Foto: MFW
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Was passiert in einer Synapse, wenn Nervenzellen miteinander kommunizieren – und zwar in dem Bruchteil einer Sekunde, in dem Botenstoffe freigesetzt werden? Diese Frage steht im Zentrum der Arbeit von Kristina Lippmann. Die Neurophysiologin übernimmt zum 15. August 2026 eine Professur für Physiologie an der Universität des Saarlandes und wird künftig am Campus Homburg forschen und lehren.

Ihre wissenschaftliche Heimat findet die Fachärztin am Center for Integrative Physiology and Molecular Medicine (CIPMM) der Medizinischen Fakultät. Lippmann wechselt von der Universität Leipzig ins Saarland, wo sie zuvor eine Forschungsgruppe am Carl-Ludwig-Institut für Physiologie leitete. Zudem war sie am Aufbau des Graduiertenkollegs „NeuroTune“ als Teilprojektleiterin beteiligt.

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Besonders bemerkenswert ist die Methodik, mit der sie arbeitet. Bei der sogenannten Zap-and-Freeze-Technik wird Hirngewebe nur wenige Millisekunden nach einer Reizung schockgefroren. So lassen sich genau jene Momente konservieren, in denen Neurotransmitter freigesetzt werden. Mithilfe der Elektronentomographie entstehen anschließend dreidimensionale Bilder mit einer Auflösung im Nanometerbereich. Für Lippmann ist das ein Schlüssel, um die Proteindynamiken an den Freisetzungsstellen während synaptischer Aktivität besser zu begreifen.

Doch die Grundlagenforschung ist für sie kein Selbstzweck. Sie interessiert sich ebenso dafür, wie zelluläre Veränderungen bei Erkrankungen die Dynamik neuronaler Netzwerke beeinflussen – also jener Prozesse, die für Lernen und Gedächtnis unverzichtbar sind. Für ihre Struktur-Funktions-Analysen kombiniert sie hochauflösende Licht- und kryogene Elektronenmikroskopie mit funktioneller Elektrophysiologie.

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An der Universität des Saarlandes will Lippmann eng mit den klinischen Partnern am Universitätsklinikum zusammenarbeiten. Ihr Ziel ist es, die im Mausmodell gewonnenen Erkenntnisse langfristig auf den Menschen zu übertragen, um zu verstehen, wie sich die Informationsverarbeitung bei Krankheiten verändert. In der Lehre möchte sie den Studierenden neben den physiologischen Grundlagen auch die Pathophysiologie und die aktuelle Forschung nahebringen.

Darüber hinaus sucht die Neurophysiologin den Austausch mit der Grundlagen- und Informatikforschung im Saarland und plant, dort DFG-geförderte Forschungsverbünde auszubauen. Ihr Netzwerk reicht weit über die Region hinaus: Sie kooperiert mit den Universitäten Würzburg und Heidelberg, der Berliner Charité und dem Europäischen Laboratorium für Molekularbiologie in Heidelberg. International arbeitet sie mit Forschenden der renommierten Johns-Hopkins-, Stanford- und Harvard-Universität zusammen.

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Dieser weite Horizont spiegelt sich auch in ihrer Biografie. Geboren im sächsischen Freiberg, studierte Lippmann Humanmedizin in Leipzig und promovierte an der Charé in Berlin – in Kooperation mit der Ben-Gurion-Universität im israelischen Negev. Forschungsaufenthalte führten sie an die University of California in San Francisco, an die Johns Hopkins University in Baltimore und nach Stanford. Zu ihren Auszeichnungen zählen die Grass- und Whitman-Fellowships am Marine Biological Laboratory in Woods Hole sowie der deutsch-israelische Bernard-Katz-Preis.

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