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Ein paar Schritte Linedance vor der Bühne, Wiederbelebung am Übungsmodell, Therapiehunde zum Kennenlernen und daneben die Frage, wie viele Kilometer Homburg eigentlich mit dem Fahrrad zurücklegt: Beim zehnten Aktionstag „Homburg lebt gesund!“ wurde der Christian-Weber-Platz am Samstag erneut zum Treffpunkt für Bewegung, Prävention und Information. Nach einem Jahrzehnt ist aus der Idee längst ein fester Termin geworden – und einer, der Gesundheit deutlich weiter fasst als Sport und Ernährung allein.

Zehn Jahre seien inzwischen zusammengekommen, erinnerte Bürgermeister Manfred Rippel bei der Eröffnung. Dass sich die Veranstaltung im Homburger Kalender etabliert habe, liege nicht zuletzt daran, dass Vereine, Einrichtungen und Besucher das Angebot Jahr für Jahr mittragen. Gesundheit, so Rippel, bedeute „weit mehr als Abwesenheit von einer Krankheit“. Dazu gehörten Bewegung und eine bewusste Lebensweise, aber eben auch soziale Kontakte und die Bereitschaft, selbst etwas für das eigene Wohlbefinden zu tun. Genau diese Mischung spiegelte sich auf dem Christian-Weber-Platz wider.

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Auch Saarlands Gesundheitsminister Magnus Jung würdigte weniger das runde Jubiläum an sich als die Tatsache, dass Homburg das Thema über so viele Jahre kontinuierlich in die Öffentlichkeit trägt. Viele Kommunen beteiligten sich grundsätzlich an „Das Saarland lebt gesund!“, sagte Jung. „Aber nicht alle. Ehrlich gesagt, die wenigsten haben so eine Durchhaltekraft, jedes Jahr mit vielen Veranstaltungen dieses Thema in der Öffentlichkeit hochzuhalten.“ Gesundheit sei ein „Megathema“ – für jeden Einzelnen ebenso wie für die Politik. Gleichzeitig könne Politik allein gesundes Leben nicht verordnen. „Bewegung, gesunde Ernährung, gute soziale Kontakte, alles das sind Faktoren, die wichtig sind, um die eigene Gesundheit zu fördern“, sagte Jung.

Das Problem kennt wohl fast jeder: Man weiß häufig ziemlich genau, was guttäte – nur der innere Schweinehund weiß es ebenfalls. Deshalb seien Vereine, Ehrenamt und Organisationen so wichtig, erklärte Jung. Sie könnten Menschen motivieren, miteinander verbinden und Strukturen schaffen, in denen gesunde Entscheidungen leichter fallen.

Wie niedrig die Schwelle sein kann, zeigte sich wenige Meter weiter vor der Bühne. Trainerin Pia Blum holte Besucher zum Linedance zusammen. Ein paar Grundschritte, eine erste gemeinsame Choreografie – und innerhalb kurzer Zeit bewegte sich eine Gruppe gemeinsam zur Musik. Dabei ging es nicht darum, jeden Schritt perfekt zu beherrschen. Bewegung, Konzentration und soziale Kontakte greifen beim Linedance ineinander. Selbst körperliche Einschränkungen müssen kein Ausschlussgrund sein, denn einzelne Übungen lassen sich auch im Sitzen mitmachen.

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An anderer Stelle ging es um eine Fähigkeit, die im Ernstfall unmittelbar Leben retten kann. Mitarbeiter des Universitätsklinikums des Saarlandes nutzten den Aktionstag, um die Wiederbelebung zu erklären und Hemmungen abzubauen. Denn für viele liegt der letzte Erste-Hilfe-Kurs Jahre oder Jahrzehnte zurück. Gerade deshalb sind solche Übungen wichtig: Nicht komplizierte Medizin steht im Vordergrund, sondern die Erkenntnis, dass im Notfall überhaupt jemand anfängt zu helfen.

Wenn ein Hund wieder ein Lächeln hervorholt

Dass Gesundheit nicht ausschließlich über Bewegung oder medizinische Prävention funktioniert, zeigte der Verein „Herz und Pfote“. Die ausgebildeten Therapie-Begleithunde besuchen im Saarpfalz-Kreis unter anderem Seniorenheime und Einrichtungen für Menschen mit Beeinträchtigungen. Auch am Universitätsklinikum kommen die Teams zum Einsatz, beispielsweise in der Kinder- und Jugendpsychiatrie. 20 ausgebildete Mensch-Hund-Teams gibt es nach Angaben des Vereins inzwischen am Homburger Standort, weitere befinden sich in Ausbildung.

Was ein solcher Besuch bewirken kann, lässt sich schwer in Messwerten ausdrücken. Wenn ein Hund bei einem dementen Menschen im Seniorenheim plötzlich ein Lächeln hervorholt, ist genau das der Moment, um den es geht. Und auch damit passt das Angebot zum Grundgedanken des Aktionstages: Gesundheit besteht eben nicht nur darin, ob medizinische Werte stimmen.

136.288 Kilometer für Homburg

Der zweite große Schwerpunkt des Vormittags rollte auf zwei Rädern über die Bühne. Im Rahmen von „Homburg lebt gesund!“ wurden die erfolgreichsten Teilnehmer des diesjährigen Stadtradelns ausgezeichnet. Insgesamt kamen in Homburg 136.288 Kilometer zusammen. 715 aktive Radfahrer in 29 Teams beteiligten sich. Rechnerisch wurden dadurch 22.351 Kilogramm CO₂ eingespart. Im Vergleich der 52 saarländischen Kommunen und sechs Landkreise erreichte Homburg nach Angaben der Organisatoren den sechsten Platz.

Besonders stark war erneut das Schulradeln. Das Johanneum legte mit 97 Teilnehmern insgesamt 48.827 Kilometer zurück und sicherte sich damit Platz eins unter den Homburger Schulen. Dahinter folgten die Gemeinschaftsschule Homburg-Erbach mit 11.337 Kilometern und das Saarpfalz-Gymnasium mit 11.269 Kilometern. Beim regulären Stadtradeln führte das UPS-Team mit 14.127 Kilometern die Homburger Wertung an. Der ADFC Homburg kam mit 5.911 Kilometern auf Rang zwei, gefolgt vom Team „Wanderradeln ins Grüne“ mit 4.731 Kilometern.

Radfahren als „Reallabor“

Gerade beim Fahrrad ging es allerdings nicht nur um Urkunden und Kilometer. Ute Kirchhoff vom ADFC richtete einen ziemlich deutlichen Appell an die Homburger Kommunalpolitik. Wer über Radwege, Kreuzungen und Verkehrsführungen entscheide, sollte diese Wege auch selbst regelmäßig befahren. Sie bezeichnete das Stadtradeln deshalb als eine Art „Reallabor auf und mit dem Fahrrad“. Erst im Alltag werde unmittelbar sichtbar, wo Umlaufsperren stören, Radwege plötzlich enden, Wurzelaufbrüche gefährlich werden oder Ampelschaltungen für Radfahrer wenig praktikabel sind.

Bei den Homburger Stadträten sei die Beteiligung auch in diesem Jahr überschaubar gewesen. Einzelne Mandatsträger seien konsequent mitgefahren, die große Mehrheit dagegen nicht. Kirchhoffs Einladung für 2027 war deshalb klar: anmelden, tatsächlich fahren und die Infrastruktur aus der Perspektive derjenigen kennenlernen, für die man politische Entscheidungen trifft. „Wer entscheidet, radelt auch“, lautete ihr Fazit.

Dass Homburg im landesweiten Vergleich bei der Beteiligung von Kommunalpolitikern trotzdem vergleichsweise gut abschneidet, relativiert die Kritik nur bedingt. Auch aus Sicht der Landesvertreter gilt: Eigene Erfahrung auf dem Rad verbessert am Ende die Qualität von Entscheidungen.

Gesundheit beginnt nicht erst beim Arzt

Vielleicht zeigte gerade die Kombination aus Stadtradeln, Tanz, Therapiehunden, Wiederbelebung und zahlreichen Beratungsangeboten, warum „Homburg lebt gesund!“ auch nach zehn Jahren funktioniert. Der Aktionstag verspricht keine komplizierten Patentrezepte. Stattdessen zeigt er viele kleine Möglichkeiten: sich mehr bewegen, etwas Neues ausprobieren, Erste Hilfe auffrischen, Kontakte pflegen oder sich darüber informieren, welche Angebote bereits direkt vor der eigenen Haustür bestehen.

Und genau darin liegt nach einem Jahrzehnt vielleicht die wichtigste Botschaft der Veranstaltung. Gesundheit beginnt nicht erst dann, wenn jemand krank wird und eine Arztpraxis betritt. Sie entsteht auch beim Spaziergang, auf dem Fahrrad, beim gemeinsamen Tanzen, durch soziale Kontakte – und manchmal durch einen Hund, der einem Menschen für einen Augenblick einfach ein Lächeln ins Gesicht zaubert.

Alle Bilder: Friedel Simon

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