Vorhofflimmern gehört zu den häufigsten Herzrhythmusstörungen überhaupt – allein im Saarland sind Zehntausende betroffen. Am Universitätsklinikum des Saarlandes in Homburg kommt nun erstmals eine Behandlungsmethode zum Einsatz, die das Potenzial hat, die Therapie dieser Erkrankung grundlegend zu verändern: die sogenannte Pulsed-Field-Ablation, kombiniert mit einem hochmodernen dreidimensionalen Mapping-System. Damit ist das UKS nach eigenen Angaben die bislang einzige Einrichtung im Saarland, die über die dafür nötige Technik verfügt.
Wer an Vorhofflimmern leidet, kennt die Symptome nur zu gut: Herzrasen, Atemnot, Schwindel, Brustschmerzen oder eine deutlich eingeschränkte Belastbarkeit im Alltag. Bleibt die Störung unbehandelt, drohen ernste Folgen. Vorhofflimmern zählt zu den häufigsten Ursachen für einen Schlaganfall. Umso wichtiger ist eine wirksame und zugleich möglichst schonende Behandlung – genau hier setzt das neue Verfahren an, das die Klinik für Kardiologie, Angiologie und Internistische Intensivmedizin unter der Leitung von Prof. Dr. Thorsten Keßler jetzt etabliert hat.
Der Auslöser des Vorhofflimmerns liegt häufig in fehlerhaften elektrischen Impulsen, die aus dem Bereich der Lungenvenen stammen. Ziel der Behandlung ist es, diese Venen elektrisch vom linken Vorhof abzukoppeln – Fachleute sprechen von einer Pulmonalvenenisolation. Bisherige Verfahren wie die Radiofrequenz- oder Kryoablation arbeiten mit Hitze oder Kälte. Die Pulsed-Field-Ablation geht einen anderen Weg: Kurze, hochenergetische elektrische Impulse erzeugen winzige Poren in den Membranen der Herzmuskelzellen. Dieser Vorgang, die sogenannte irreversible Elektroporation, schaltet die betroffenen Zellen gezielt aus und unterbindet so die störenden Signale. Der entscheidende Unterschied zu den herkömmlichen Methoden liegt in der Gewebeselektivität. Während die Herzmuskelzellen effektiv behandelt werden, bleiben empfindliche Nachbarstrukturen wie Speiseröhre oder Nerven weitgehend unversehrt.

Noch präziser wird der Eingriff durch das dreidimensionale Mapping-System, das vor und während der Behandlung eine millimetergenaue Landkarte des Herzens erstellt. Elektrische Signale und anatomische Strukturen lassen sich damit detailliert abbilden, der Katheter kann exakt navigiert und die Energieabgabe punktgenau gesteuert werden. „Durch die Navigation mittels 3D-System kann die ansonsten notwendige Röntgendurchleuchtung reduziert oder in manchen Fällen sogar ganz darauf verzichtet werden“, erläutert Valérie Pavlicek, Oberärztin der Klinik für Kardiologie, Angiologie und Internistische Intensivmedizin am UKS. Für die Patientinnen und Patienten bedeutet das eine zusätzliche Entlastung.
Besonders geeignet ist das Verfahren laut UKS für Menschen, bei denen erstmals eine Katheterablation wegen Vorhofflimmerns durchgeführt wird. Aktuelle Studien bescheinigen der Pulsed-Field-Ablation Erfolgsraten, die den etablierten Methoden mindestens gleichkommen – bei einem gleichzeitig verbesserten Sicherheitsprofil. Auch die Dauer des Eingriffs fällt in der Regel kürzer aus als bei den bisherigen Verfahren.

Foto: UKS / Glücklich
Mit der erstmaligen Anwendung dieser Kombination aus Pulsed-Field-Ablation und 3D-Mapping eröffnet das Universitätsklinikum in Homburg Betroffenen im Saarland eine Therapieoption, die gleich drei Versprechen einlösen will: mehr Schonung, höhere Präzision und größere Sicherheit bei der Behandlung einer weit verbreiteten Herzrhythmusstörung.




















