Stellenabbau, Kaufkraftverlust, Transformationsdruck – die wirtschaftlichen Sorgen in Homburg sind greifbar. Beim traditionellen Betriebsräteempfang der Kreisstadt am 30. April machte Oberbürgermeister Michael Forster unmissverständlich klar, dass die Kommune diese Entwicklungen nicht als Zuschauerin begleiten will. „Der Stellenabbau in den Unternehmen wirkt sich auch auf den Mittelstand aus – Stichwort Kaufkraftverlust. Deshalb müssen wir als Stadt unterstützen, wo wir können, damit Homburg zukunftsfähig bleibt und eine positive Entwicklung nimmt“, sagte Forster vor zahlreichen Personal- und Betriebsräten aus Homburger Unternehmen, die seiner Einladung ins Restaurant Vin!oh gefolgt waren.
Der Empfang rund um den Tag der Arbeit hat in der Universitätsstadt Tradition, doch die Themen, die diesmal auf dem Tisch lagen, trugen eine besondere Dringlichkeit. Forster sprach offen über die gesellschaftlichen Folgen wirtschaftlicher Umbrüche: „Ein Stellenabbau wirkt sich immer auch auf die Stimmung der Bevölkerung aus.“ Die Stadt setze bei der Erschließung neuer Industriegebiete bewusst auf eine ausgewogene, langfristig tragfähige Mischung von Unternehmen und bringe dabei auch die Interessen des Landes aktiv ein.
Gleichzeitig warb der Oberbürgermeister für Realismus und Zusammenhalt. Die Möglichkeiten einer Kommune seien begrenzt, die Weltwirtschaft lasse sich von Homburg aus nicht steuern. Umso wichtiger sei das gemeinsame Handeln aller Beteiligten. „Sie alle nehmen wichtige Positionen in den Betrieben ein – und nur gemeinsam können wir etwas erreichen“, richtete er sich direkt an die Arbeitnehmervertreterinnen und -vertreter. Deren tägliches Engagement würdigte er ausdrücklich: Die Beschäftigten seien das wertvollste Gut eines Unternehmens, und sowohl Betriebsleitungen als auch Personalräte trügen maßgeblich dazu bei, gute Arbeitsbedingungen zu schaffen. Forster verwies in diesem Zusammenhang auf seine regelmäßigen Betriebsbesuche, die ihm einen unmittelbaren Einblick in die Lage vor Ort verschafften.

Foto: Linda Barth
Mit Blick auf die wachsenden Erwartungen der Bürgerinnen und Bürger an ihre Stadt betonte der OB die Bedeutung funktionierender Grundlagen. „Die Menschen erwarten zu Recht, dass die grundlegenden Dinge funktionieren. Deshalb ist es unsere Aufgabe, zunächst die Basis – etwa die Infrastruktur – in Ordnung zu halten und weiter zu verbessern, um Vertrauen zu sichern.“ Themen wie Sicherheit, Sauberkeit und Verlässlichkeit würden verstärkt an die Verwaltung herangetragen, und diese Botschaften nehme man ernst. Landrat Frank John unterstrich diese Haltung und forderte verlässliche Rahmenbedingungen sowie Planungssicherheit. Es brauche ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Dienstleistungssektor und industriellem Kern, gerade in schwierigen Zeiten.
Auch die Gewerkschaftsseite meldete sich zu Wort. Salvatore Vicari von der IG Metall hob die Stärke der Region der kurzen Wege hervor und rückte den Menschen in den Mittelpunkt seiner Forderungen. Der wirtschaftliche Wandel – etwa in Richtung Elektromobilität und neuer Technologien – müsse gemeinsam gestaltet werden, statt einzelne Belegschaften mit den Folgen allein zu lassen.
In den Wortmeldungen der Betriebsräte zeichnete sich ein einheitliches Bild ab: Viele Homburger Unternehmen kämpfen mit vergleichbaren Herausforderungen, von Zukunftsängsten über Transformationsprozesse bis hin zu einem veränderten Konsumverhalten und steigendem Marktdruck. Zugleich konnten die Arbeitnehmervertretungen in den vergangenen Jahren durchaus Erfolge vorweisen. So berichteten Vertreter davon, Standorte gesichert und Perspektiven für Beschäftigte geschaffen zu haben. Die Gewinnung von Nachwuchskräften bleibe allerdings eine zentrale Aufgabe, die alle Branchen gleichermaßen beschäftige.
Neben den offiziellen Redebeiträgen bot das gemeinsame Mittagessen Raum für persönliche Gespräche zwischen Arbeitnehmervertretern und der Stadtspitze. Unter den Gästen waren neben Landrat John auch Bürgermeister Manfred Rippel, Hauptamtsleiterin Kerstin Puchner, Wirtschaftsförderin Dagmar Pfeiffer sowie ein Vertreter des Personalrats der Stadt. Forster bekräftigte zum Abschluss, dass die Stadtverwaltung jederzeit als Ansprechpartnerin bereitstehe: „Wir werden die Themen gemeinsam mit Unternehmen, Gewerkschaften und Betriebsräten angehen, um Homburg zukunftsfähig zu gestalten.“ Der Empfang machte deutlich, dass der Dialog zwischen Kommune und Arbeitswelt in Zeiten des Umbruchs nicht nur Tradition ist, sondern Notwendigkeit.




















