Foto: M. Leinen (Bundeswehr)
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Zum ersten Mal seit dem Ende des Kalten Krieges haben zivile Einsatzkräfte und Bundeswehr im Saarland gemeinsam den Aufbau einer Patiententransportorganisation unter realitätsnahen Bedingungen geprobt. Bei der Großübung SAAREX 2026 am Samstag, dem 16. Mai 2026, trainierten rund 250 Einsatzkräfte in Kirkel die Versorgung und Verteilung einer großen Zahl Verletzter – ein Szenario, das die veränderte sicherheitspolitische Lage in Europa unmittelbar ins Saarland trug.

Das zugrunde liegende Szenario ging von einer schweren Explosion an einem Betankungspunkt während einer Übung an der NATO-Ostflanke in Polen aus. Rund 50 verletzte Soldatinnen und Soldaten, vom liegenden Intensivpatienten bis zum gehfähig Verletzten, wurden nach klinischer Erstversorgung und Stabilisierung per Zug über Kaiserslautern auf ein Gleisgelände in Kirkel gebracht. Amerikanisches Sanitätspersonal begleitete den Transport. Die Verletzten wurden von Angehörigen des Heimatschutzes der Bundeswehr und des Deutschen Roten Kreuzes dargestellt.

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Am Gleisgelände übernahmen die saarländischen Blaulicht-Organisationen, die sich bereits im Vorfeld auf die Entladung und Triage vorbereitet hatten. Zeitkritische Fälle wurden umgehend mit bereitstehenden Rettungswagen in umliegende Krankenhäuser verlegt, während weniger dringliche Patientinnen und Patienten vor Ort behandelt und für einen möglichen Weitertransport stabilisiert wurden. Das nahe gelegene Universitätsklinikum des Saarlandes beteiligte sich aktiv an der Übung und stellte die klinische Anschlussversorgung für einen Teil der Betroffenen sicher. Neben dem Landeskommando Saarland und dem US-Militär waren mehrere Landes- und Kreisbehörden sowie die saarländischen Hilfsorganisationen beteiligt – die Bundeswehr griff im Rahmen der Amtshilfe auf zivile Dienststellen zurück.

Die Planungen für SAAREX 2026 liefen seit Oktober 2025, also mehr als ein halbes Jahr lang, und wurden gemeinschaftlich von ziviler und militärischer Seite vorangetrieben. Saarlands Innenminister Reinhold Jost ordnete die Übung in den größeren sicherheitspolitischen Rahmen ein: „Jahrzehnte konnten wir uns darauf verlassen, dass die Bundeswehr bei Krisen oder Katastrophen die zivilen Dienststellen und Einheiten tatkräftig unterstützt. Die veränderte Sicherheitslage sorgt nun aber dafür, dass wir auch intensiv über die zivile Unterstützung nachdenken müssen, sollten die Kapazitäten der Bundeswehr an ihre Grenzen kommen.“ Die Versorgung von Verletzten sei ein herausragendes Beispiel, bei dem gesamtstaatliches Handeln gefragt sei. „Daher ist es für uns und die gesamte Blaulicht-Familie eine Selbstverständlichkeit, mit der Bundeswehr zu üben und die gegenseitige Hilfeleistung zu trainieren.“ Jost dankte allen Beteiligten, die ihren freien Samstag geopfert hätten, um sich unter realitätsnahen Bedingungen dieser Herausforderung zu stellen. „Wir lernen daraus für die verschiedensten Ernstfälle, auch wenn wir alle hoffen, dass sie nicht eintreten.“

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Oberst Michael G. Kopp, Kommandeur des Landeskommandos Saarland, unterstrich die historische Dimension der Übung: „Erstmals seit dem Ende des Kalten Krieges üben zivile Kräfte und Streitkräfte in dieser Form und unter derart realitätsnahen Bedingungen gemeinsam den Aufbau und den Betrieb einer Patiententransportorganisation. Das ist nicht nur eine planerisch-organisatorische Leistung – das ist ein sicherheitspolitisches Signal.“ Deutschlands Rolle als Drehscheibe im Fall einer krisenhaften Entwicklung an der NATO-Ostflanke, ob als militärisches Aufmarschgebiet oder als logistisches und sanitätsdienstliches Versorgungszentrum, könne nur im Rahmen der Zivil-Militärischen Zusammenarbeit funktionieren. Die Kooperation auf Augenhöhe bei SAAREX 2026 spiegele wider, wie im Ernstfall gearbeitet werden müsse: „Hand in Hand, mit klaren Planungsprozessen und definierten Schnittstellen, vor allem aber auch mit gegenseitigem Vertrauen.“ Die Erfahrungen der Übung trügen zur Funktion der Drehscheibe Deutschland und damit zur Abschreckung bei. „Das ist der eigentliche Wert dieser Übung und des heutigen Tages.“

Die SAAREX-Reihe hat sich in den vergangenen Jahren schrittweise weiterentwickelt. Bei SAAREX 2023 hatten zivil-militärische Arbeitsgruppen Szenarien rund um einen großflächigen Stromausfall durchgespielt und dabei Lösungsansätze für Wasserversorgung, Ernährung, Gesundheit, Unterbringung, Betriebsstoffversorgung und Information erarbeitet. Sechs Arbeitsgruppen, bestehend aus Angehörigen der saarländischen Kreisverbindungskommandos, des Innenministeriums, der Polizei, der Hilfsdienste sowie der Katastrophenschutzstäbe der Landkreise und des Regionalverbands Saarbrücken, waren daran beteiligt.

SAAREX 2025 ging einen Schritt weiter und erprobte erstmals eine neue Übungsart: In einer mehrmonatigen Planübung von November 2024 bis Mitte April 2025 durchliefen zivil-militärische Arbeitsgruppen aus allen Landkreisen und dem Regionalverband Saarbrücken verschiedene Phasen, in denen sie auf wechselnde Lagesituationen reagieren mussten. Die Themen reichten von Verkehr und Sicherheit über Versorgung und Gesundheit bis hin zu querschnittlichen Grundsatzfragen wie Interoperabilität, Führungsfähigkeit und den rechtlichen Rahmenbedingungen des Host Nation Support – also der Unterstützung befreundeter ausländischer Streitkräfte in Deutschland als Gastgeberland. Die fachliche Steuerung und Bewertung übernahmen das saarländische Innenministerium und das Landeskommando Saarland gemeinsam.

Mit SAAREX 2026 wurde nun der Sprung von der Planungsebene in die praktische Umsetzung vollzogen. Die Übung fügt sich in die gesamtstaatliche Verteidigungsplanung ein, die unter dem Titel „Operationsplan Deutschland“ vorangetrieben wird. Expertinnen und Experten aus allen Bereichen der Bundeswehr erarbeiten diesen militärischen Anteil einer umfassenden Verteidigungsplanung in einer gemeinsamen Planungsgruppe mit Bund, Ländern, Kommunen, Blaulicht-Organisationen und der Wirtschaft. Das geheime Dokument wird in Verantwortung des Operativen Führungskommandos der Bundeswehr kontinuierlich aktualisiert. Das Ziel lautet: „Deutschland. Gemeinsam. Verteidigen.“ – eine Formel, die in Kirkel am Samstag greifbar wurde.

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Das Landeskommando Saarland, das sich als „Botschaft der Bundeswehr im Saarland“ versteht, wurde am 2. März 2007 am Standort Saarlouis in Dienst gestellt. Es fungiert rund um die Uhr als Ansprechpartner der Landesregierung in allen militärischen Belangen und unterhält enge Arbeitsbeziehungen zum saarländischen Innenministerium sowie zu den zuständigen Landesbehörden. Insgesamt ist die Bundeswehr im Saarland an fünf Standorten mit 1.730 Soldatinnen und Soldaten sowie etwa 470 zivilen Beschäftigten vertreten. Die Übung in Kirkel hat gezeigt, dass diese Strukturen im Zusammenspiel mit den zivilen Kräften des Landes funktionieren – und dass das Saarland bereit ist, seine Rolle in der gesamtstaatlichen Sicherheitsarchitektur aktiv wahrzunehmen.

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