Stadtarchiv-Leiterin Karina Kloos, Initiator Winfried Ansslinger und Stadtarchiv-Mitarbeiter Frank Wimmer (v.l.n.r.) versiegelten die Kapsel, die erst in 50 Jahren wieder geöffnet werden soll. - Foto: Bill Titze

So viel Streit und Meinungsverschiedenheiten es auch um die Pandemie gibt, in einem dürften sich alle einig sein: Es ist gerade eine historisch bedeutsame Zeit. Damit unseren Nachfahren die Empfindungen der heute Lebenden nahegebracht werden können, wurde nun im Stadtarchiv eine Zeitkapsel mit historischen Zeugnissen verschlossen. Doch bei dem Projekt ging es nicht nur darum, Zeugnisse an die Nachwelt weiterzugeben.

Normalerweise konzentriert sich Eberhard Jung, Geschichtslehrer am Saarpfalz-Gymnasium, ja eher auf die Zeitzeugen aus der Vergangenheit. Vor allem die aus der NS-Zeit, die in den vergangenen Jahren den Schülern immer wieder die Schrecken des Krieges und des NS-Regimes nahebrachten. Daher ist die Versiegelung der Zeitkapsel für ihn auch etwas Neues. Zum ersten Mal haben seine Schüler selbst über ein historisches Ereignis erzählt, dass sie erlebt haben.

„Jetzt bekommen wir mal mit, dass wir auch Zeitzeugen sind“, sagt Jung. Und die waren zumindest am Saarpfalz-Gymnasium äußerst fleißig. 60 von rund 100 Beiträgen kamen aus dieser einen Schule. So viel Jungs Schüler auch zu dem Projekt beigetragen haben, der eigentliche Initiator ist Winfried Ansslinger vom Homburger Philosophencafé, der Ende des vergangenen Jahres auf die Idee mit der Zeitkapsel kam. „Zu der Zeit herrschte ja gerade eine allgemeine Depression in der Gesellschaft, zum Beispiel wegen der nur langsam anlaufen Impfkampagne“, erklärt Ansslinger. „Deswegen wollte ich ein Hoffnungszeichen setzen und dokumentieren, dass es trotzdem Leute gibt, die an die Zukunft glauben.“

Was hier drin genau gesammelt ist, wird erst die Nachwelt erkunden können. – Foto: Bill Titze

Herausgekommen ist ein buntes Potpourri aus Berichten, Bildern und anderen Zeugnissen, wie Geschichtslehrer Jung erzählt, der die Beiträge seiner Schüler begutachten konnte. „Da geht es um Freund und Leid. Eher positiv sind die Erzählungen vom Anfang der Pandemie, wo man sich noch über das lange Ausschlafen freute. Doch es kommt auch heraus, dass viele später besorgt waren, wegen der Großmutter beispielsweise.“ Jung ist vermutlich einer der wenigen, der einen gewissen Überblick über das geben kann, was in der Kapsel enthalten ist, die nun im Stadtarchiv liegt.

Denn alle Zeugnisse wurden verschlossen abgegeben und so auch in die Kiste gelegt. Das ist auch der Grund dafür, wieso Carina Kloos, die Leiterin des Stadtarchivs, nur Vermutungen darüber anstellen kann, was außer selbstgeschriebenen Berichten noch eingesendet wurde. „Durch Tasten habe ich gespürt, dass die Volkshochschule einen Veranstaltungskatalog eingereicht hat. Außerdem war ein Pfadfinderabzeichen dabei.“

Was sich heute relativ unspektakulär anhört, könnte ja durchaus in ferner Zukunft das Interesse der Zeitgenossen finden. Doch es sind nicht nur unsere Nachfahren, an die sich die Kapsel richtet, wie Kloos erläutert. „Ziel war es auch, dass die Bevölkerung innehält und eine Selbstreflexion formuliert.“ Wie diese aussieht, wird sich dann in 50 Jahren zeigen, wenn die Kapsel zum ersten Mal geöffnet wird.

 

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