Wie verlässlich lassen sich die Schwankungen globaler Rohstoffpreise berechnen? Eine Antwort darauf liefert ein Forschungsprojekt, das jetzt mit dem Forschungspreis 2026 der Forschungsvereinigung Großhandel (ForveG) ausgezeichnet wurde. Geehrt wird Dr. Nico Beck vom Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen IIS für seine Promotion, in der er ein KI-gestütztes Prognoseinstrument für Rohstoffpreise auf den Weltmärkten entwickelt hat.
Am Beispiel der globalen Stahlpreise demonstriert die Arbeit, wie sich die oft sprunghafte Volatilität auf den internationalen Märkten mithilfe künstlicher Intelligenz deutlich präziser beherrschen lässt. Damit trifft das Projekt einen Nerv der Branche, denn Preisschwankungen bei Rohstoffen zählen seit Jahren zu den größten kalkulatorischen Risiken im Handel.
Die unabhängige Jury hob neben der wissenschaftlichen Qualität vor allem die Übertragbarkeit der Ergebnisse auf den gesamten Rohstoffhandel hervor. „Die Fähigkeit, Unsicherheiten bei Rohstoffpreisen auf den Weltmärkten zu reduzieren, könnte für den Großhandel und den deutschen Mittelstand insgesamt von enormem Wert sein“, betonte Prof. Dr. Julia Arlinghaus, Jurymitglied und Laudatorin des Forschungspreises.
Für Till Blässinger, Vorsitzender der ForveG und Präsidiumsmitglied des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA), steht die Auszeichnung sinnbildlich für eine notwendige Weichenstellung. „Dieses Projekt ist ein leuchtendes Beispiel für herausragende Forschung im Großhandel, auch weil sechs Großhandelsunternehmen es von Beginn an unterstützt haben“, erklärte er. Die rund 135.000 mittelständischen Großhandelsunternehmen in Deutschland müssten konsequenter in ihre eigene Wettbewerbsfähigkeit investieren – in Technologien ebenso wie in neue Geschäftsmodelle. Ein stärkeres Engagement in der Forschung sei dafür der richtige Weg.
Der BGA, Gründungsmitglied der ForveG, versteht sich gemeinsam mit den weiteren Trägern als Motor für mehr angewandte Forschung und einen schnelleren Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse in die unternehmerische Praxis. Die Auszeichnung der Fraunhofer-Arbeit fügt sich in diese Strategie ein und zeigt zugleich, wie eng akademische Spitzenforschung und die operativen Bedürfnisse der Handelsunternehmen inzwischen miteinander verzahnt sind.
Der Preis ist mit 9.000 Euro dotiert und wird je zur Hälfte aus Eigenmitteln der ForveG sowie in diesem Jahr durch Spenden der KNAPP Deutschland GmbH und der Oskar Böttcher GmbH & Co. KG (Obeta) finanziert. Verliehen wurde er in Stuttgart im Rahmen des Tags der Unternehmen des ForveG-Mitglieds großhandel-bw. Neben dem Hauptpreis sprach die Jury zudem eine „Honorable Mention“ für eine herausragende Masterarbeit der Technischen Universität München aus, die einen KI-gestützten Mechanismus zur verbesserten Lagerbewirtschaftung entwickelt – ein weiterer Beleg dafür, dass künstliche Intelligenz im Handel längst über experimentelle Spielereien hinausgewachsen ist.



















