Bundesinnenminister Alexander Dobrindt will am 20. Mai 2026 den im Koalitionsvertrag verankerten „Pakt für den Bevölkerungsschutz“ präsentieren. Bis 2029 sollen Ausstattung, Ausbildung und Vernetzung im Katastrophen- und Zivilschutz von Grund auf erneuert werden. Für den Digitalverband Bitkom steht fest: Ohne leistungsfähige digitale Infrastruktur bleibt jede Modernisierung Stückwerk.

Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst ordnete die Pläne mit deutlichen Worten ein: „Feldbetten und Fahrzeuge sind die sichtbare Seite des Bevölkerungsschutzes. Digitale Technologien und funktionierende Kommunikationsinfrastrukturen sind im Krisenfall mindestens ebenso bedeutend.“ Ob Warnungen die Bevölkerung rechtzeitig erreichen, ob Einsatzkräfte über Behörden- und Ländergrenzen hinweg in Echtzeit zusammenarbeiten können und ob überhaupt ein verlässliches Lagebild existiert – all das hänge heute an Netzen und digitalen Anwendungen.

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Wie dringend der Handlungsbedarf ist, belegen aktuelle Umfragedaten des Verbands. Demnach rechnen 82 Prozent der Menschen in Deutschland mit einer ernsthaften Krise infolge hybrider Angriffe. Gleichzeitig halten sich gerade einmal 15 Prozent im eigenen Haushalt für ausreichend vorbereitet. Auch die Wirtschaft steht auf wackligem Fundament: Deutsche Unternehmen könnten einen Internetausfall im Durchschnitt nur rund 20 Stunden überbrücken, bevor kritische Prozesse zum Erliegen kommen.

Wintergerst begrüßte ausdrücklich, dass die Bundesregierung digitale Vorhaben wie eine online abrufbare Schutzraumkarte priorisiere. Zugleich formulierte er konkrete Anforderungen an den angekündigten Pakt. Nötig seien eine moderne Digitalfunk-Infrastruktur für Behörden und alle Organisationen mit Sicherheitsaufgaben, eine verschlüsselte, ressortübergreifende Kommunikation sowie ein gemeinsames digitales Lagebild, das Informationen verschiedener Stellen bündelt. „Katastrophen und Angriffe machen nicht an den Grenzen von Bundesländern halt“, betonte der Bitkom-Präsident. Eine sichere, verlässliche Kommunikation zwischen Bund und Ländern sei daher zwingend.

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Dass digitale Lösungen im Ernstfall den Unterschied machen, zeigte sich nach Wintergersts Einschätzung zuletzt bei zwei einschneidenden Ereignissen. Im Januar 2026 legte ein Anschlag auf das Berliner Stromnetz Teile der Hauptstadt lahm. Bereits zuvor hatte die Flutkatastrophe im Ahrtal vor Augen geführt, wie entscheidend schnell wiederhergestellte Mobilfunkmasten und mobile Sender für die Arbeit der Helferinnen und Helfer waren.

Der Verband fordert deshalb, Bevölkerungsschutz, kritische Infrastruktur und Digitalpolitik künftig deutlich enger zu verzahnen. „Es kommt jetzt auf schnelle und zielgerichtete Investitionen an“, sagte Wintergerst. Die Kluft zwischen dem hohen Bedrohungsbewusstsein in der Bevölkerung und der tatsächlichen Vorbereitung – sowohl in Privathaushalten als auch in Unternehmen – verdeutlicht, wie viel Arbeit noch vor Bund und Ländern liegt, wenn der Pakt mehr sein soll als ein politisches Signal.

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