Symbolbild

Im Rahmen seiner Veranstaltungsreihe bietet der MINT Campus Alte Schmelz e.V. einen Vortrag zu dem Thema „Windschutzscheibe oder Motorschaden – Was lässt sich am Auge gut reparieren?“ an. Es referiert Prof. Dr. Berthold Seitz ML, FEBO, Direktor der Klinik für Augenheilkunde am Universitätsklinikum des Saarlandes in Homburg.

Grundsätzlich lässt sich das Auge mit einer Fotokamera vergleichen. Die Objektlinsen bestehen aus der Hornhaut und der menschlichen Linse. Der Film des Fotoapparats wird durch die Netzhaut (Retina) repräsentiert. Man kann das Auge aber auch mit einem Auto vergleichen. Die Windschutzscheibe muss klar und gut gekrümmt sein, um scharf zu sehen, während das Auto natürlich nur fährt, wenn der Motor gut läuft. Zum Motor zählen die Netzhaut und der Sehnerv.

Das Sehen beim Menschen wird unterteilt in ein zentrales Scharfsehen und die Orientierung. Das Scharfsehen erfolgt in der Fovea centralis. Das ist eine zentrale gefäßfreie Zone der Netzhaut (Durchmesser 1/3 mm). Die Orientierung des Menschen erfolgt über das sog. Gesichtsfeld. Hierzu trägt die gesamte periphere Netzhaut bei. Im Zentrum finden sich als Fotorezeptoren vornehmlich die Zapfen, in der Peripherie vornehmlich die Stäbchen. Farben können nur mit den Zapfen gesehen werden.

Bezüglich der gravierenden Einschränkung des Sehens unterscheiden wir die„reversible Blindheit“. Hierzu tragen Erkrankungen der Hornhaut (Trübungen oder Verkrümmungen) bei, Erkrankungen der Linse – vornehmlich der Graue Star (die Katarakt) – oder Glaserkörperblutung, z. B. bei Diabetes mellitus. Diesen reversiblen Erblindungen liegt typischerweise ein „Windschutzscheibenproblem“ zugrunde. Sie lassen sich heute durch stadiengerechte Therapie (verschiedene Formen der lamellären und perforierenden Hornhauttransplantation, minimal invasive Katrakt-Operation (Graue Star) und minimal invasive Plars-Plana-Vitrektomie zur Entfernung des Blutes aus dem Glaskörperraum des Auges) therapieren.

Dagegen entsteht durch „Motorschaden“ eine „irreversible Erblindung“. Dazu führen alle Erkrankungen, die das Nervengewebe betreffen, also insbesondere die Netzhaut, den Sehnerv oder auch die Sehrinde im menschlichen Gehirn. Auslöser können sein eine nicht rechtzeitig therapierte Netzhautablösung (Amotio retinae), Gefäßthrombosen, Sehnverven-Infarkte, aber auch ein Schlaganfall im Gehirn.

Zu den Volkskrankheiten in der Augenheilkunde mit „irreversibler Erblindung“ gehören alle Erkrankungen, die mit zunehmenden Alter immer häufiger diagnostiziert werden, wie z. B. die Glaukome (der Grüne Star), die typischerweise subjektiv unerkannt beginnen und bis zur absoluten Blindheit führen können. Dagegen führt die altersbedingte Makuladegeneration (AMD – feucht oder trocken) nur zu einem zentralen Sehausfall, während die Orientierung typischerweise lebenslang erhalten bleibt. D. h. der Patient wird nicht blind. Das können wir den uns anvertrauten Patienten guten Gewissens – auch in Corona-Zeiten – in die Hand versprechen. Die Makuladegeneration führt „nur“ zur „Blindheit im Sinne des Gesetzes“, aber im Vergleich zum Grünen Star nie zur wirklichen Erblindung.

Wir fassen also zusammen, dass heutzutage durch minimal invasive mikrochirurgische Techniken „Windschutzscheibenprobleme“ am Auge sehr gut therapierbar sind und oft weitgehend reversibel sind. Dagegen ist der „Motorschaden“ am Auge typischerweise irreversibel und lässt sich auch von einem noch so guten Operateur nicht heilen.

Zum Referenten:

Berthold Seitz studierte Humanmedizin an der Uni Erlangen- Nürnberg von 1981 bis 1988.

1988 erlangte er seine Approbation. Im Jahr 1989 schloss er seine Promotion an der gleichen Hochschule ab. Im Jahr 1989 wurde er wiss. Mitarbeiter/Assistenzarzt an der Augenklinik der Uni Erlangen-Nürnberg und wurde 1993 Facharzt der Augenheilkunde.

1995 verbrachte er einen Forschungsaufenthalt in Los Angeles

1996 examinierte er am European Board of Ophthalmology in Paris (FEBO).

1996 – 2006 war er Oberarzt an der Augenklinik Erlangen-Nürnberg wo er 1999 auf dem Gebiet der Ophthalmologie habilitierte.

Seit 2000 ist er Leiter der Kornea Bank in Erlangen und war von 2002 bis 2006 Professor für sein Fachgebiet in Erlangen-Nürnberg.

Seit 2006 ist er Professor für Augenheilkunde und Direktor für Augenheilkunde an der Uniklinik der Universität des Saarlandes.

2007- 2012 war er zudem Landesarzt für Blinde und Sehbehinderte.

Seit 8/2011 ist er eines der wenigen saarländischen Mitglieder der Nationalen Akademie der Wissenschaften (Leopoldina).

Beginnend mit dem Jahr 2018 ist er an vielen Hochschulen der Welt als Gastprofessor aktiv, darunter in China, mehreren osteuropäischen Ländern und Iran. Seine wissenschaftliche Qualifikation hat er in bisher über 700 Publikationen, 123 Buchkapiteln bestätigt, weshalb er weltweit über 12.000 Mal zitiert worden ist.

Prof. Seitz ist in vielen nationalen und internationalen Gremien und Boards aktiv. Für seine wissenschaftlichen Leistungen erhielt er zahlreiche national und international bedeutende Ehrungen und Preise.

Termin: Dienstag, 21. September 2021 ab 19:30 Uhr, die Veranstaltung findet wahrscheinlich online unter dem nachfolgenden Link https://t1p.de/td6e statt. Die Teilnahme ist kostenfrei.

Weitere Infos unter http://www.mintcampus.de/

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