Foto: Klinikum Saarbrücken
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Statt über ihre Erkrankung spricht Edith Karg lieber über die Loire. Die 82-Jährige aus Bischmisheim sitzt in ihrem Zimmer auf Station 16 des Klinikums Saarbrücken, wartet auf den Entlassbrief und schmiedet bereits die nächsten Reisepläne. „In zwei Wochen brechen mein Mann und ich auf zur Flusskreuzfahrt“, sagt sie und lächelt. Dass sie überhaupt wieder reisen kann, verdankt sie einem der aufwendigsten Eingriffe, den Spezialisten auf dem Winterberg in jüngster Zeit gemeistert haben.

Hinter der lebensfrohen Frau liegt ein medizinischer Hochrisikofall. Karg litt unter krankhaft erweiterten Venen im Magen, sogenannten Varizen. Sie waren Folge einer seltenen Grunderkrankung, die den Druck im Pfortadersystem gefährlich erhöht hatte. Dieser venöse Kreislauf leitet Blut aus Magen, Darm und Milz über die Leber zurück in den großen Blutkreislauf. Bei zu hohem Druck können solche Varizen jederzeit reißen und lebensbedrohliche Blutungen auslösen.

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Genau das war der Patientin bereits widerfahren. 2023, während einer Kreuzfahrt im östlichen Mittelmeer, kam es zur ersten dramatischen Blutung. Über Athen ging es zurück nach Deutschland und schließlich in das vertraute Klinikum. „Für mich war klar, dass ich hier behandelt werden möchte, weil man mich hier als Patientin kannte“, erinnert sie sich. Damals konnten die Ärzte die Gefahr bannen, warnten aber ausdrücklich vor einer Wiederholung. Diese trat im Juli 2026 ein.

Diesmal suchten die Mediziner nach einer dauerhaften Lösung. Sie empfahlen einen kombinierten Eingriff, bei dem gleich zwei Chefärzte und mehrere spezialisierte Teams zusammenwirken sollten. Fast sieben Stunden dauerte die Operation, in der Innere Medizin und Radiologie Hand in Hand arbeiteten. Zunächst legten die Spezialisten eine künstliche Verbindung zwischen Pfortader und Lebervene, das sogenannte TIPS-Verfahren, um den krankhaft erhöhten Druck zu senken und dem Blut einen neuen Weg zu bahnen. Diese Methode zählt zu den besonders anspruchsvollen interventionellen Behandlungen und wird nur an spezialisierten Zentren durchgeführt.

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Den ersten Teil übernahm Dr. Klaus Radecke, Chefarzt der Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und interventionelle Endoskopie, mit seinem Team. Anschließend übernahm Prof. Dr. Elmar Spüntrup, Chefarzt des Instituts für Radiologie. Mit feinster Kathetertechnik spürte er die Gefäße auf, über die Blut in die gefährlichen Magenvarizen gelangte, und verschloss sie gezielt. Erschwert wurde alles durch eine stark vergrößerte Milz, die im Bauchraum so viel Platz beanspruchte, dass ein komplexes Netz von Umgehungskreisläufen entstanden war.

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„Es war extrem anspruchsvoll“, resümiert Spüntrup nach dem Eingriff, „da war von uns beiden sehr viel Erfahrung und viel Einfallsreichtum gefragt.“ Radecke wird noch deutlicher: „Bei solch komplexen Ausgangslagen wie bei Frau Karg gibt es oft wenig bis keine Behandlungsoption. Das, was wir hier gemeinsam umsetzen konnten, war High-Level-Medizin.“ Der Aufwand hat sich gelohnt: Die Varizen konnten erfolgreich verschlossen, das Risiko weiterer schwerer Blutungen deutlich gesenkt werden.

Edith Karg wusste um das Risiko und ging es dennoch ein. „Natürlich habe ich mich gefragt, ob man so etwas mit 82 Jahren noch machen sollte“, sagt sie offen. Am Ende überwog das Vertrauen. Ein Moment ist ihr besonders im Gedächtnis geblieben: „Man hat den Ärzten hinterher angesehen, wie sehr sie sich selbst gefreut haben, dass der Eingriff erfolgreich war. Und ein bisschen stolz waren sie, glaube ich, auch.“ Für sie zählt nun der Blick nach vorn. „Man darf sich von seinen Krankheiten nicht verrückt machen lassen“, sagt sie. Die Loire wartet bereits, und danach vermutlich die nächste Reise.

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