Während der Feier wurde die Fackel an Rüdiger Schneidewind weitergegeben. Ihre Station am Palliativzentrum machte sichtbar, dass das Homburger Projekt Teil eines weit größeren Netzwerks ist – eines Netzwerks, das Aufmerksamkeit schaffen und das Thema Kinderhospizarbeit stärker ins öffentliche Bewusstsein rücken will.
Auch Oberbürgermeister Michael Forster sprach von weit mehr als einem neuen Gebäude. In Homburg wachse ein Ort, an dem Menschen Geborgenheit, Begleitung und menschliche Nähe erfahren könnten. Das Projekt zeige, was möglich werde, wenn Medizin, Ehrenamt, Politik und Gesellschaft über viele Jahre an eine Idee glaubten.
Am Ende wurde die Zeitkapsel verschlossen und eingemauert. Darin liegen nun die Bilder der Kinder und ihre Wünsche für Menschen, die sie wahrscheinlich nie kennenlernen werden. Vielleicht werden diese Zeichnungen eines Tages wieder ans Licht kommen. Bis dahin bleibt ihre Botschaft im Fundament des Hauses: Niemand soll allein sein.
Alle Bilder: Friedel Simon


























































































