Wenn die Straußjugend durch Einöd zieht, an den Gaststätten Station macht und am Ende auf dem Dorfplatz die Kerwerede beginnt, dann ist Kerb. Auch am vergangenen Wochenende wurde die Tradition im Homburger Stadtteil wieder mit viel Musik, Geschichten aus dem Dorfleben und jeder Menge Selbstironie gefeiert. Der große Kerweumzug am Sonntag dauerte mehr als zwei Stunden – und führte die Straußjugend zu allen Wirten, die sich an der Kerb beteiligt hatten.
Los ging es mit acht Mitgliedern der Straußjugend. Eine eher kleine Besetzung, wie die jungen Einöder selbst einräumten. Der Weg führte zunächst zum Saigon, anschließend zum Café Tante May, weiter zum Sportheim, zur Reiterklause und zur Dasch, ehe der Zug schließlich wieder auf den Dorfplatz zurückkehrte.
An jeder Station gab es einen Kerwestrauß für den jeweiligen Wirt. Und natürlich blieb es nicht bei der Übergabe allein: Die Straußjugend hatte für die einzelnen Häuser eigene kleine Reden und Geschichten vorbereitet. Musikalisch begleitet wurde der Umzug erneut von der Marching Band des Fanfarencorps Völklingen 1955, die auch auf dem Weg durch den Ort für den passenden Kerwe-Sound sorgte.
Schon beim ersten Halt im Saigon zeigte sich, was die Einöder Kerb ausmacht: lokale Geschichten, Dialekt und reichlich Spott über Begebenheiten aus dem vergangenen Jahr. Die Straußjugend bedankte sich zunächst für die Bewirtung und wechselte dann schnell zu einer Urlaubsgeschichte, bei der ein Mallorca-Aufenthalt, eine verschwundene Tasche und ein Besuch bei der Polizei eine größere Rolle spielten. Zum Schluss wurde der Kerwestrauß am Lokal übergeben.
Auch beim Café Tante May blieb es nicht bei ein paar freundlichen Worten. Die Straußmädchen erinnerten daran, dass das Café inzwischen fest im Dorfleben angekommen ist und sich nicht nur mit eigenen Veranstaltungen beteiligt. „Bei euch findet richtig was statt“, hieß es in der Rede. Ob eigene Veranstaltung oder örtliches Fest – das Café sei „bei allem auch immer vertreten“. Danach folgte eine jener Geschichten, bei denen vermutlich vor allem diejenigen besonders laut lachen, die genau wissen, wer gemeint ist.
Auf dem Dorfplatz kommt das Beste zum Schluss
Der Höhepunkt wartete traditionell am Dorfplatz. Dort wurde der große Kerwestrauß aufgestellt und die eigentliche Kerwerede gehalten. Unterstützt wurde die Straußjugend musikalisch von Stefan Grub, „de Ebban“. Und auch diesmal lieferte das vergangene Jahr genügend Stoff.
Da ging es um ein improvisiertes Wintersport-Abenteuer im Schnee, um Familiengeschichten, kleinere und größere Missgeschicke und natürlich um Menschen aus dem Ort, deren Erlebnisse nun öffentlich noch einmal aufbereitet wurden – liebevoll, aber keineswegs zimperlich.
Auch ein Fassanstich fand seinen Weg in die Rede. Einer der Beteiligten hatte offenbar einige Versuche benötigt, bis das Bier tatsächlich dort herauskam, wo es sollte. Die Straußjugend zählte genüsslich Schlag für Schlag, ehe schließlich Hilfe kam – und der Hahn beim ersten Versuch richtig saß.
Nachwuchs wird dringend gesucht
Zwischen all den Späßen wurde die Straußjugend allerdings auch ernst. Aktuell zählt die Gruppe nur acht Mitglieder. Ohne frühere Straußbuben und Straußmädchen sowie weitere Helfer wäre manches rund um die Kerb kaum zu stemmen gewesen. In der Kerwerede richtete die Gruppe deshalb einen deutlichen Appell an die Einöder: „Wir brauchen dringend ein paar neue Leute.“ Es wäre „arg schade“, wenn irgendwann bei der Kerb niemand mehr aus dem Fenster heraus die traditionelle Rede halten würde, hieß es weiter.
Gerade dieser Moment zeigte, dass hinter den vielen Witzen einiges an Arbeit steckt. Kerwesträuße müssen vorbereitet, Stationen organisiert, Geschichten gesammelt und die Reden geschrieben werden. Dazu kommen Umzug, Musik und die zahlreichen kleinen Absprachen mit Wirten und Helfern.
Eine Kerb, die durchs ganze Dorf zieht
Genau darin liegt aber auch die Stärke der Einöder Kerb. Sie findet nicht nur an einem einzigen Platz statt. Der Zug zieht durch den Stadtteil, macht Halt bei den Gaststätten und nimmt damit verschiedene Orte des Dorflebens mit. Mehr als zwei Stunden war die Straußjugend am Sonntag unterwegs, bevor sich das Geschehen auf den Dorfplatz verlagerte.
Und dort bekam Einöd schließlich wieder das, was zu einer Kerb gehört: einen großen Strauß, Musik, reichlich Geschichten – und die Gewissheit, dass so mancher Fehltritt des vergangenen Jahres spätestens im September noch einmal öffentlich zur Sprache kommt. Solange es genügend Straußbuben und Straußmädchen gibt, die genau diese Tradition weitertragen.
Alle Bilder: Friedel Simon












































































