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Neun von zehn Unternehmen im deutschen Groß- und Außenhandel ächzen unter massiv gestiegenen Transportkosten – eine direkte Folge der anhaltenden Sperrung der Straße von Hormus. Das geht aus einer aktuellen Umfrage des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA) hervor, deren Ergebnisse Verbandspräsident Dr. Dirk Jandura am 11. Mai 2026 vorstellte. Sein Befund fällt unmissverständlich aus: „Die Lage im Logistikbereich ist durch die stetig steigenden Preise inzwischen dramatisch.“

Die Blockade der strategisch bedeutsamen Meerenge trifft die Wirtschaft auf mehreren Ebenen gleichzeitig. Der Schiffsverkehr ist erheblich eingeschränkt, bei der Luftfracht kommt es zu Verzögerungen, und der gestiegene Ölpreis verteuert auch den Lieferverkehr auf der Straße. „Die gesamte Lieferkette gerät unter Druck“, beschrieb Jandura die Situation. Hinzu kommen wachsende Ausfälle bei Produktlieferungen aus Asien, wo der Ölmangel die Fertigung zunehmend beeinträchtigt.

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Besonders alarmierend: Ein Viertel der befragten Unternehmen meldet bereits Produktionsausfälle infolge der explodierten Energiekosten. Fast 60 Prozent rechnen damit, dass sich Material- und Warenengpässe in den kommenden Monaten weiter verschärfen werden. Jandura warnte deshalb vor deutlich steigenden Preisen in der zweiten Jahreshälfte. Die Versorgung der Bevölkerung sehe er zwar nicht gefährdet, doch müsse man sich auf eine spürbare Einschränkung der Angebotsvielfalt einstellen – sowohl bei Lebensmitteln als auch bei anderen Waren, sollte die Sperrung andauern.

Die Krise trifft vor allem kleine und mittlere Unternehmen mit voller Wucht. Laut der BGA-Umfrage baut fast die Hälfte aller Händlerinnen und Händler derzeit zusätzliche Lagerbestände auf, um drohenden Engpässen vorzubeugen. Diese Strategie bindet jedoch erhebliches Kapital und belastet die Liquidität – ein Problem, das nach den zurückliegenden Rezessionsjahren besonders schwer wiegt. Jandura forderte die Bundesregierung auf, die versprochenen Entlastungen für den Mittelstand endlich umzusetzen: „Sonst nehmen Insolvenzen und Arbeitsplatzabbau bei den Unternehmen weiter zu.“

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Mit Blick auf die langfristigen Folgen machte der BGA-Präsident wenig Hoffnung auf eine schnelle Erholung. Selbst nach einem Ende des Konflikts dürften Energiepreise und Lieferengpässe noch lange nachwirken, da zahlreiche Produktionsanlagen in der Region beschädigt oder zerstört worden seien. „Auf Frieden zu drängen reicht uns bei den wirtschaftlichen Folgen nicht“, betonte Jandura. Aus wirtschaftlicher Perspektive sei es vorrangig, die Blockade zu beenden und die Passage für die internationale Schifffahrt dauerhaft zu sichern – „ohne Beschuss und ohne Gebühren“.

An die Adresse der Bundesregierung richtete Jandura gleich mehrere konkrete Forderungen. Diplomatische Bemühungen um ein Ende der Krise seien zwar richtig, reichten allein aber nicht aus. Strukturelle Verbesserungen der Rahmenbedingungen am Standort Deutschland müssten folgen. Den bestehenden Tankrabatt bezeichnete er als „Maßnahme mit der Gießkanne und ohne große Effekte“ und plädierte stattdessen für eine Senkung der Energiesteuern auf ein europäisches Mittelmaß. Auch die Bürokratiebelastung insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen müsse dringend abgebaut werden. Dass das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz noch immer nicht abgeschafft sei, nannte Jandura „einen schlechten Witz“.

Die Umfrageergebnisse verdeutlichen, wie verwundbar die deutsche Handelslandschaft gegenüber geopolitischen Verwerfungen bleibt. Während die Unternehmen kurzfristig mit Lagerhaltung und Kostenweitergabe reagieren, wächst der Druck auf die Politik, über Krisenmanagement hinaus strukturelle Antworten zu liefern. Die kommenden Monate werden zeigen, ob die Forderungen des Groß- und Außenhandels in Berlin Gehör finden – oder ob die Branche die Folgen der Hormus-Krise weitgehend allein schultern muss.

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