Saubere Schulflure, blitzende Bürofenster, hygienisch einwandfreie Pflegeheime – hinter diesem oft unsichtbaren Standard stehen im Saarpfalz-Kreis rund 1.260 Menschen. Sie putzen, schrubben und entsorgen, was andere zurücklassen. Pünktlich zum „Tag der Gebäudereinigung“ am kommenden Montag, 15. Juni, fordert die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) Saar-Trier für diese Berufsgruppe einen deutlichen „Respekt- und Lohn-Schub“.
„Bei ihnen ist längst nicht alles im Reinen“, bringt es Ute Langenbahn, Vorsitzende der IG BAU Saar-Trier, auf den Punkt. Es fehle nicht nur an gesellschaftlicher Wertschätzung, sondern vor allem am Geld. Wer Tag für Tag dafür sorge, dass Räume nutzbar bleiben, halte zwar den Betrieb am Laufen, lande aber häufig im Niedriglohnsektor. Spätestens mit dem Renteneintritt drohe daraus eine handfeste Existenzfrage.
Wie groß die Lücke zwischen Leistung und Lohn tatsächlich ist, verdeutlicht die Gewerkschaft mit einer drastischen Rechnung. Eine vollzeitbeschäftigte Reinigungskraft müsste beim derzeit branchenüblichen Entgelt rein rechnerisch über 70 Jahre arbeiten, um auf die Höhe einer durchschnittlichen gesetzlichen Rente zu kommen. „Reinigung und Rente – das ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Armutszeugnis“, sagt Langenbahn.
Dahinter steht für die Gewerkschafterin mehr als eine sozialpolitische Randnotiz. Krasse Lohnunterschiede seien ein Risiko für den gesellschaftlichen Zusammenhalt, Niedriglöhne damit „sozialer Sprengstoff“. Wer ein Leben lang dafür sorge, dass andere ein „sauberes Leben“ führen könnten, dürfe am Ende nicht auf staatliche Unterstützung angewiesen sein.
Langenbahn richtet ihren Appell deshalb gezielt an die Bundestagsabgeordneten von CDU und SPD aus dem Saarpfalz-Kreis und der Region. Bei der anstehenden Rentenreform müssten sie gegensteuern. „Wer ein Berufsleben lang Flure wischt, Fenster putzt und Toiletten sauber hält, hat es verdient, im Alter von der Rente in Würde leben zu können“, betont die Bezirksvorsitzende. Eine spürbare Aufwertung dieser Arbeit sei überfällig.
Neben der politischen Bühne nimmt die IG BAU auch die Arbeitgeber direkt in die Pflicht. In der kommenden Tarifrunde im Gebäudereiniger-Handwerk müsse ein „kräftiges Lohn-Plus“ herausspringen. „Darauf sollten sich die 23 Gebäudereinigungsunternehmen im Saarpfalz-Kreis schon einmal einstellen“, kündigt Langenbahn an. Die Zahlen zu Beschäftigten und Betrieben stützt die Gewerkschaft auf Angaben der Arbeitsagentur.
Der „Tag der Gebäudereinigung“ soll damit weit mehr sein als ein symbolisches Datum im Kalender. Für die IG BAU Saar-Trier ist er ein Hebel, um eine Branche sichtbar zu machen, die im Alltag meist im Hintergrund bleibt – und deren Beschäftigte nach Auffassung der Gewerkschaft schon viel zu lange darauf warten, dass ihre Arbeit auch im Geldbeutel und auf dem Rentenbescheid ankommt.






















