Goldmacher, Hochstapler und ein Finanzminister, der mit prall gefüllten Taschen das Weite suchte: Das 18. Jahrhundert war nicht nur eine Epoche höfischer Pracht, sondern auch ein Eldorado für Täuscher aller Art. Genau in dieses Spannungsfeld führt der zweite Abend der diesjährigen Reihe „K&K. Kunstgeschichte trifft Kammerzofe“ am Donnerstag, 18. Juni, um 19 Uhr im Römermuseum Schwarzenacker. Unter dem Titel „Lug und Trug“ entfalten Kunsthistorikerin Dr. Jutta Schwan und Monika Link in ihrer Rolle als Kammerzofe Henrietta ein Panorama aus Schwindel und Schein. Der Eintritt ist frei.
Dass selbst gekrönte Häupter nicht vor Betrügern sicher waren, beweist eine Episode aus dem hoch verschuldeten Pfalz-Zweibrücken. Im 18. Jahrhundert erschien dort ein gewisser Stahl am Hof, ein Arzt und Alchemist, und versprach Herzog Christian IV. nichts Geringeres als die Herstellung von Gold aus schlichten Materialien. Trotz beträchtlicher Investitionen blieb der erhoffte Geldsegen aus – eine Pointe, die heutige Leser kaum überrascht.
Doch ganz folgenlos blieb Stahls Treiben nicht. Der vermeintliche Goldmacher kannte das Rezept des Porzellans, und so entstand 1767 im Lustschlösschen Louisenthal bei Gutenbrunnen eine Porzellanmanufaktur für Pfalz-Zweibrücken. Wirtschaftlich blieb das Unternehmen zwar hinter den Erwartungen zurück, doch die filigranen Zweibrücker Stücke gelten heute als begehrte Sammlerobjekte.
Auch jenseits der Alchemistenküche wurde mit kreativen Methoden Geld in die leeren Kassen gespült. Lotterien etwa galten als probates Mittel, um klamme Landesherren mit frischen Einnahmen zu versorgen. Für die Spieler war der Ausgang offen: Während die einen vom großen Glück träumten, führte das Los andere geradewegs ins Armenhaus. Für die Höfe hingegen ließen sich auf diese Weise Projekte stemmen, die sonst unfinanzierbar geblieben wären.
Auch auf dem Karlsberg im heutigen Homburg gab es Geschichten, die ein Schlaglicht auf die Schattenseiten höfischen Lebens werfen. Finanzminister Kreutzer, unter Herzog Karl II. August zunächst hoch geschätzter Vertrauter, verstand es vorzüglich, seine Position für persönliche Vorteile zu nutzen. Als seine Machenschaften ans Licht kamen, fiel er in Ungnade – und verließ das Land in aller Eile.
Genau aus solchem Stoff lebt das Format: Henrietta plaudert aus erster oder zumindest zweiter Hand über die kleinen und großen Schwindeleien der höfischen Gesellschaft, während Dr. Jutta Schwan die Anekdoten kunst- und kulturhistorisch einordnet. Aus dem Wechselspiel zwischen szenischer Erzählung und fundierter Einordnung entsteht ein Abend, der unterhält und zugleich Wissen vermittelt.
Weitere Informationen sind online unter www.roemermuseum-schwarzenacker.de abrufbar. Die Reihe wird in diesem Jahr noch zweimal fortgesetzt: Am 10. September folgt der Abend „Schein und Sein“, am 29. Oktober steht „Hin und weg“ auf dem Programm – beide Termine ebenfalls im Römermuseum.























