Ein Zehnkampf bei 32 Grad und 80 Prozent Luftfeuchtigkeit – Fabian Stalter nennt es rückblickend schlicht einen Wettkampf „in der Dampfsauna“. Nur eine Woche nach seiner Silbermedaille im Stabhochsprung bei der Masters-Europameisterschaft hat der 37-Jährige die wohl härteste Disziplin der Leichtathletik durchgestanden und in seiner Altersklasse M35-39 einen starken vierten Platz belegt. Mit 5575 Punkten lieferte er den besten Zehnkampf eines deutschen Athleten dieser Altersklasse seit 2024.
Dass Stalter in dieser Disziplin ein gewichtiges Wort mitreden würde, deutete sich früh an. In der Halle sicherte er sich 2026 bereits deutsche Meistertitel im Weit- und Dreisprung sowie den Vizetitel im Hürdensprint, dazu Bronze im Stabhochsprung bei der Hallen-EM. Ein Athlet also, der nicht nur springt und sprintet, sondern auch wirft – Voraussetzungen, wie sie der Zehnkampf verlangt.
Der erste Tag begann um 8 Uhr morgens mit dem 100-Meter-Sprint und zog sich über sieben Stunden bis zum abschließenden 400-Meter-Lauf. Vor allem im Weitsprung sammelte Stalter mit 6,11 Metern wertvolle Punkte. Nach fünf Disziplinen lag er in einem eng beieinanderliegenden Feld auf Rang vier – die Ausgangslage für einen packenden zweiten Tag.
Doch dann spielte das Wetter verrückt. Nach dem 110-Meter-Hürdenlauf setzte Starkregen ein und verwandelte den Diskusring in eine Rutschbahn. Während einige Konkurrenten stürzten, blieb Stalter mit über 32 Metern souverän und nahm ihnen mehrere Meter ab. Der Stabhochsprung musste wegen des Regens mehrfach verschoben werden; erst nach dem dritten Aufwärmen überquerte er am frühen Abend die 3,90 Meter, ehe ein guter Speerwurf folgte.
Vor der letzten Disziplin trennten Stalter nur 17 Punkte vom drittplatzierten Taiwaner Shang-Heng Tsai – bei einem Gesamtstand von rund 5000 Zählern. Die übrigen Athleten waren da bereits deutlich distanziert. Stalter ging den 1500-Meter-Lauf offensiv an, doch Tsai klebte an seinen Fersen. „Ich hatte in der letzten Runde einfach keine Körner mehr“, räumt er ein. Kurz vor dem Ziel musste er den Konkurrenten ziehen lassen und kam einige Sekunden nach ihm ins Stadion – um 21 Uhr, nach 13 Stunden Wettkampf.
„Ich habe ihm direkt nach dem Zieleinlauf gratuliert, er hat einen tollen Wettkampf gemacht. Ich habe alles gegeben und das zählt“, so Stalter, der sich mit seiner Leistung unter diesen Bedingungen sehr zufrieden zeigte. Gold ging an den Japaner Shun Danno, der den lange führenden US-Olympioniken Josue Luis erst im Speerwurf überholte. Luis holte Silber.
Auch Christine Ecker war erneut im Einsatz. In der Altersklasse W60-64 verpasste die Bronzemedaillengewinnerin der Hallen-EM im Diskuswurf eine Medaille denkbar knapp. Lange lag sie mit 30,01 Metern auf Rang drei, ehe die Spanierin Maria Pilar Alonso Calonge mit 30,51 Metern vorbeizog. „Letztendlich war die Medaille 50 Zentimeter entfernt“, sagt Ecker. „Beim strömenden Regen war es schwierig, die Hand und den Diskus trocken zu halten.“ Der Sieg ging an die Dänin Vivian Christensen mit 34,76 Metern.
Zum Abschluss trat Ecker im Wurfmehrkampf aus Kugelstoßen, Diskus, Speer, Hammer und Gewichtswurf an und belegte mit 2987 Punkten Platz elf. Wegen einer aufziehenden Gewitterfront musste sie zwei Diskusversuche sogar ohne Brille absolvieren, kam dennoch auf 29,18 Meter. Den Mehrkampf gewann die Südafrikanerin Heleen Knobel.



















