Foto: NABU Homburg
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Ein Nutria, dessen Fell komplett von Schaum überzogen ist – dieses Bild von der Blies sorgt derzeit für Aufsehen weit über die Stadtgrenzen hinaus. Was wie eine kuriose Momentaufnahme wirkt, offenbart nach Ansicht der Grünen im Stadtverband Homburg ein seit Jahren ungelöstes Umweltproblem: wiederkehrende Tensidbelastungen und problematische Einleitungen in das Gewässer.

„Der schaumbedeckte Nutria ist ein alarmierendes Symbolbild für den Zustand des Erbachs. Es zeigt, dass hier nicht nur ein optisches Problem vorliegt, sondern ein ernstzunehmender Eingriff in ein sensibles Ökosystem“, erklären die Stadtverbandssprecher Andreas Filler und Katrin Lauer. Bereits seit 2018 mache ihre Partei auf die Missstände aufmerksam. Passiert sei seitdem zu wenig. Notwendige Konsequenzen seien über Jahre verschleppt worden.

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Die Folgen der Verschmutzung reichen dabei weit über eine Momentaufnahme hinaus. Chemische Tenside und Schaumstabilisatoren gelangen in die Blies und damit direkt ins Biosphärenreservat Bliesgau. Mikroorganismen werden geschädigt, natürliche Selbstreinigungsprozesse gestört, Flora und Fauna in Mitleidenschaft gezogen. Besonders brisant: Bei Hochwasser überschwemmt der Erbach die Blieswiesen von Wörschweiler über Einöd bis nach Blieskastel. Schadstoffe können sich so auf wertvollen Auewiesen und landwirtschaftlich genutzten Flächen ablagern.

Auch für streng geschützte Tierarten sehen die Grünen eine wachsende Gefahr. „Gerade mit Blick auf die Rückkehr des Fischotters in unsere Region ist die Situation besorgniserregend. Schadstoffbelastungen gefährden Lebensräume, Beutetiere und die ökologische Qualität unserer Gewässer insgesamt“, warnen Filler und Lauer. Dass es immer wieder zu Stoßeinleitungen mit massiver Schaumbildung komme, dürfe keinesfalls zur Normalität werden.

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Die Forderungen der Partei richten sich an mehrere Adressaten gleichzeitig. Das Landesamt für Umwelt- und Arbeitsschutz müsse endlich konsequent kontrollieren, Ursachen ermitteln und Verursacher klar benennen. Wer Gewässer belaste, dürfe nicht dauerhaft ohne Folgen bleiben. Ebenso stehe die Homburger Stadtspitze in der Pflicht: Alle rechtlichen Möglichkeiten der Abwassersatzung müssten ausgeschöpft werden, um Vorbehandlungen anzuordnen und verbindliche Lösungen durchzusetzen.

Die Satzung der Stadt biete dafür durchaus Handhabe, betonen die Grünen. Bereits bei begründeter Besorgnis nachteiliger Auswirkungen auf Umwelt und Gewässer bestehe Handlungsbedarf. Die Kommune könne Vorklärungen und technische Vorbehandlungen verlangen. „Betriebe müssen problematische Abwässer bereits vor Ort nachhaltig lösen. Eine Rückhaltung oder Vorklärung von Tensiden und Schaumstabilisatoren im Betrieb ist technisch einfacher und wirtschaftlich sinnvoller, als diese Stoffe erst am Ende der Kanalisation in der Kläranlage behandeln zu müssen“, argumentieren die Sprecher.

Besonders unverständlich bleibt aus Sicht der Grünen, dass der Stadtrat eine Starkverschmutzerzulage abgelehnt hat. Eine solche Regelung hätte industrielle Großeinleiter stärker an den tatsächlichen Kosten der Gewässerbelastung beteiligt, Anreize zur Reduzierung geschaffen und für mehr Gebührengerechtigkeit gesorgt. Statt Zuständigkeiten zwischen den Ebenen hin- und herzuschieben, müssten Stadt, Entsorgungsverband Saar, Landesamt und Landespolitik gemeinsam an Lösungen arbeiten.

Mittelfristig fordern die Grünen zudem die Nachrüstung der Kläranlage Homburg-Beeden um eine moderne vierte Reinigungsstufe. Diese könne zusätzliche Schadstoffe, Mikroverunreinigungen und problematische Rückstände deutlich wirksamer aus dem Abwasser entfernen als die bestehende Technik. „Es darf dauerhaft nicht sein, dass man in einem UNESCO-Biosphärenreservat einen Bach mit Schaum akzeptiert“, betonen Filler und Lauer. Der Erbach stehe stellvertretend für jahrelange Versäumnisse. Wer Gewässerschutz ernst meine, müsse jetzt handeln – mit klaren Kontrollen, moderner Technik und politischem Willen.

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