Foto: Laura Glücklich/UKS
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Rund 10.000 Einsätze in fünf Jahren, Forschung direkt am Unfallort und ein Notarzt, der in der Stadt aufgewachsen ist, die er heute medizinisch versorgt – der Notarztstandort Ottweiler hat sich seit der Übernahme durch das Universitätsklinikum des Saarlandes zu einem Vorzeigeprojekt entwickelt, das weit über die Region hinaus Beachtung findet.

Seit dem 1. Januar 2021 stellt die Klinik für Anästhesiologie, Intensiv-, Notfallmedizin und Schmerztherapie des UKS die ärztliche Besetzung an der Rettungswache mit der Kennung 53. Speziell in Notfallmedizin weitergebildete Ärztinnen und Ärzte leisten dort rund um die Uhr Dienst. Im Schnitt rücken sie zu etwa 2.000 Einsätzen pro Jahr aus. „Seit 2021 somit rund 10.000 insgesamt“, bilanziert Oberarzt Dr. Daniel Kiefer, der als Ärztlicher Leiter den Standort koordiniert. Das Notarzteinsatzfahrzeug, kurz NEF, wird dabei separat von der Integrierten Leitstelle in Saarbrücken alarmiert und arbeitet nach dem sogenannten Rendezvous-System. „Im NEF sind wir flexibel – wir können zusammen mit einem Rettungswagen zu einem Einsatz fahren, wir können aber auch nachträglich alarmiert werden. Oder wechseln, falls wir doch dringender bei einem anderen Einsatz gebraucht werden“, erläutert Kiefer das Prinzip.

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Die Rettungswache selbst wird im Auftrag des Zweckverbands für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung Saar vom Deutschen Roten Kreuz betrieben. Zwei Rettungswagen bewältigen dort jährlich rund 4.500 Notfalleinsätze, hinzu kommen etwa 3.000 Krankentransporte mit zwei Krankentransportwagen. Das Spektrum reicht von der Verlegungsfahrt in eine Rehaklinik bis zum schweren Verkehrsunfall mit lebensbedrohlich verletzten Menschen.

Kiefer selbst ist der Wache seit zwei Jahrzehnten verbunden. In Ottweiler aufgewachsen und bis heute dort wohnhaft, begann er vor 20 Jahren als ehrenamtlicher Rettungssanitäter genau an diesem Standort. Auch während seines Medizinstudiums fuhr er weiter Dienste. „Die Zusammenarbeit mit dem hervorragenden Team der Ottweiler Rettungswache ist ein unbezahlbarer Aspekt, der uns Notärztinnen und Notärzte mit Freude hierher zum Dienst kommen lässt“, sagt er.

Dass an der Wache nicht nur versorgt, sondern auch geforscht wird, unterscheidet den Standort von vielen anderen. Unter der Leitung von Kiefers Kollegen Oberarzt Dr. Benedikt Merscher, der zugleich stellvertretender ärztlicher Standortleiter ist, hat die Arbeitsgruppe Akut- und Notfallmedizin mehrere Projekte angestoßen, die national Aufmerksamkeit erregt haben. Mobile Ultraschalluntersuchungen direkt am Einsatzort, kontinuierliche Blutdruckmessung und die Bestimmung erster Blutwerte noch vor dem Transport ins Krankenhaus gehören dazu. „Wir haben den Anspruch, auch den universitären Aspekt mit Forschungsprojekten in unsere Arbeit einzubringen“, betont Kiefer.

Eine weitere Neuerung kam 2024 hinzu: der arztbegleitete Patiententransport. Saarlandweit übernehmen derzeit lediglich zwei Notarzteinsatzfahrzeuge diese Zusatzaufgabe. „Die ärztliche Begleitung von Notfallverlegungen ist wichtig, wenn beispielsweise ein Patient mit Hirnblutungen aus einem kleineren Krankenhaus in ein größeres mit neurochirurgischer Fachabteilung verlegt wird“, erklärt Kiefer die Notwendigkeit dieses Angebots.

Bei aller Professionalität bleibt die Arbeit im Rettungsdienst eine zutiefst menschliche Angelegenheit. Kiefer erinnert sich an ein Mädchen, das wegen einer defekten Heizungsanlage eine Kohlenmonoxidvergiftung erlitten hatte. „Wir konnten das Mädchen schließlich retten“, sagt er – und die Erleichterung ist auch Jahre später noch spürbar. Herzinfarkte oder akute Atemnot seien fachlich Routine, räumt er ein. „Aber für die Betroffenen ist es immer eine Ausnahmesituation. Als Notarzt muss ich Empathie mitbringen – in diesem Beruf darf man die Menschlichkeit nie vergessen.“ Manchmal entstehen dabei Momente, die weit über das Medizinische hinausgehen. „Ich erinnere mich sehr gut an eine Patientin, die sich bei der Gartenarbeit das Bein gebrochen hat. Die Dame hatte einen phänomenal gepflegten Rasen und hat mir anschließend einige Düngetipps mit auf den Weg gegeben“, erzählt er mit einem herzlichen Lachen.

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Die Bilanz nach fünf Jahren fällt eindeutig aus: Der Notarztstandort Ottweiler verbindet universitäre Forschung mit konkreter Versorgung in der Region. „Es ist unser gemeinsames Ziel, die notfallmedizinische Versorgung nicht nur auf hohem Niveau durchzuführen, sondern ebenso kontinuierlich zu verbessern“, formuliert Kiefer den Anspruch. Die Klinik für Anästhesiologie, Intensiv-, Notfallmedizin und Schmerztherapie des UKS will diesen Weg auch in den kommenden Jahren fortsetzen.

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