Fairer Kaffee, Projekte aus aller Welt, Jazz auf dem Marktplatz – und mittendrin eine Homburger Kita, die zeigt, dass Nachhaltigkeit schon bei den Jüngsten beginnen kann: Der Fairtrade-Markt hat am Samstag erneut globale Verantwortung und regionales Handeln zusammengebracht. Für einen besonderen Moment sorgte die protestantische Kita „Erdenkinder“ aus Schwarzenacker, die offiziell als Biosphären-Kita ausgezeichnet wurde.
Der Markt fand erneut im Rahmen des Homburger Musiksommers statt. Zwischen Musik und Marktständen ging es um fair gehandelte Produkte, Entwicklungszusammenarbeit und die Frage, wie sich nachhaltiges Handeln im Alltag ganz konkret umsetzen lässt. Bürgermeister Manfred Rippel erinnerte bei der Eröffnung daran, dass Homburg bereits seit 2014 Teil des Netzwerks der Fairtrade-Städte ist. Auch der Saarpfalz-Kreis sei wenig später hinzugekommen. Besonders würdigte er den Eine-Welt-Laden, der den Fairtrade-Markt seit Jahren mitträgt und seit mehr als drei Jahrzehnten in Homburg aktiv ist.
Astrid Klug vom Eine-Welt-Laden machte anschließend deutlich, dass es bei fairem Handel um weit mehr geht als um ein Label auf einer Verpackung. „Unsere Erzeuger der Produkte, die wir verkaufen, bekommen für ihre Produkte einen fairen Preis und können ihre Kinder zur Schule schicken, haben Zugang zu Gesundheitsversorgung“, sagte Klug. „Das nennen wir fairen Handel.“ Und sie spannte den Bogen noch weiter: Der faire Handel sei „ein Beitrag für eine gerechtere und auch eine friedlichere Welt“. Gerade heute brauche es davon „mehr denn je“.
Der Homburger Eine-Welt-Laden wird ehrenamtlich betrieben. Mit den Erlösen werden Projekte in verschiedenen Ländern unterstützt – unter anderem in Indonesien, auf den Philippinen und in Indien. Klug beschrieb den Anspruch sehr konkret: Es gehe darum, Bildung zu ermöglichen, Gesundheitsversorgung zu verbessern, Waisenhäuser zu unterstützen und Menschen eine Perspektive in ihrem Heimatland zu geben. „Wir unterstützen Projekte, wo es um die Bildung von Kindern geht, wo es um Gesundheitsversorgung geht, wo es um Waisenhäuser geht“, sagte sie. Ziel sei, Menschen dort Zukunftsmöglichkeiten zu eröffnen, „wo sie geboren sind, wo sie aufgewachsen sind“.
Auf dem Marktplatz ließ sich dieser Gedanke an mehreren Ständen nachvollziehen. Das Kinderhaus Kathmandu informierte über seine Arbeit in Nepal und eine aktuelle Spendenaktion. Die NATPU Indian Hilfe sammelte für ein herzkrankes Kind in Indien. Bei der Aktion Dritte Welt Saar konnte fair gehandelter Kaffee probiert werden, bei „Space Llama“ gab es einen fairen Cocktail zugunsten von Projekten auf den Philippinen. Klugs Aufforderung an die Besucher war entsprechend direkt: „Besuchen Sie die Stände, informieren Sie sich, kaufen Sie auch gerne ein.“
„Fair und regional“ – die Kita Erdenkinder wird ausgezeichnet
Der zweite große Moment des Tages spielte sich während einer Musikpause auf der Bühne ab. Die protestantische Kita „Erdenkinder“ aus Schwarzenacker wurde offiziell als Biosphären-Kita ausgezeichnet. Die Einrichtung ist bereits als Faire Kita anerkannt. Nun kam eine zweite Auszeichnung hinzu. Astrid Klug fasste den Ansatz der Einrichtung mit zwei Worten zusammen: „fair und regional“.
„Die Kita vermittelt ihren Kindern die Idee des Fairtrade-Gedankens“, sagte Klug. Mit der zusätzlichen Auszeichnung als Biosphären-Kita gehe es nun ebenso darum, den Kindern ihre unmittelbare Region und nachhaltiges Handeln näherzubringen. Die Auszeichnung wurde von Landrat Frank John gemeinsam mit Vertretern des Biosphärenzweckverbandes überreicht.
In der Würdigung hieß es, die Biosphären-Kita sei „ein wichtiger Lernort für nachhaltige Entwicklung im Biosphärenreservat Bliesgau“. Kinder sollten durch praktische Erfahrungen ihre Region kennenlernen und sich spielerisch mit Zukunftsthemen auseinandersetzen. Besonders schön wurde es, als die Bedeutung des neuen Schildes erklärt wurde, das künftig an der Kita hängen soll: „Das ist das Zeichen für alle Leute, dass ihr auf unsere Welt aufpasst.“ Ein einfacher Satz – und vermutlich einer der treffendsten des ganzen Tages.
Nachhaltigkeit beginnt vor der eigenen Haustür
Gerade die Kombination aus Fairtrade-Markt und Biosphären-Kita machte deutlich, wie breit Nachhaltigkeit gedacht werden kann. Auf der einen Seite stehen Produzenten in anderen Teilen der Welt, faire Preise und bessere Lebensbedingungen. Auf der anderen Seite geht es um Natur, regionale Kreisläufe und die Frage, wie Kinder ihre eigene Umgebung kennenlernen.
Beides gehört zusammen. Deshalb passte die Ehrung der Schwarzenacker Kita besonders gut zu diesem Markt. Sie zeigte, dass globale Verantwortung nicht erst irgendwo weit entfernt beginnt – sondern auch in einer Kindertagesstätte im Saarpfalz-Kreis.
Musiksommer sorgt für den passenden Rahmen
Dass Fairtrade-Markt und Musiksommer parallel stattfinden, ist mittlerweile bewusst so gewollt. Astrid Klug sprach bei der Eröffnung von einer „echten Win-Win-Situation“. Der Musiksommer bringe Publikum und Atmosphäre auf den Platz, während der Fairtrade-Markt gesellschaftliche Themen und zusätzliche Angebote beisteuere.
Auch Norbert Zimmer zog für den Musiksommer 2026 insgesamt ein positives Fazit. „Wir sind eigentlich sehr zufrieden mit dem Musiksommer“, sagte er. „Das war wieder eine totale Erfolgsgeschichte, der Marktplatz ist immer voll.“ Selbst an sehr heißen Tagen seien die Besucher gekommen – nur eben etwas später.
Zimmer zeigte sich auch mit der musikalischen Mischung zufrieden: „Die Musikauswahl war meiner Meinung nach auch wieder sehr gut, abwechslungsreich, es war für jeden was dabei, jung, alt.“ Ganz vorbei ist die Saison übrigens noch nicht. Am 18. und 19. September folgen zwei zusätzliche Konzerte. Für Zimmer ist das ein passender Abschluss: „Es war eine lange Saison, aber es hat sich rentiert.“
Mehr als ein Markt
Am Ende war der Fairtrade-Markt damit deutlich mehr als eine Sammlung von Verkaufsständen. Natürlich konnten Besucher Kaffee, Tee, Honig, Kunsthandwerk und andere fair gehandelte Produkte kaufen. Aber mindestens ebenso wichtig waren die Geschichten dahinter: Wer stellt diese Waren her? Unter welchen Bedingungen? Und was kann ein fairer Preis ganz konkret verändern?
Mit der Auszeichnung der Kita „Erdenkinder“ bekam dieser globale Gedanke eine sehr lokale Ergänzung. „Fair und regional“ – dieser Satz von Astrid Klug fasste den Tag vielleicht am besten zusammen. Denn Verantwortung beginnt manchmal weit weg. Und manchmal direkt in Schwarzenacker.
Alle Bilder: Friedel Simon












































































