Wie treffen Menschen Entscheidungen über ihr Geld, wenn Informationen im Sekundentakt auf sie einprasseln und Finanzprodukte immer undurchsichtiger werden? Genau diese Frage steht im Zentrum der Arbeit von Pascal Kieren, der seit Kurzem als Professor für Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Finanzdienstleistungen an der Universität des Saarlandes lehrt und forscht.
Kieren interessiert sich für das Verhalten jener, die tagtäglich an den Finanzmärkten aktiv sind: Privatanleger, Fondsmanager und Analysten. Er untersucht, wie diese Akteure Informationen aufnehmen, verarbeiten und daraus finanzielle Entscheidungen ableiten. Dabei verbindet er verhaltenswissenschaftliche Ansätze mit finanziellen und wirtschaftspolitischen Perspektiven – und richtet den Blick zugleich auf die Folgen, die einzelne Entscheidungen für die gesamten Märkte und die Volkswirtschaft haben können.
Besonders am Herzen liegt ihm die Frage, wie Menschen mit der schieren Menge an verfügbaren Daten umgehen. Ob beim langfristigen Vermögensaufbau, bei einer konkreten Anlageentscheidung oder bei der Altersvorsorge – immer wieder müssen Anleger abschätzen, wie sich Preise, Risiken und ihre eigene finanzielle Lage entwickeln könnten. Kieren will die grundlegenden Mechanismen hinter diesen Entscheidungen offenlegen. Seine Erkenntnisse sollen dem Verbraucherschutz dienen und in die Weiterentwicklung der Finanzmarktregulierung einfließen.
Die Fachwelt hat seine Arbeit bereits mehrfach gewürdigt. Unter anderem erhielt er den Hogarth-Einhorn New Investigator Award der „Society for Judgment and Decision Making“. Zudem fördert die Deutsche Forschungsgemeinschaft seine Projekte.
An seiner neuen Wirkungsstätte will Kieren die Forschung zum individuellen Finanzverhalten ausbauen und stärker beleuchten, welche gesamtwirtschaftlichen Konsequenzen aus den Entscheidungen vieler Marktteilnehmer erwachsen. Auch politisch relevante Themen wie die Inflation gehören zu seinem Repertoire; hier arbeitet der Finanzökonom mit internationalen Finanzinstitutionen zusammen. Sein Ziel ist ein methodisch breit aufgestellter, empirisch verankerter Schwerpunkt in der Finanzwirtschaft. In der Lehre möchte er verhaltenswissenschaftliche, finanzinstitutionelle und makrofinanzielle Blickwinkel zusammenführen.
Die Fakultät für Empirische Humanwissenschaften und Wirtschaftswissenschaft bietet dafür ein passendes Fundament, da sich zahlreiche Berührungspunkte sowohl innerhalb der Betriebswirtschaftslehre als auch zur Psychologie ergeben. Kieren möchte diese Nähe nutzen, um interdisziplinäre Projekte anzustoßen, sein internationales Netzwerk nach Saarbrücken zu holen und den Austausch mit der Finanzbranche zu vertiefen. So will er die Brücke zwischen Forschung und Praxis weiter festigen.
Der Weg an die Universität des Saarlandes ist für Kieren zugleich eine Rückkehr: Sein Bachelorstudium der Betriebswirtschaftslehre absolvierte er einst an der Saar-Universität. Es folgte ein Masterstudium mit Schwerpunkt Finanzwirtschaft an der Universität Mannheim, wo er 2020 im Bereich der verhaltensorientierten Finanzmarktforschung promovierte. Als Postdoktorand forschte er anschließend am Alfred-Weber-Institut der Universität Heidelberg und verbrachte Forschungsaufenthalte an renommierten Adressen wie der University of Chicago Booth School of Business und der Indiana University in den USA. Zuletzt war er als Juniorprofessor im Bereich Finanzwirtschaft an der WHU – Otto Beisheim School of Management tätig.



















