Symbolbild
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Wenn im Saarland der Chemielehrer plötzlich Mathematik unterrichtet oder die Englischlehrerin Französisch übernimmt, ist das längst kein Ausnahmefall mehr. Genau darauf verweist die CDU-Landtagsfraktion nach der Auswertung einer Antwort der Landesregierung auf ihre Kleine Anfrage zur Lehrkräfteversorgung. Für die stellvertretende Fraktionsvorsitzende und bildungspolitische Sprecherin Jutta Schmitt-Lang offenbart sich darin ein tiefer liegendes Problem: nicht nur ein Mangel an Personal, sondern ein Versagen bei der Steuerung.

„Die SPD-Alleinregierung hat sich große Mühe gegeben, die tatsächliche Lage hinter Tabellen, Berechnungsmethoden und methodischen Besonderheiten zu verstecken“, so Schmitt-Lang. Wer die Antwort jedoch genau lese, komme zu einem klaren Ergebnis: In zahlreichen Fächern fehlten schlicht die entsprechend qualifizierten Lehrkräfte, sodass Unterricht in erheblichem Umfang von Personal ohne die passende Fachlehrbefähigung erteilt werde.

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Besonders deutlich wird das Bild nach Darstellung der CDU an den Gemeinschaftsschulen. Allein in der Sekundarstufe I würden dort pro Woche mehr als 5.000 Stunden fachfremd unterrichtet. Betroffen seien vor allem Fächer wie Mathematik, Kunst, Musik oder Arbeitslehre. Im Einzelfall möge fachfremder Unterricht nötig sein, räumt die Politikerin ein, in diesem Ausmaß sei er jedoch Ausdruck eines strukturellen Problems.

Die Folgen tragen aus Sicht der Fraktion vor allem die Schülerinnen und Schüler. „Wenn Schülerinnen und Schüler über Jahre hinweg in zentralen Fächern von Lehrkräften unterrichtet werden, die dafür gar nicht ausgebildet sind, darf sich niemand über sinkende Bildungsleistungen wundern“, betont Schmitt-Lang. Gute Bildung brauche gut ausgebildete Fachkräfte.

Besonders schwer wiegt für die CDU, dass das Bildungsministerium die zentrale Frage nach eigener Auskunft nicht beantworten kann. Die Landesregierung räume ein, dass ihre Berechnungen keine belastbare Aussage darüber zuließen, wie groß der Mangel an qualifizierten Kräften in den einzelnen Fächern tatsächlich sei. Wer aber nicht wisse, wo genau Mathematik-, Physik- oder Französischlehrkräfte fehlten, könne Personal auch nicht zielgerichtet einsetzen.

Rückendeckung sieht die Fraktion in einem aktuellen Sonderbericht des Rechnungshofs, der erhebliche Defizite in der Personalverwaltung bestätige. Kritisiert würden dort unter anderem veraltete IT-Strukturen, Doppelerfassungen und sogenannte Schatten-IT. „Wer bei der IT hinterherhinkt, kann auch bei der Personalsteuerung nicht vorne liegen“, so Schmitt-Lang.

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Statt eines Konzepts setze das Ministerium vor allem auf Nachqualifizierungen und organisatorische Lösungen, kritisiert die Bildungspolitikerin. So werde etwa fachfremder Französischunterricht durch Spanischlehrkräfte mit der ähnlichen Fremdsprachendidaktik und der Sprachverwandtschaft begründet. Eine ähnliche Didaktik ersetze aber keine Lehrbefähigung, wenn Sprachkompetenz und Wortschatz fehlten.

Nach 14 Jahren SPD-geführter Bildungspolitik zeige sich für Schmitt-Lang immer deutlicher, dass es nicht allein an Lehrkräften mangele, sondern an einer funktionierenden Steuerung. Sie wirft der Regierung Rehlinger vor, weder eine vorausschauende Personalplanung noch ein Konzept zur Fachkräfteanwerbung vorzulegen. Ihr Vertrauen in einen Kurswechsel durch die SPD sei erschöpft. Nötig sei nach der Landtagswahl 2027 ein echter Neustart in der saarländischen Bildungspolitik.

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