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Foto: Cecilie Johnsen
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Wenn an diesem Wochenende die Parade des CSD SaarLorLux durch Saarbrücken zieht, fährt die saarländische Landesregierung zum vierten Mal in Folge mit einem eigenen Wagen mit. Das diesjährige Motto lässt an Deutlichkeit nichts vermissen: „JA, ICH WILL INS GRUNDGESETZ! ARTIKEL 3+ JETZT!“ – eine Forderung, die weit über das Festwochenende hinausweist.

Im Mittelpunkt steht die Initiative „Artikel 3+“. Sie verlangt, den Gleichheitsgrundsatz des Grundgesetzes ausdrücklich um die Merkmale der sexuellen und geschlechtlichen Identität zu ergänzen. Bislang werden diese Aspekte im Verfassungstext nicht namentlich genannt, während andere Diskriminierungsverbote – etwa wegen Geschlecht, Herkunft oder Religion – bereits verankert sind. Mit der Erweiterung sollen rechtliche Lücken geschlossen und der Schutz queerer Menschen auf höchster Ebene abgesichert werden.

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Ministerpräsidentin Anke Rehlinger formuliert die Haltung der Landesregierung unmissverständlich: „Das Saarland steht klar für ein Miteinander, das niemanden ausschließt. Vielfalt ist keine Randerscheinung, sondern Teil unserer demokratischen Grundordnung. Wer Menschen wegen ihrer Identität angreift, stellt sich gegen genau diese Grundwerte. Deshalb zeigen wir beim CSD sichtbar Haltung.“

Sozialminister Magnus Jung verweist auf die doppelte Bedeutung der Veranstaltung – als Fest und als politische Kundgebung zugleich. „Gerade in Zeiten gesellschaftlicher Spannungen ist der CSD ein deutliches Zeichen dafür, dass Menschenwürde und Respekt nicht verhandelbar sind. Die Rechte queerer Menschen gehören selbstverständlich in die Mitte unserer Gesellschaft.“ Der Christopher Street Day sei Ausdruck eines Widerstands gegen Ausgrenzung und Hass. Neben dem Wagen in der Parade ist das Sozialministerium in diesem Jahr zusätzlich mit einem Stand des Landesdemokratiezentrums auf der CSD-Meile vertreten.

Das Engagement reicht über das Wochenende hinaus. Im vergangenen Jahr schrieb die Landesregierung den Landesaktionsplan „Vielfalt sexueller und geschlechtlicher Identität akzeptieren“ fort. Er bündelt 78 Maßnahmen, die von Gesundheit und Bildung über Antidiskriminierung und Gewaltschutz bis hin zu Strafverfolgung, Migration und Flucht reichen. In der aktuellen Fassung kamen Themenfelder wie Pflege, Tourismus und Sport hinzu, um den Diskriminierungsschutz weiter zu vertiefen.

Auch bundespolitisch mischt das Saarland mit. Über die Gleichstellungs- und Frauenministerkonferenz setzt sich das Land besonders dafür ein, Gewalt gegen queere Menschen wissenschaftlich besser zu erfassen. Eine interministerielle Arbeitsgruppe zur sexuellen und geschlechtlichen Vielfalt begleitet die Umsetzung der Maßnahmen und bindet Zivilgesellschaft und Community kontinuierlich ein.

Der Christopher Street Day erinnert an die Stonewall-Aufstände von 1969 in New York, die als Geburtsstunde der modernen queeren Bürgerrechtsbewegung gelten. Weltweit steht er heute für Sichtbarkeit, Gleichberechtigung und den Kampf gegen Diskriminierung von LSBTIQ-Menschen. Im Saarland hat sich die Veranstaltung längst zu einem politischen wie gesellschaftlichen Großereignis entwickelt, in dem Demonstration, Austausch und Feier ineinandergreifen. In den vergangenen Jahren säumten bis zu 75.000 Besucherinnen und Besucher die Strecke, rund 10.000 Menschen liefen selbst in der Parade mit.

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