Symbolbild
Anzeige

Künstliche Intelligenz spaltet die Republik – und zwar quer durch alle Altersgruppen, Berufe und Lebenswelten. Während die einen Sprachmodelle und smarte Assistenten längst wie selbstverständlich in ihren Tag einbauen, sehnen sich andere geradezu nach einem Leben, in dem es diese Technologie schlicht nicht gäbe. Eine neue repräsentative Erhebung im Auftrag des Digitalverbands Bitkom legt diesen Riss nun in Zahlen offen.

Demnach geben 77 Prozent derjenigen, die KI bereits einsetzen, an, dass ihnen der Umgang mit der Technologie Spaß macht. Doch selbst in dieser Gruppe der Aufgeschlossenen würde sich knapp ein Drittel – genauer 32 Prozent – eine Welt ohne KI zurückwünschen. Bei den Nicht-Nutzerinnen und Nicht-Nutzern ist es sogar eine deutliche Mehrheit von 58 Prozent. Über alle Befragten hinweg sagen 42 Prozent, sie würden lieber ohne diese Technik leben. Insgesamt verwenden derzeit 58 Prozent der Menschen in Deutschland KI.

Anzeige

Für Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst ist die ambivalente Stimmungslage Ausdruck einer tiefgreifenden Veränderung. „Künstliche Intelligenz hat ein enormes disruptives Potenzial und verändert unseren Alltag und unsere Arbeitswelt in einem Tempo, das viele Menschen verständlicherweise verunsichert“, erklärt er. Sein Rezept dagegen heißt Bildung: „Das beste Mittel gegen Verunsicherung ist Wissen.“ Er fordert flächendeckende Angebote von der Grundschule über die Berufsschule bis zur Volkshochschule, damit kein digitaler Graben zwischen Menschen mit und ohne KI entsteht.

Wer die Technologie nutzt, scheint sie tief in seinen Alltag eingewoben zu haben. 76 Prozent der Anwenderinnen und Anwender sagen, KI mache ihr Leben leichter, 59 Prozent fühlen sich durch sie schlauer. Besonders aufschlussreich: Für 41 Prozent ist KI inzwischen die erste Anlaufstelle in nahezu allen Fragen – ein Wert, der zeigt, wie schnell Chatbots klassische Suchmaschinen oder den Rat von Freunden in bestimmten Situationen verdrängen.

Doch auch innerhalb der aufgeschlossenen Gruppe bleiben Schattenseiten. Jeweils rund ein Viertel der Nutzenden fühlt sich abgehängt oder schlicht überfordert von der rasanten Entwicklung. Bei jenen, die KI bislang meiden, fallen die Werte deutlich drastischer aus: 59 Prozent fühlen sich abgehängt, 57 Prozent überfordert. Hochgerechnet auf die gesamte Bevölkerung kommen so 40 Prozent, die sich abgehängt fühlen, und 39 Prozent, die das Tempo als überfordernd empfinden.

Die Zahlen verdeutlichen, dass die viel beschworene digitale Transformation eben nicht nur eine Frage der Technik ist, sondern auch eine soziale Herausforderung. Zwischen Begeisterung und Ablehnung liegt eine breite Mitte aus Menschen, die zwar mitziehen, aber dabei ein mulmiges Gefühl behalten. Genau hier dürfte sich entscheiden, ob KI in Deutschland zu einem selbstverständlichen Werkzeug wird oder eine dauerhafte Trennlinie durch die Gesellschaft zieht.

Grundlage der Auswertung ist eine telefonische Befragung von Bitkom Research, für die im Zeitraum der Kalenderwochen 8 bis 11 des Jahres 2026 insgesamt 1.003 Personen ab 16 Jahren in Deutschland interviewt wurden. Darunter waren 579 Nutzerinnen und Nutzer von KI sowie 394 Personen ohne eigene Erfahrung mit der Technologie. Die Erhebung gilt als repräsentativ für die Gesamtbevölkerung.

💬 Was meinst du dazu?Dein Kommentar
Anzeige

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein