Beim Wechsel des Stromanbieters bleibt für die meisten Haushalte in Deutschland eine Frage entscheidend: Wie viel spare ich am Ende? Der Preis dominiert die Wahl weiterhin klar. Doch eine aktuelle Umfrage im Auftrag des Digitalverbands Bitkom zeigt, dass digitale Angebote, Transparenz und flexible Tarife spürbar an Bedeutung gewinnen.
Innerhalb der vergangenen zwölf Monate hat rund ein Viertel der Haushalte den Anbieter gewechselt. Von diesen Wechslern begründeten 93 Prozent ihre Entscheidung damit, dass der neue Vertrag schlicht günstiger war. Der Kilowattstundenpreis bleibt also das schlagende Argument. Doch er ist längst nicht mehr das einzige.
Immerhin 19 Prozent der Wechselnden nannten als Grund, dass der neue Anbieter mehr Informationen bereitstellt, etwa zu Vertragsbedingungen, Strompreisen oder dem eigenen Verbrauch. Für 15 Prozent gab eine App den Ausschlag. Spezielle Tarifmodelle bewegen die Kundschaft dagegen noch seltener: Zwölf Prozent wechselten wegen eines Wallbox-Tarifs, elf Prozent wegen eines dynamischen Tarifs und acht Prozent wegen eines Angebots für die Wärmepumpe.
Auch die klassischen Motive spielen weiter eine Rolle. Für 68 Prozent war Öko-Strom ein Beweggrund, 34 Prozent lockte eine Prämie. Bemerkenswert: 26 Prozent wechseln sogar regelmäßig, allein um Geld zu sparen. Grundlage dieser Zahlen ist eine repräsentative telefonische Befragung von 1.002 Haushalten, die zwischen Kalenderwoche 16 und 20 des Jahres 2026 durchgeführt wurde.
Für Bitkom-Expertin Emilie Hansmeyer markieren diese Ergebnisse einen Übergang. „Beim Stromanbieterwechsel zählt heute vor allem der Preis. Aber der Wettbewerb im Strommarkt wird künftig stärker über digitale Services, Transparenz und flexible Tarife laufen“, sagt die Managerin für Energie und Smart Grids. Wer ein E-Auto lade, eine Wärmepumpe betreibe oder seinen Verbrauch besser steuern wolle, brauche mehr als einen niedrigen Preis. „Entscheidend werden Apps, Verbrauchsdaten in Echtzeit, dynamische Tarife und intelligente Steuerung. Der Stromtarif der Zukunft ist digital.“
Aus Sicht des Verbands sollten Anbieter ihre digitalen Angebote deshalb möglichst verständlich gestalten. Dazu zählen transparente Verbrauchsinformationen, einfach bedienbare Apps sowie zugeschnittene Modelle für Haushalte mit E-Auto, Wallbox, Wärmepumpe oder Batteriespeicher. Verbraucherinnen und Verbraucher wiederum rät Bitkom, beim Wechsel nicht nur auf Arbeitspreis und Prämie zu schauen, sondern auch zu prüfen, ob ein Tarif zum eigenen Verbrauchsverhalten passt und digitale Steuerung ermöglicht.
Hansmeyer fasst die Entwicklung so zusammen: „Der Strommarkt steht vor einem neuen Wettbewerb: Neben dem reinen Preis wird künftig wichtiger, welcher Tarif zum Alltag und zum Energiesystem der Zukunft passt.“



















