Archivbild Dr. Theophil Gallo, Landrat des Saarpfalz-Kreises - Foto: Stephan Bonaventura

HOMBURG1: Guten Tag Herr Dr. Gallo, die Situation hat sich in den letzten Tagen wieder verschärft und die Corona-Fallzahlen steigen – auch bei uns im Saarpfalz-Kreis. Mit Blick auf die nächsten Wochen, was raten Sie den Menschen hier?

Dr. Theophil Gallo: Im Moment mache ich mir wegen Corona schon intensiv Gedanken. Ich rate den Menschen achtsam zu sein und sich ganz klar an die vorgegebenen Regeln zur Bekämpfung der Pandemie zu halten. Es ist absolut notwendig, dass jeder Einzelne mitmacht. Wir beobachten die Entwicklung der Belegzahlen in den Krankenhäusern sehr genau. Wenn die Intensivstationen mit COVID-19-Patienten überlaufen, wenn die Beatmungskapazitäten an ihre Grenze kommen, ist es schon zu spät. Wir haben noch kein Medikament und noch keinen Impfstoff gegen das Virus, also müssen wir sicherstellen, dass wir nicht an den Punkt kommen, an dem das Virus unser Gesundheitssystem lahmlegt. Daher sind präventive Maßnahmen, die der Entwicklung der Lage angepasst sind, zwingend erforderlich. Ich appelliere an die Bürgerinnen und Bürgern, den Entscheidern das notwendige Vertrauen entgegenzubringen, dass diese Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie nicht willkürlich getroffen wurden und werden, sondern zu unserem eigenen Schutz.

HOMBURG1: Welche Maßnahmen laufen aktuell im Saarpfalz-Kreis um sich für eine nächste große Welle und deren Herausforderungen bereit zu machen? Und sind wir bereit?

Dr. Theophil Gallo: Prinzipiell stehen alle 39 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Gesundheitsamtes zur Kontaktnachverfolgung zur Verfügung, des Weiteren ein Scout des Robert-Koch-Institutes. Insgesamt wurden 34 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kreisverwaltung geschult. Zur Kontaktverfolgung werden derzeit ca. 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eingesetzt. Zudem werden fünf Bundeswehrangehörige die Arbeit des Gesundheitsamtes bis vorläufig 30. November unterstützen. Nach Bedarf kommt der interne Corona-Krisenstab zusammen und es wurden entsprechende räumliche und logistische Vorbereitungen getroffen, sollte das Lagezentrum des Katastrophenschutz-Stabes weitere Aufgaben übernehmen müssen.

HOMBURG1: Auf der einen Seite stehen die Maßnahmen, auf der anderen Seite die Überwachung dieser Maßnahmen. Wie lässt sich das alles überhaupt kontrollieren?

Dr. Theophil Gallo: Tatsächlich müssen hier die Ordnungsämter ran, die damit alles andere als eine leichte Aufgabe haben. Aber ich gehe davon aus, dass sich die Kontrolle auch bei den verschärfteren Maßnahmen umsetzen lässt. Aber es geht vor Ort nicht nur um die Kontrolle, sondern um die weitergehende Sensibilisierung und Ansprache der Menschen in den Orten des Kreises mit dem Ziel, dass diese mitmachen und helfen. Ich stehe diesbezüglich in Kontakt mit der Verwaltungschefin/den Verwaltungschefs der Kommunen.

HOMBURG1: In dieser Lage sind alle gefragt, viele Ebenen arbeiten zusammen um den Menschen hier im Ernstfall bestmögliche Versorgung zu gewährleisten. Wie sieht aktuell die Zusammenarbeit mit dem UKS aus?

Dr. Theophil Gallo: Unser Gesundheitsamt steht in engem Austausch mit dem Universitätsklinikum Homburg. Zudem halten wir weiter die Sporthalle „Neue Sandrennbahn“ als COVID-19-Versorgungszentrum, das sich in Trägerschaft des UKS befindet, vor. Die Kooperation zwischen den verantwortlichen Einrichtungen des öffentlichen Gesundheitswesens, auch mit dem Land, mit den Ministerien, den Kreisen und Kommunen, der Polizei und weiteren Einrichtungen ist gut, konstruktiv und geprägt von einem hohen Verantwortungsbewusstsein und dem Willen, die Lage zu beherrschen. Das ist schon bemerkenswert, dafür danke ich allen, die nach dem Motto Willi Grafs handeln: Jeder Einzelne trägt die ganze Verantwortung. Es kommt jetzt auf jeden Einzelnen an.

HOMBURG1: Blicken Sie mit Sorgen Richtung Weihnachtszeit oder wie ist ihr persönliches Gefühl?

Dr. Theophil Gallo: Die Gesundheit unserer Bürgerinnen und Bürger ist ein zentrales Thema unser aller Bemühungen. Wenn sich die Lage nicht bessert, die Infektionszahlen womöglich noch stärker ansteigen, werden die aktuellen Corona-Maßnahmen die Weihnachtstreffen von Großfamilien und Freunden sicher sehr beeinträchtigen. Das stimmt sicher traurig, auch mich, ändert aber nichts an der Gesamtsituation. Corona hat unser aller Leben verändert, das spürt jeder. Dennoch sollten wir zuversichtlich sein, dass wir letztendlich durch die angeordneten Beschränkungen, aber auch durch ein verantwortungsvolles Sich-selbst-Zurücknehmen eines jeden das Infektionsgeschehen so verlangsamen können, dass wir am Ende doch ein Frohes Fest haben können.

HOMBURG1: Vielen Dank für Ihre Zeit und bleiben Sie gesund.

Das Interview führte Stephan Bonaventura.

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