Oberbürgermeister Dr. Ulli Meyer empfing im St. Ingberter Rathaus die Delegation der Pfadfinder aus Polen, Dr. Violetta Frys und die St. Ingberter Pfadfinder der DPSG. — Foto: Giusi Faragone
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Europa beginnt im Kleinen – etwa dann, wenn 13 polnische Jugendliche im St. Ingberter Rathaus stehen und feststellen, dass sie die Grenze nach Frankreich gar nicht bemerkt haben. Eine Gruppe polnischer Pfadfinderinnen und Pfadfinder hat in dieser Woche das Saarland besucht und wurde von Oberbürgermeister Dr. Ulli Meyer offiziell willkommen geheißen. Die Jugendlichen im Alter von 15 bis 16 Jahren stammen aus vier verschiedenen Landkreisen in Polen.

Begleitet wurde die Delegation von ihren beiden Stammesleitern Kacper Sawicki und Wojciech Trawka. Auch die St. Ingberter Pfadfinder waren mit von der Partie, schließlich traten sie als Gastgeber für ihre polnischen Freundinnen und Freunde auf. Den Kontakt in die Mittelstadt hatten Christian Klein und Dr. Violetta Frys vom Saarpfalz-Kreis eingefädelt. Frys, Europabeauftragte des Kreises, begleitete den Empfang im Rathaus und übernahm zugleich die Rolle der Dolmetscherin.

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Der aktuelle Besuch ist die Fortsetzung eines im September 2025 begonnenen Austauschs: Damals war eine Delegation aus St. Ingbert ins polnische Łańcut gereist. Nun folgte der Gegenbesuch – ein Format, das den europäischen Gedanken praktisch mit Leben füllt. Oberbürgermeister Meyer nutzte den Empfang, um die Bedeutung solcher Begegnungen herauszustellen. „Pfadfinder gehören einer internationalen und politisch unabhängigen Organisation an, die Menschen aller Nationalitäten und Glaubensrichtungen zusammenbringt“, sagte er. „Da die Lage weltweit immer schwieriger wird, ist der Zusammenhalt untereinander hier in Europa umso wichtiger.“

Dass die saarländische Gastfreundschaft nicht nur eine Floskel ist, sollten die Gäste in den folgenden Tagen am eigenen Leib erfahren. Das Programm war dicht gepackt und reichte weit über die Stadtgrenzen hinaus. Gemeinsam mit französischen Pfadfindern besichtigte die Gruppe das Bergwerksmuseum im lothringischen Petite-Rosselle, später stand ein Abstecher zur Völklinger Hütte auf dem Plan. In St. Ingbert selbst erkundeten die Jugendlichen die Innenstadt, machten am „Schleppi“ Halt und schauten beim Becker Turm vorbei. Wegen der Hitze wurde kurzerhand umdisponiert – ein spontaner Sprung ins Freibad „blau“ brachte die nötige Abkühlung.

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Zu den ruhigeren Höhepunkten zählte eine von Torsten Becker organisierte Wanderung zur Rohrbacher Mühle, bei der ein Zwischenstopp bei den Highland-Rindern im Rohrbachtal eingelegt wurde. In der Mühle selbst empfingen Magdalena Telus und Andreas Meiser die Gruppe und sorgten für die Verpflegung. Auch das Kloster in Gräfinthal stand auf dem Reiseplan; der offizielle Abschluss fand im Kloster Blieskastel statt.

Was bei den jungen Polinnen und Polen besonders nachklang, war eine unspektakuläre Beobachtung mit großer Wirkung: Den Übertritt nach Frankreich hatten sie schlicht verpasst. Für eine Generation, die in einem Land mit deutlich härteren Außengrenzen aufwächst, war das offene Europa der Großregion eine Erfahrung, die mehr erklärt als jede politische Rede.

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Entsprechend fiel das Fazit der Stammesleiter aus. „Wir haben uns hier sehr wohlgefühlt und waren beeindruckt von der schönen Landschaft, das hätten wir nicht erwartet“, bilanzierten Sawicki und Trawka nach sechs Tagen. „Egal, wo wir auch hinkamen – sogar am Kebab-Stand in der Stadt –, überall wurden wir mit einer außergewöhnlichen Gastfreundschaft empfangen.“ Sie kämen gerne wieder. Vorher aber steht ein anderer Termin im Kalender: 2027 reisen die St. Ingberter Pfadfinder erneut nach Polen.

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