23 Aussteller, sieben davon zum ersten Mal dabei, dazu bestes Spätsommerwetter und die Gustavsburg als Kulisse: Der Kunsthandwerkermarkt in Jägersburg hat am Wochenende erneut zahlreiche Besucher angezogen. Wer durch Burg, Nebengebäude und Außengelände schlenderte, fand dabei vor allem eines nicht: Massenware. Genau diese bewusste Auswahl macht den Reiz des inzwischen siebten Marktes aus.
Schon bei der Eröffnung am Samstag wurde deutlich, dass die Veranstalter auf Vielfalt setzen, ohne den Markt beliebig werden zu lassen. Ortsvorsteher Philip Vollmar verwies auf 23 Aussteller, von denen sieben erstmals in Jägersburg vertreten waren. Damit gebe es auch für Stammgäste immer wieder Neues zu entdecken.
Dass das funktioniert, ist kein Zufall. Organisatorin Annette Haist ist über das Jahr hinweg selbst auf Märkten unterwegs, schaut sich Angebote an und sucht gezielt nach Kunsthandwerkern, die zur Veranstaltung an der Gustavsburg passen.
Homburgs Beigeordneter Peter Fuchs brachte diesen Anspruch bei der Eröffnung auf den Punkt. Kunsthandwerk verbinde „Ästhetik auf der einen Seite mit handwerklichem Können“. Wer sich die Stände anschaue, sehe eben nicht nur Kunst, sondern auch Menschen, „die ihre Arbeiten wirklich individuell herstellen“.
Genau darin liegt ein wesentlicher Unterschied zu vielen anderen Märkten. Fuchs machte deutlich, dass es zwar immer wieder Anfragen von Anbietern gebe, deren Produkte nicht individuell gefertigt seien. „Die haben hier keinen Platz“, sagte er sinngemäß deutlich. Würde man solche Angebote zulassen, würde das die Arbeit der Kunsthandwerker entwerten.
Diese klare Linie war am Wochenende an vielen Stellen sichtbar. Das Angebot reichte von Schmuck, Keramik und Dekoration über Naturseifen, Textilarbeiten und Taschen bis hin zu Holzarbeiten, Aquarellen, Karten und ausgefallenen Einzelstücken. Nicht jeder Stand sah gleich aus, nicht jedes Angebot sprach denselben Geschmack an – und genau das war die Stärke des Marktes.
Sieben neue Aussteller bringen frische Ideen
Unter den Neulingen waren auch Anbieter, die mit ungewöhnlichen Materialien und Techniken arbeiteten. So präsentierte Nadine Marx aus Illingen unter ihrem Label „Nadwi“ Trockenblumen und handgefertigte Holzartikel. Aufmerksam geworden war sie auf den Markt durch Annette Haist, die sie bei einer anderen Veranstaltung angesprochen hatte. Jägersburg kannte Marx zwar bereits vom Weiher, die Gustavsburg selbst aber noch nicht.
Im Inneren der Burg zeigte Martina Gössl aus Dunzweiler Tierbilder. Ihr Schwerpunkt liegt auf Aquarellen, besonders häufig mit Hunden als Motiv. Ihre Arbeiten entstehen auf Grundlage eigener Fotografien – erst das Foto, dann das Bild. Solche Beispiele zeigen, warum der Kunsthandwerkermarkt mehr ist als eine Aneinanderreihung hübscher Verkaufsstände. Hinter vielen Arbeiten steckt eine persönliche Geschichte, oft auch ein handwerklicher Prozess, der sich nicht beliebig vervielfältigen lässt.
Die Gustavsburg macht den Unterschied
Natürlich lebt der Markt nicht nur von seinen Ausstellern. Die Gustavsburg und das Gelände rund um den Schlossweiher geben der Veranstaltung einen Rahmen, den ein gewöhnlicher Platz kaum bieten könnte. Innenräume, Hof, Nebengebäude und Außenflächen ergeben unterschiedliche Bereiche, zwischen denen Besucher wechseln können.
Vollmar hob bei der Eröffnung hervor, dass Jägersburg über das Jahr hinweg gleich mehrere feste Veranstaltungen rund um die Burg und den Weiher hat. Ostermarkt, Strandfest, Kunsthandwerkermarkt, Hubertusmarkt und Weihnachtsmarkt sorgen dafür, dass praktisch in jedem Quartal etwas los ist.
Der Kunsthandwerkermarkt fügt sich in diese Reihe inzwischen ganz selbstverständlich ein. Und das Wetter spielte diesmal ebenfalls mit. Nachdem der Ostermarkt im Frühjahr noch unter einem verregneten Samstag gelitten hatte, konnten Aussteller und Besucher den Markt diesmal bei Sonne genießen. Vollmar nahm es bei der Eröffnung mit Humor: Nach dem Regen beim Ostermarkt „passt das Wetter“ nun endlich.
Ein Markt, der vom Gespräch lebt
Auffällig war auch, wie viel Zeit sich viele Besucher nahmen. Es ging nicht nur darum, schnell etwas zu kaufen und weiterzugehen. Immer wieder entstanden Gespräche an den Ständen, Künstler erklärten ihre Techniken, Materialien oder die Geschichte hinter ihren Arbeiten. Gerade bei handgefertigten Produkten gehört das fast automatisch dazu.
Wer wissen möchte, wie aus einem Besteckteil Schmuck wird, warum jemand mit Aquarellfarben Hunde porträtiert oder wie aus Trockenblumen und Holz ein Dekorationsstück entsteht, bekommt die Antwort direkt von der Person, die es hergestellt hat. Das ist ein Mehrwert, den ein gewöhnlicher Verkaufsstand kaum bieten kann.
Auch rund um den Schlossweiher war einiges los
Der Besuch des Kunsthandwerkermarktes ließ sich zudem gut mit einem Rundgang rund um den Schlossweiher verbinden. Mit dem Café Schlossweiher und dem Open-Air-Bistro gehören zwei gastronomische Anlaufstellen ohnehin fest zum Umfeld. Direkt am Markt sorgten außerdem die Pfadfinder mit Kaffee und Kuchen, Camelo und Andrea Ingrao mit Pizza sowie der Weinstand der „Pälzer Buwe“ dafür, dass der Rundgang auch kulinarisch nicht zu kurz kam. Fuchs formulierte es bei der Eröffnung weniger feierlich: Damit niemand „verhungert und verdurstet“, sei auch dafür gesorgt.
Ein Markt mit klarer Handschrift
Nach sieben Ausgaben ist der Kunsthandwerkermarkt in Jägersburg längst etabliert. Entscheidend ist aber weniger die Zahl der Jahre als die klare Handschrift. Nicht möglichst viele Anbieter sollen kommen, sondern die richtigen. Nicht jeder Stand muss jedem gefallen, aber jeder soll etwas Eigenes zeigen. Dass dieses Konzept funktioniert, zeigte das Wochenende erneut: gutes Wetter, viele Besucher, neue Aussteller und gleichzeitig zahlreiche bekannte Gesichter.
Peter Fuchs nannte den Kunsthandwerkermarkt bei der Eröffnung angesichts der vielen Parallelveranstaltungen im Stadtgebiet augenzwinkernd „die schönste Veranstaltung“, die an diesem Wochenende in Homburg stattfinde. Darüber lässt sich natürlich streiten. Dass der Markt rund um die Gustavsburg aber zu den Veranstaltungen gehört, die ihren eigenen Charakter bewahrt haben, eher nicht.




















































































































