Ein 1:0 gegen einen Oberligisten ist in der Vorbereitung kein Ergebnis, das große Wellen schlägt. Es ist ein Sieg, nicht mehr und nicht weniger. Für den FC 08 Homburg war der knappe Erfolg gegen den FK 03 Pirmasens am Freitagabend in Waldmohr aber zumindest ein ordentlicher Abschluss vor dem Trainingslager im Kleinwalsertal. Nach den Tests gegen stärkere Gegner ging es diesmal weniger um das große Ausrufezeichen, sondern eher darum, Spielzeit zu verteilen, Abläufe zu testen und ohne neue Blessuren durchzukommen.
Das gelang. Mehr aber auch nicht. Der FCH setzte sich gegen den Oberligisten verdient mit 1:0 durch, tat sich über weite Strecken aber schwer, aus viel Ballbesitz echte Gefahr zu entwickeln. Die Mannschaft von Roland Seitz hatte die Partie meist im Griff, ließ defensiv wenig zu und bestimmte das Spiel. Vor dem Tor blieb es jedoch lange zäh. Erst in der Schlussphase fiel der Treffer, als Frederik Schumann über die linke Seite vorbereitete und Jacob Roden im Strafraum zum 1:0 einschob.
Bis dahin hatten die Zuschauer ein eher überschaubares Vorbereitungsspiel gesehen. Homburg ließ den Ball laufen, fand gegen kompakt stehende Pirmasenser aber selten die Lücke. Die erste wirklich gefährliche Szene gab es kurz vor der Pause, als Roden aus spitzem Winkel abschloss und das Tor knapp verfehlte. Auf der Gegenseite kam auch der FKP kurz vor dem Halbzeitpfiff einmal gefährlicher nach vorne, Luca Eichhorn setzte den Ball aber über das Tor.
Nach der Pause wurde der FCH aktiver und lief den Gegner früher an. Die beste Möglichkeit vor dem Führungstor hatte Michael Guthörl, dessen Kopfball aus kurzer Distanz von FKP-Keeper Kupper stark pariert wurde. Trotzdem blieb vieles Stückwerk. Erst in der Schlussviertelstunde zog Homburg das Tempo noch einmal an. Der Treffer durch Roden war deshalb verdient, änderte aber nichts daran, dass offensiv weiterhin Luft nach oben bleibt.
Roland Seitz nahm den Test pragmatisch mit. „Es war wieder ein guter Test, bei dem wir viel ausprobieren konnten. Viele neue Spieler haben Platz gehabt, da konnte man an den Abläufen erkennen, dass sie noch nicht so gut eingespielt sind. Wir haben aber zu Null gespielt, ein Tor geschossen, damit vor dem Trainingslager nochmal einen guten Abschluss gehabt und sind daher auch sehr zufrieden“, sagte der FCH-Trainer nach der Partie.
Genau darum geht es derzeit. Ergebnisse in der Vorbereitung sollte man nicht zu ernst nehmen. Das galt nach den Niederlagen gegen den Karlsruher SC II, Wehen Wiesbaden und Darmstadt 98, und das gilt auch nach einem knappen Sieg gegen Pirmasens. Entscheidend ist, was daraus folgt. Und da wartet auf den FCH jetzt eine wichtige Woche. Im Trainingslager muss aus vielen Einzelteilen mehr Struktur entstehen.
Die Bedingungen dafür sind im Kleinwalsertal gut. Ab Montag arbeitet der FCH in Hirschegg weiter an der neuen Saison. Dort wird es nicht nur um Kondition und die nächsten Einheiten gehen. Jetzt müssen Automatismen entstehen, Abläufe klarer werden und Rollen innerhalb der Mannschaft wachsen. Wer führt? Wer gibt den Takt vor? Wer übernimmt Verantwortung, wenn ein Spiel eng wird? Genau solche Dinge werden in der Runde entscheiden, ob die Grün-Weißen nicht nur bisweilen ordentlichen Fussball spielen, sondern Konstanz in ihre Leistung bringen und damit die notwendigen Punkte sammeln.

Foto: FC 08 Homburg
Denn der Kader hat sich in den vergangenen Tagen noch einmal verändert. Mit Julian Günther-Schmidt und Emir Kuhinja hat der FCH zwei weitere Offensivspieler verpflichtet. Günther-Schmidt bringt reichlich Erfahrung mit: 236 Spiele in der 3. Liga, mehr als 100 Regionalliga-Einsätze sowie Stationen unter anderem beim FC Augsburg, Carl Zeiss Jena, Fortuna Köln, dem 1. FC Saarbrücken und zuletzt Erzgebirge Aue. Er soll nicht nur fußballerisch helfen, sondern auch als Führungsspieler eine Rolle übernehmen.
„Julian ist ein Spieler, der uns mit seiner großen Erfahrung aus der 3. Liga im Offensivbereich weiterhelfen wird. Darüber hinaus bringt er auch menschlich viel mit und kann in unserer Mannschaft eine Führungsrolle übernehmen. Wir freuen uns sehr, dass der Wechsel geklappt hat und Julian künftig für den FC 08 Homburg auflaufen wird“, erklärte Seitz zur Verpflichtung.
Auch Kuhinja ist eine interessante Personalie. Der 24-jährige Angreifer kennt die Regionalliga, war beim SGV Freiberg unter Seitz bereits auf einem guten Weg und schaffte später den Sprung zum 1. FC Magdeburg. Dort traf er bei seinem Zweitliga-Debüt gegen Holstein Kiel, ehe ihn ein Kreuzbandriss ausbremste. Zuletzt spielte Kuhinja beim bulgarischen Erstligisten Beroe Stara Zagora. Nun soll er in Homburg wieder an frühere Leistungen anknüpfen.

Foto: FC 08 Homburg
Seitz kennt den Neuzugang aus gemeinsamer Zeit: „Emir kenne ich bereits aus meiner Zeit beim SGV Freiberg und habe ihn dort als sehr guten jungen Spieler mit einer starken Einstellung kennengelernt. Er hat in Magdeburg bei seinem Zweitliga-Debüt direkt getroffen und damit gezeigt, welche Qualität in ihm steckt. Leider wurde seine Entwicklung durch eine schwere Verletzung gebremst. Wir sind sehr froh, dass wir ihn für den FCH gewinnen konnten, und sind überzeugt, dass er wieder zu seiner alten Stärke zurückfinden wird. Wenn ihm das gelingt, wird er uns mit seinen Qualitäten in der Offensive sehr weiterhelfen.“
Mit Günther-Schmidt und Kuhinja ist die Kaderplanung weiter vorangekommen. Ganz fertig ist sie aber noch nicht. Bedarf besteht vor allem noch auf den offensiven Außenbahnen. Auch die U23-Regelung bleibt ein Punkt, den der Verein im Blick behalten muss. Nico Jörg und Lukas Hoffmann arbeiten nach Verletzungen weiter an ihrer Rückkehr, Hilal El-Helwe fehlt wegen Achillessehnenproblemen, Simon Joachims wegen Sprunggelenksproblemen. In Waldmohr war zudem erneut Probespieler Artan Latifi dabei, der aber wohl in den Planungen eher keine Rolle spielen dürfte.
Im Trainingslager warten nun zwei weitere Tests. Am Mittwoch spielt der FCH um 19 Uhr in Oberstaufen gegen den FV Ravensburg, am Samstag um 17.30 Uhr in Sonthofen gegen den SSV Reutlingen. Dort sollte es dann nicht mehr nur darum gehen, Minuten zu verteilen. Der FCH muss nun Schritte nach vorne zeigen: im Spiel mit Ball, im Verhalten gegen den Ball und in der Abstimmung zwischen den vielen neuen Spielern.
Der Sieg gegen Pirmasens war dafür ein weiterer kleiner Schritt, mehr nicht. Die eigentliche Arbeit beginnt jetzt im Allgäu. Dort muss aus dem neuen Kader eine Mannschaft werden, die nicht nur ordentlich mitspielt, sondern ihren Anspruch auch sichtbar auf den Platz bringt.



















