Im saarländischen Handel wird es Anfang Juni laut: Die Gewerkschaft ver.di ruft die Beschäftigten am 5. und 6. Juni 2026 zu Warnstreiks auf. Allein in Saarbrücken werden rund 300 Streikende erwartet. Hintergrund ist ein festgefahrener Tarifkonflikt im Einzel- und Versandhandel sowie im Groß- und Außenhandel von Rheinland-Pfalz und dem Saarland, in dem auch nach mehreren Verhandlungsrunden keine Annäherung in Sicht ist.
Den Ausschlag für die Arbeitsniederlegung gibt aus Sicht der Gewerkschaft das jüngste Arbeitgeberangebot, das ver.di als „vergiftet“ bezeichnet. Konkret sieht der Vorschlag eine Laufzeit von 24 Monaten vor, beginnend mit sechs sogenannten Nullmonaten ohne jede Erhöhung. Erst ab Oktober 2026 sollen die Entgelte um zwei Prozent steigen, ab Juli 2027 um weitere 1,5 Prozent. Über insgesamt neun Monate bliebe der Tariflohn damit auf dem Papier eingefroren – für ver.di gleichbedeutend mit einem realen Kaufkraftverlust.
Dem Aufruf folgen sollen vor allem Beschäftigte von Kaufland, Ikea, H&M, Chefs Culinar sowie aus den Lagern von Rewe. Den Auftakt bildet am Freitag, dem 5. Juni, ein zentraler Streiktag in Saarbrücken. Ab 10:30 Uhr sammeln sich die Teilnehmenden bei der ver.di-Region Saar-Trier in der St. Johanner Straße 49, bevor um 11:00 Uhr ein Demonstrationszug durch die Innenstadt startet. Gegen 12:30 Uhr ist die Hauptkundgebung vor der Europa-Galerie geplant, gegen 14:00 Uhr endet der Streiktag. Am Samstag, dem 6. Juni, verlagern sich die Aktionen direkt vor die jeweiligen Betriebe; beteiligen werden sich dann nur Beschäftigte, die regulär zum Dienst eingeteilt gewesen wären.
Monika Di Silvestre, ver.di-Landesfachbereichsleiterin und Verhandlungsführerin für den Handel in Rheinland-Pfalz und Saarland, findet deutliche Worte: „Dieses Angebot ist eine Kampfansage an die Beschäftigten. Wer jeden Tag an der Kasse, im Lager, in der Fläche oder in der Logistik den Handel am Laufen hält, verdient mehr als Nullmonate und Reallohnverluste.“ Aus ihrer Sicht steht nicht weniger als die Anerkennung der täglichen Arbeit von Verkäuferinnen, Lageristen und Logistikkräften auf dem Spiel.
Zusätzlich Öl ins Feuer gießt aus Gewerkschaftssicht die Ankündigung der Arbeitgeber, ab September nur noch über eine Laufzeit von 36 Monaten verhandeln zu wollen, sollte bis Ende August keine Einigung stehen. Auch die Weigerung, eine Maßregelungsklausel zu akzeptieren, werten die Verantwortlichen als Affront gegenüber denjenigen, die jetzt für bessere Bedingungen auf die Straße gehen.
„Die Arbeitgeber wollen Zeit schinden und Druck aufbauen. Die Beschäftigten antworten darauf mit Solidarität und Streik. Wer faire Arbeit will, muss faire Löhne zahlen“, sagt Stefan Prinz, ver.di-Verhandlungsführer für den Groß- und Außenhandel in Rheinland-Pfalz. Aus seiner Sicht reagieren die Belegschaften mit den Aktionen auf eine Verhandlungstaktik, die auf Verzögerung statt auf Lösungen setze.
Die nächsten Gesprächstermine stehen bereits fest: Am 17. Juni wird im Einzelhandel Saarland weiterverhandelt, am 22. Juni im Einzelhandel Rheinland-Pfalz und am 29. Juni im Großhandel Pfalz. Bis dahin will ver.di den Druck mit sichtbaren Aktionen wie in Saarbrücken hochhalten.

















