Wie lassen sich Materialoberflächen so verändern, dass sie Bakterien abwehren, Reibung verringern oder neue Wege für die Raumfahrt eröffnen? Antworten darauf liefert ein Vortrag, zu dem der MINT-Campus Alte Schmelz e. V. am Dienstag, 23. Juni 2026, ab 19:30 Uhr nach St. Ingbert einlädt. Referent ist Prof. Dr.-Ing. Frank Mücklich, einer der renommiertesten Materialforscher des Saarlandes.
Unter dem Titel „Völlig neue Materialoberflächen aus dem Saarland? Eine kreislauforientierte Innovationsplattform inspiriert neue Ideen für Technik, Medizin und Raumfahrt“ wirft Mücklich einen Blick auf eine Technologie, die im Saarland entwickelt wurde und international Beachtung findet. Die Veranstaltung ist Teil der Reihe „Wissenschaftsforum“ und wird hybrid angeboten: vor Ort im SFTZ-Gebäude des MINT-Campus in der Saarbrücker Straße 38e sowie parallel im Internet. Die Teilnahme ist kostenlos, für den Präsenzbesuch wird um Anmeldung gebeten.
Im Mittelpunkt steht eine zentrale Beobachtung: Die Natur arbeitet seit Jahrmillionen mit erstaunlich wenig chemischer Vielfalt und schließt ihre Stoffkreisläufe nahezu perfekt. Die technische Welt hingegen ist davon weit entfernt. Genau hier setzt der Ansatz des Referenten an. Wenn Industriestandorte wie Deutschland langfristig wettbewerbsfähig bleiben sollen, müssten Innovationen konsequent auf Kreislauffähigkeit ausgerichtet werden – und die Materialoberfläche spielt dabei eine Schlüsselrolle.
Dass auch die Häute von Pflanzen und Tieren längst hochkomplexe „Meta-Oberflächen“ sind, deren mikroskopische Strukturen vielfältige Funktionen übernehmen, ist seit Langem bekannt. Die im Saarland entwickelte Laser-Interferenz-Technologie überträgt dieses Prinzip in die Technik: berührungslos lassen sich praktisch beliebige Strukturen auf nahezu jedes Material aufbringen. Reibung, Verschleiß, Benetzung oder Widerstand werden dadurch gezielt steuerbar – bis hin zu medizinischen Anwendungen, die regelrecht „programmiert“ werden können.
Besondere Aufmerksamkeit erhielten zuletzt Experimente mit antibakteriellen Oberflächen, die Astronaut Matthias Maurer auf der Internationalen Raumstation ISS durchführte. NASA und ESA wollen die Ergebnisse nutzen, um die Gesundheit von Raumfahrern zu schützen – perspektivisch auch bei Missionen zu Mond und Mars. Mücklich verspricht einen anschaulichen Einblick anhand konkreter Beispiele aus Technik, Medizin und Raumfahrt.
Der Referent ist seit 1995 an der Universität des Saarlandes tätig und leitete dort das Institut für Funktionswerkstoffe. Er gründete die Europäische Schule für Materialforschung EUSMAT, ist Gründungsdirektor des Material Engineering Center Saarland und Mitgründer der Saarbrücker Surfunction GmbH. Zudem gibt er die Fachzeitschrift „Practical Metallography“ heraus und vertritt die Materialwissenschaft als Sprecher bei der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften acatech. Koordiniert wird die Vortragsreihe von Prof. Dr.-Ing. Horst Altgeld; Interessierte können sich online über die Seite des MINT-Campus zuschalten.





















