Im Klassenzimmer der Robert-Bosch-Schule in Homburg war zum Halbjahresende mehr zu spüren als nur Erleichterung über geschaffte Termine. Neugier, ein spürbarer Stolz und viele neue Eindrücke prägten die Stimmung, als 15 Schülerinnen und Schüler ihre Teilnahmebestätigungen für die UKS Mini Nurse AcadeME entgegennahmen. Für die Siebt- und Achtklässler endete damit das erste Schulhalbjahr eines Programms, das ihnen die Welt der Gesundheitsberufe ungewöhnlich früh und sehr direkt nähergebracht hat.
Die Mini Nurse AcadeME ist ein gemeinsames Bildungsprojekt des Schulzentrums des Universitätsklinikums des Saarlandes (UKS) und der Robert-Bosch-Schule Homburg. Ziel ist es, Kinder und Jugendliche frühzeitig für Gesundheitsthemen zu sensibilisieren, Empathie und Teamfähigkeit zu stärken und zugleich realistische Einblicke in Gesundheits- und Pflegeberufe zu ermöglichen. Im Schulhalbjahr 2025/2026 wurde das Angebot erstmals gezielt für die Klassenstufen 7 und 8 geöffnet – ein Schritt, der die bisherige Arbeit mit jüngeren Jahrgängen erweitert.
Pflegedirektor Serhat Sari beschreibt den Ansatz so: „Wenn junge Menschen früh erfahren, wie viel Kompetenz, Verantwortung und Sinn in Gesundheitsberufen steckt, dann entsteht etwas sehr Wertvolles: Respekt – und manchmal auch Begeisterung.“ Nachwuchsgewinnung beginne nicht mit Hochglanzbroschüren, sondern mit echten Begegnungen, so Sari weiter: „Die Mini Nurse AcadeME zeigt, dass Nachwuchsgewinnung nicht mit Werbung beginnt, sondern mit Begegnung.“
Konkret erlebten die Teilnehmenden an mehreren Nachmittagen ein breites, praxisnahes Programm. In interaktiven Workshops beschäftigten sie sich mit Bewegung und Kinästhetik, Blut und Blutkreislauf, psychischer Gesundheit, Lernen und Selbstfürsorge. Auch bislang oft tabuisierte Themen wie Periode und Endometriose wurden offen angesprochen. Die Jugendlichen schlüpften zeitweise selbst in die Rolle von Patientinnen und Patienten und lernten so, Situationen aus einer anderen Perspektive wahrzunehmen. Ergänzt wurde dies durch Einblicke in verschiedene Bereiche des Gesundheitswesens – von Orthoptik und Physiotherapie über die Arbeit von Hebammen bis hin zur Neugeborenenpflege.
Besondere Aufmerksamkeit fanden die praktischen Simulationen. Dazu gehörten ein OP-Training an der Laparoskopie-Box, Reanimationsübungen mit Dummy und Videolaryngoskopie sowie eine anschauliche Reise durch Schwangerschaft und Geburt. „Dieses Programm zeugt vom eindrucksvollen Spektrum der Ausbildungsangebote unseres Schulzentrums“, sagte Pflegedirektor Serhat Sari. „Gleichzeitig erleben die Jugendlichen, wie vielfältig, anspruchsvoll und sinnstiftend die Arbeit im Gesundheitswesen ist.“
Auch Ulrich Wirth, Leiter des Schulzentrums des UKS, hob den Anspruch des Projekts hervor. „Wir wollen keine schnellen Antworten liefern, sondern Spuren hinterlassen. Die Mini Nurse AcadeME soll junge Menschen ermutigen, Fragen zu stellen: nach Gesundheit, nach Verantwortung und nach dem, was es heißt, füreinander da zu sein“, erklärte Wirth. Gerade die Öffnung für die Klassenstufen 7 und 8 sei wichtig, um Bildungsimpulse zu vertiefen und über einen längeren Zeitraum zu verankern.
Wie sehr das Konzept aufgeht, zeigte sich beim Abschlusstermin im 1. Schulhalbjahr 2025/2026. In der Runde herrschte eine offene Atmosphäre, die Jugendlichen stellten neugierige Fragen, beteiligten sich mit selbstbewussten Beiträgen und nahmen ihre Teilnahmebestätigungen sichtbar stolz entgegen. Für viele war es die erste bewusste und intensive Begegnung mit dem Gesundheitswesen – und für einige möglicherweise ein erster Schritt hin zu einer späteren beruflichen Orientierung.
Die Mini Nurse AcadeME soll auch in den kommenden Jahren fortgeführt werden. Im Schulhalbjahr 2026/2027 richtet sich das Programm erneut an die Klassenstufen 5 und 6, also an jene Altersgruppe, in der Neugier, Offenheit und Begeisterungsfähigkeit nach Einschätzung der Verantwortlichen besonders groß sind. Damit knüpfen UKS-Schulzentrum und Robert-Bosch-Schule an die bisherigen Erfahrungen an und setzen auf eine langfristige Verankerung früher Gesundheitsbildung.
Für dieses systematische Zusammenspiel von Gesundheitsbildung und Berufsorientierung wurden das Schulzentrum des UKS und die kooperierende Schule bereits 2024 mit dem bundesdeutschen SCHULEWIRTSCHAFT-Preis ausgezeichnet. Die Auszeichnung gilt als Anerkennung für ein Konzept, das früh ansetzt und dort anknüpft, wo junge Menschen lernen und leben – im Schulalltag.
















