Die Linke im Kreistag Saarpfalz stellt sich gegen den Beitritt des Saarpfalz-Kreises zum neuen Medien-Ausleihsystem des Landes. In der jüngsten Kreistagssitzung fiel die Entscheidung zugunsten des Beitritts – doch die Fraktion hält das Verfahren für übereilt, die pädagogischen Grundlagen für ungeklärt und die finanzielle Belastung für Eltern für unzumutbar. Fraktionsvorsitzende Barbara Spaniol formuliert deutliche Kritik: „Die Vereinbarung zwischen Land und den Kreisen kommt in einem Hauruck-Verfahren auf die Schulen zu.“
Das neue System sieht vor, dass einheitliche Tablets die bisherige Schulbuchausleihe ablösen. Für Eltern fällt dabei eine Pauschalgebühr von 160 Euro an, die nach Einschätzung der Linken weit mehr ist als ein reiner Leihbeitrag. Spaniol spricht von einer „versteckten Beteiligung der Eltern an der Finanzierung der digitalen Infrastruktur an den Schulen“. Gleichzeitig seien die Schulen angewiesen worden, ihre Schulbuchlisten zu kürzen, um digitalen Formaten Vorrang einzuräumen. Widersprüchliche Aussagen des Bildungsministeriums zur Finanzierung durch die Schulträger hätten zusätzlich für erhebliche Verunsicherung gesorgt.
Besonders brisant ist aus Sicht der Fraktion die Frage, was mit Schulen geschieht, die sich aus pädagogischen Gründen gegen eine Teilnahme entscheiden. Laut Spaniol stehen diese Einrichtungen dann ohne jede Unterstützung da: „Die Landkreise als Schulträger stellen dann weder Endgeräte noch Bücher und Materialien zur Verfügung. Eine Nachfolgeregelung gibt es nicht – die Beschaffung der Lernmittel würde damit letztendlich auf die Eltern abgeladen.“ Damit werde ein Weg eingeschlagen, der Schulen faktisch keine echte Wahlfreiheit lasse und den Druck zur Digitalisierung massiv erhöhe.
Die Debatte um den Einsatz von Tablets im Unterricht ist dabei keineswegs nur eine Frage der Ausstattung. Viele Schulen äußern Bedenken hinsichtlich der Lernwirksamkeit digitaler Endgeräte, gerade bei jüngeren Schülerinnen und Schülern. „Digitale Medien sollen Bücher nicht ersetzen, sondern ergänzen“, betont Spaniol und verweist darauf, dass sich die meisten weiterführenden Schulen nach wie vor bewusst für gedruckte Bücher in der Unterstufe entschieden hätten. Die Zeit für eine fundierte pädagogische Abwägung fehle den Schulen jedoch, weil das Verfahren unter enormem Zeitdruck stehe.
Statt eines solchen Druckszenarios fordert Die Linke im Kreistag ein tragfähiges Gesamtkonzept, das auf breite Akzeptanz bei Schulen und Eltern setzt. Barbara Spaniol plädiert für ein Moratorium, das den Schulen den nötigen Spielraum verschafft: „Der ‚Deal‘ des Landes mit den Landkreisen kommt viel zu spät. Die Schulen brauchen mehr Zeit, es müsste jetzt ein Moratorium geben und vor allem die Möglichkeit der Evaluation, der kritischen Überprüfung.“ Eine vertrauensvolle Einbindung aller Beteiligten sehe anders aus, so Spaniol – zurück blieben derzeit vor allem Zweifel, Kritik und finanzielle Lasten für die Familien.
Ob die Forderungen der Linken im weiteren politischen Prozess Gehör finden, bleibt abzuwarten. Der Kreistag hat den Beitritt beschlossen, doch die Diskussion über Tempo, Tragweite und pädagogische Sinnhaftigkeit der digitalen Medienausleihe dürfte im Saarpfalz-Kreis damit längst nicht beendet sein.





















