Gemeinsam für das Palliativzentrum Schmetterling und die „Wir Wunder“-Aktion (v. l.): Armin Reinke, Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Saarpfalz, Rüdiger Schneidewind, Vorsitzender des Fördervereins für altersübergreifende Palliativmedizin e.V. und Geschäftsführer der HoPa Saar-Pfalz gGmbH, Prof. Dr. Sven Gottschling, Chefarzt des Zentrums für Palliativmedizin und Kinderschmerztherapie am UKS, sowie Frank Barbian, Geschäftsführer der Stadtwerke Homburg.
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Schaukeln gehört für Kinder zu den selbstverständlichsten Dingen überhaupt. Für ein Kind, das auf einen Rollstuhl angewiesen ist, endet der Weg auf vielen Spielplätzen dagegen vor dem Schaukelgerüst. Beim künftigen Palliativzentrum Schmetterling in Homburg soll das anders sein. Eine speziell konstruierte Rollstuhl-Schaukel soll schwerkranken Kindern dort Bewegung, Freude und ein Stück Freiheit ermöglichen. Rund 35.000 Euro werden dafür benötigt – und bei einer neuen Spendenaktion zählt jeder Euro gleich doppelt.

Die Kreissparkasse Saarpfalz und die Stadtwerke Homburg starten dafür gemeinsam eine Verdopplungsaktion über die Plattform „Wir Wunder“. Insgesamt stellen beide Häuser 15.000 Euro zur Verfügung, jeweils 7.500 Euro. Wie das funktioniert, erklärte Armin Reinke von der Kreissparkasse Saarpfalz beim Pressegespräch: Spendet die Bevölkerung im Aktionszeitraum insgesamt 15.000 Euro, werden daraus durch die Verdopplung 30.000 Euro. Jeder einzelne Beitrag wird so lange verdoppelt, bis der gemeinsame Fördertopf ausgeschöpft ist. 

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Gespendet werden kann im Rahmen der Verdopplungsaktion vom 10. Oktober ab 9 Uhr bis zum 18. Oktober um 23.59 Uhr. Wichtig: Wer am 10. Oktober die Verdopplung nutzen möchte, sollte tatsächlich erst ab 9 Uhr spenden. Darauf wiesen die Verantwortlichen ausdrücklich hin. 

Prof. Sven Gottschling, Palliativ- und Schmerzmediziner und einer der maßgeblichen Initiatoren des Palliativzentrums, machte deutlich, warum ausgerechnet eine Schaukel für ihn so viel mehr ist als ein zusätzliches Spielgerät. „Etwas, was für alle unsere Kinder eine totale Selbstverständlichkeit ist“, sei für Kinder und Jugendliche im Rollstuhl eben häufig nicht möglich. Sie könnten danebenstehen und zuschauen – aber selbst nicht mitmachen.

Genau das soll sich auf dem Außengelände des Palliativzentrums ändern. Die geplante Rollstuhl-Schaukel soll so konstruiert sein, dass ein Rollstuhl sicher aufgenommen werden kann. Vor allem aber soll sie ganz selbstverständlich in den normalen Spielbereich integriert werden. Denn auch dahinter steckt ein größerer Gedanke. Gottschling will schwerkranke und sterbende Menschen nicht aus dem gesellschaftlichen Blickfeld verdrängen. „Wir wollen bewusst nicht schwer kranke und sterbende Menschen verstecken“, sagte er. Das Thema gehöre vielmehr „in die Mitte der Gesellschaft“. 

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Eine große Lücke in der Region

Mit dem Palliativzentrum Schmetterling entsteht auf dem Gelände des Universitätsklinikums des Saarlandes ein Kinder- und Jugendhospiz gemeinsam mit einem Erwachsenenhospiz unter einem Dach. Acht Plätze sind für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene vorgesehen, weitere 16 für Erwachsene. Mit insgesamt 24 Plätzen soll die Einrichtung nach Angaben der Verantwortlichen das größte stationäre Hospiz dieser Art in Deutschland werden.

Vor allem für Familien mit schwerstkranken Kindern schließt das Projekt eine große Versorgungslücke. Das nächstgelegene Kinderhospiz befinde sich derzeit in Wiesbaden, erklärte Gottschling. Für Familien, deren Alltag ohnehin durch Krankheit, Pflege und medizinische Termine geprägt sei, sei eine solche Entfernung erheblich.

Dabei soll ein Kinderhospiz keineswegs ausschließlich ein Ort für die letzten Lebenstage sein. Familien können dort auch Entlastung finden, gemeinsam Zeit verbringen und zugleich auf hochqualifizierte medizinische Begleitung zurückgreifen. Gottschling formulierte den Anspruch des Projekts entsprechend klar: Tod und Sterben sollten aus der Tabuzone herausgeholt werden. Auch Sterbende seien Lebende und hätten es verdient, „bis zum letzten Atemzug teilzuhaben an unser aller Leben“. 

Warum die Schaukel nicht einfach im Baupreis steckt

Bei einem Gesamtprojekt dieser Größenordnung wirken 35.000 Euro zunächst wie eine kleine Summe. Doch gerade solche zusätzlichen Angebote sind in der regulären Finanzierung nicht automatisch enthalten. Rüdiger Schneidewind machte beim Pressegespräch deutlich, dass Spielmöglichkeiten im Außengelände grundsätzlich eingeplant seien. Die spezielle Rollstuhl-Schaukel sei wegen der hohen Kosten derzeit allerdings nicht Teil des Budgets. Genau deshalb passe die Verdopplungsaktion so gut. „Das macht dieses Projekt so wunderbar deutlich, dass den Leuten klar wird: Ja, ich kann auch nach meinem Geldbeutel in diesem wichtigen Projekt helfen“, sagte Schneidewind.

Denn Hospizarbeit endet finanziell nicht mit dem Bau eines Gebäudes. Im laufenden Betrieb werden nach Angaben der Verantwortlichen jedes Jahr erhebliche zusätzliche Mittel benötigt. Die Versorgung des erkrankten Kindes wird zwar weitgehend refinanziert, vieles drumherum jedoch nicht vollständig: Unterbringung und Verpflegung von Eltern und Geschwistern, psychologische Betreuung oder zusätzliche pädagogische und kreative Angebote. Genau deshalb sei auch eine Spende von zehn oder zwanzig Euro keineswegs bedeutungslos.

Kleine Spenden ausdrücklich erwünscht

Auch Ingo Sonnenschein von der Kreissparkasse Saarpfalz stellte klar, dass es bei der Aktion keine Untergrenze gibt. Jeder Betrag sei willkommen. Entscheidend sei, möglichst viele Menschen in der Region zu erreichen und ihnen die Möglichkeit zu geben, sich an einem ganz konkreten Teil des Projektes zu beteiligen. Das Ziel von rund 35.000 Euro halte man angesichts der bisherigen Erfahrungen mit Verdopplungsaktionen für realistisch. 

Gerade die Kombination mit Kreissparkasse und Stadtwerken soll dabei zusätzlichen Anreiz schaffen. Wer beispielsweise 20 Euro gibt, sorgt innerhalb des Aktionszeitraums dafür, dass daraus 40 Euro werden. Sonnenschein betonte zudem einen Punkt, der bei Spendenaktionen regelmäßig eine Rolle spielt: „100 Prozent der Spenden kommen an.“ Für das Palliativzentrum entstünden durch die Aktion keine Kosten.  Sollte am Ende mehr Geld zusammenkommen als für die Rollstuhl-Schaukel benötigt wird, gibt es bereits weitere Ideen. Zusätzliche Elemente für den Spielbereich, eine Beschattung oder andere Angebote auf dem Außengelände wären denkbar.

„Ein Hospiz kann nie zu viel Geld haben“

Auch Schneidewind wurde auf die Frage angesprochen, was passieren würde, wenn deutlich mehr als die benötigte Summe zusammenkäme. Seine Antwort fiel eindeutig aus: „Ein Hospiz kann nie zu viel Geld haben.“ Die Trägergesellschaft ist gemeinnützig. Zusätzliche Mittel würden nicht ausgeschüttet, sondern könnten ausschließlich wieder in die Einrichtung fließen – etwa in Ausstattung, Personal oder weitere Angebote für Kinder, Erwachsene und Angehörige. 

Langfristig gibt es bereits weitere Vorstellungen für das Gelände. Gottschling sprach etwa von einer möglichen Kreativwerkstatt in einem Tiny House, in der musiziert oder getöpfert werden könnte. Auch andere zusätzliche Freizeit- und Begegnungsangebote sind denkbar. Das Prinzip bleibt dabei immer dasselbe: Nicht nur medizinische Versorgung ermöglichen, sondern Lebensqualität.

Stadtwerke und Kreissparkasse setzen auf gemeinsame Wirkung

Stadtwerke-Geschäftsführer Frank Barbian beschreibt die gemeinsame Aktion als bewusstes Zeichen von Verantwortung. „Gutes zu tun heißt, Verantwortung zu übernehmen und gemeinsam etwas zu bewegen“, heißt es in der begleitenden Mitteilung. Dass auch kleine Einzelspenden durch die Verdopplung sichtbare Wirkung entfalten können, ist dabei ausdrücklich Teil der Idee. Das Projekt stehe für Solidarität, Menschlichkeit und gelebtes Miteinander.  Für die Kreissparkasse fügt sich die Aktion in die bereits länger genutzte Plattform „Wir Wunder“ ein, über die regionale Vereine und gemeinnützige Projekte unterstützt werden. Die Verdopplung durch institutionelle Partner soll private Spender zusätzlich motivieren.

Richtfest im Oktober, Eröffnung Ende 2027

Während die Spendenaktion vorbereitet wird, schreitet auch der Bau des Palliativzentrums weiter voran. Nach Angaben Schneidewinds liegt das Projekt im Zeitplan. Das Richtfest ist für Oktober vorgesehen. Danach beginnt der umfangreiche Innenausbau, der in Teilen auch medizinischen Anforderungen gerecht werden muss und voraussichtlich noch rund ein Jahr in Anspruch nehmen wird.  Eröffnet werden soll das Palliativzentrum nach derzeitiger Planung Ende 2027.

Und Gottschling hat für diesen Tag bereits ein sehr konkretes Bild vor Augen. Sein persönlicher Wunsch sei, sagte er beim Pressegespräch, „dass wir zur Eröffnung schon schaukeln gehen“. Für ein Projekt, bei dem zwangsläufig oft über Krankheit, Sterben und Abschied gesprochen wird, ist das vielleicht eines der stärksten Bilder überhaupt.

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