Der FC 08 Homburg hat sein Testspiel beim Drittligisten SV Wehen Wiesbaden knapp verloren. Am Donnerstagnachmittag unterlagen die Grün-Weißen im Stadion am Halberg in Wehen-Taunusstein mit 0:1. Eine Niederlage gegen einen ambitionierten Drittligisten ist in dieser Phase der Vorbereitung sicher kein Beinbruch. Zumal der FCH über weite Strecken zeigte, dass das er durchaus Qualität in den eigenen Reihen hat. Gleichzeitig steht eine Frage über allem: Wann gedenkt der FCH seinen Kader halbwegs auf Sollstärke zu bringen?
Nur einen Tag nach dem 1:2 gegen die U23 des Karlsruher SC stand für Homburg bereits der nächste Test an. Die Belastung war entsprechend spürbar, zumal mehrere Spieler erneut zum Einsatz kamen. Weiterhin nicht dabei waren die Langzeitverletzten Nico Jörg und Lukas Hoffmann sowie Hilal El-Helwe mit Achillessehnenproblemen, Aaron Manu mit Sprunggelenksproblemen und der erkrankte Jonas Weyand. Im Kader standen erneut mehrere Nachwuchsspieler aus U23 und U19 sowie die beiden Probespieler Leon Bucher und Jan Erik Eichhorn.
Sportlich war der Auftritt deutlich ordentlicher, als es die personelle Lage vermuten ließ. Der FCH begann mutig, hatte in der Anfangsphase mehr Ballbesitz und kontrollierte das Spiel zunächst gut. In der 13. Minute wurde es erstmals gefährlich, als Michael Guthörl nach einer Flanke von Tim Steinmetz per Seitfallzieher nur knapp verpasste. Wiesbaden kam erst nach rund einer Viertelstunde besser in die Partie, wurde dann aber gleich gefährlich. Michael Gelt musste zweimal eingreifen und hielt den FCH mit starken Paraden im Spiel.
Danach entwickelte sich eine offene Partie. Homburg arbeitete gegen den Ball ordentlich, hielt die Abstände weitgehend sauber und ließ sich vom Drittligisten nicht dauerhaft hinten hineindrücken. Nach vorne fehlte allerdings die letzte Durchschlagskraft. Guthörl und Armend Qenaj kamen zwar zu Abschlüssen, wirklich zwingend wurde es aber zu selten. Gerade im letzten Drittel fehlten Tempo, Präzision und die letzte Entscheidung.
Kurz vor der Pause erhöhte Wehen Wiesbaden den Druck. Nach zwei guten Möglichkeiten fiel in der 44. Minute der Treffer des Tages. Die Gastgeber spielten die Homburger Defensive aus, Nikolas Agrafiotis traf ins lange Eck zum 1:0. Kurz darauf hatte Guthörl noch die Gelegenheit zur schnellen Antwort, setzte seinen Kopfball aber knapp vorbei. So ging es mit dem knappen Rückstand in die Pause.
Der FCH startete zunächst ohne personelle Veränderungen in den zweiten Durchgang. Dafür aber der Gegner: Die Gastgeber kamen – es wurde nahezu die komplette Mannschaft durch gewechselt – mit viel frischer Energie aus der Kabine und hatten direkt mehrere gute Möglichkeiten, die jeweils knapp ihr Ziel verfehlten. Homburg brauchte etwas, fand dann aber wieder besser ins Spiel. In der 66. Minute bot sich Tim Steinmetz die erste größere Chance des zweiten Durchgangs, als er auf den Wiesbadener Torhüter zulief, den Abschluss aber nicht sauber genug setzen konnte. In der Schlussphase suchten die Grün-Weißen weiter den Weg nach vorne. Gelt verhinderte in der 77. Minute mit einer starken Parade das 0:2, ehe Qenaj in der Nachspielzeit die große Möglichkeit zum Ausgleich hatte. Nach einem Ballgewinn lief er auf das Tor zu, traf aber nur das Aluminium.
Am Ende blieb es beim 0:1. Für den FCH war es die zweite Testspielniederlage innerhalb von zwei Tagen. Trotzdem sollte man das Ergebnis nicht überbewerten. Entscheidender ist die Frage, was aus solchen Spielen mitzunehmen ist. Und da zeigte Homburg durchaus Ansätze: Gegen den Ball war das über weite Strecken ordentlich, die Bereitschaft stimmte, auch einige junge Spieler machten ihre Sache erneut sauber. Nach vorne blieb der FCH aber noch zu harmlos.
Cheftrainer Roland Seitz zog ebenfalls ein positives Fazit. „Insgesamt war es ein guter Test gegen einen Drittligisten, der im Gegensatz zu uns den Luxus hatte, zur Pause 10 Mann zu wechseln. Klar hatte der Gegner seine Chancen, aber ich finde, dass wir mehr als das jetzige Ergebnis verdient gehabt hätten. Man hat gesehen, wenn die Jungs Vollgas geben, konzentriert sind und die Qualität des Gegners und des Platzes da sind, sie ihre Sache gut machen. Natürlich wissen wir, dass wir noch Nachholbedarf haben, auch was das Personal angeht. Aber insgesamt war es ein guter Auftritt gegen einen Gegner, der in der 3. Liga oben mitspielen will“, sagte Seitz nach der Partie.
Und Personal ist hier das Stichwort. Nach knapp zwei Wochen Vorbereitung sind weiter mehrere Plätze offen, je nach geplanter Kadergröße fehlen noch sechs, sieben oder acht Spieler. Entsprechend wächst im Umfeld die Unruhe. Während andere Vereine der Regionalliga Südwest weiter nachlegen, geht es beim FCH bislang nur schrittweise voran. Dazu kommt die U23-Regel: Aktuell erfüllen nur wenige Spieler im Kader diese Vorgabe, mit Nico Jörg und Torwart Lukas Hoffmann befinden sich zwei davon nach Verletzungen noch auf dem Weg zurück. Der Auftritt gegen Wiesbaden war also ordentlich – die offenen Fragen rund um den Kader hat er aber nicht kleiner gemacht.
Der Test gegen Wehen Wiesbaden hat also zwei Dinge gezeigt: Der FCH kann gegen einen starken Gegner ordentlich mithalten, wenn Konzentration und Einsatz stimmen. Gleichzeitig ist der Kader noch nicht so weit, dass man von einer fertigen Mannschaft sprechen könnte. Gerade in der Breite, bei der U23-Regel und in der Offensive wird sich noch einiges tun müssen.
Weiter geht es für die Grün-Weißen am Dienstag, 14. Juli, mit einem besonderen Testspiel. Dann gastiert der FCH um 18 Uhr beim Zweitligisten SV Darmstadt 98 im Merck-Stadion am Böllenfalltor. Die Partie steht im Zeichen des 40-jährigen Jubiläums der Zweitliga-Meisterschaft und des Bundesliga-Aufstiegs 1985/86. Genau in Darmstadt hatte Homburg damals am letzten Spieltag den historischen Aufstieg perfekt gemacht.



















