pile of blister packs of colorful medicine tablets
Symbolbild Foto: Volodymyr Hryshchenko
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Nicht der billigste Preis, sondern die verlässliche Versorgung soll künftig darüber entscheiden, wie Medikamente in Europa eingekauft werden. Diesen Kurswechsel plant die Europäische Kommission mit einer grundlegenden Reform des Vergaberechts. Für den Branchenverband Pharma Deutschland ist das ein längst überfälliges Signal – und zugleich ein Weckruf an die deutsche Politik.

Kern des Kommissionsentwurfs ist ein Perspektivwechsel: Öffentliche Beschaffung wird nicht mehr nur als Kostenfrage begriffen, sondern als strategisches Werkzeug. Ziel ist es, die Versorgungssicherheit zu stärken, Lieferketten widerstandsfähiger zu machen und die europäische Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Aufträge sollen nach dem besten Verhältnis von Qualität und Preis vergeben werden, damit der reine Kostenfaktor nicht länger dominiert.

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„Europa erkennt, dass Versorgungssicherheit einen Wert hat. Genau diesen Gedanken müssen wir jetzt auch in Deutschland konsequent umsetzen“, erklärt Dorothee Brakmann von Pharma Deutschland. Wer eine krisenfeste Arzneimittelversorgung wolle, müsse dafür auch wirtschaftliche Anreize schaffen. Resilienz, so ihre Botschaft, dürfe nicht bloß politisch eingefordert, sondern müsse bei der Beschaffung tatsächlich honoriert werden.

Konkret sieht der Entwurf mehrere Instrumente vor. Aufträge lassen sich künftig in einzelne Lose aufteilen, um die Abhängigkeit von einem einzigen Lieferanten zu verringern und Bezugsquellen breiter aufzustellen. Bei besonders sensiblen Beschaffungen können europäische oder handelspolitisch gleichgestellte Anbieter bevorzugt werden. Pharma Deutschland warnt allerdings davor, sich allein auf eine europäische Präferenz zu verlassen. Entscheidend sei vielmehr eine echte Diversifizierung der Lieferwege, um Abhängigkeiten nachhaltig abzubauen.

Besonders deutlich wird der Verband beim Blick auf die deutsche Praxis. Bei den Rabattverträgen der gesetzlichen Krankenkassen zähle bislang faktisch vor allem der niedrigste Preis – und genau das müsse sich ändern. Die europäische Reform solle als Anlass dienen, auch die heimischen Beschaffungsmechanismen weiterzuentwickeln und Versorgungssicherheit als eigenständiges Kriterium zu verankern.

„Deutschland kann nicht auf der einen Seite eine Stärkung des Pharmastandorts und resilientere Lieferketten fordern und auf der anderen Seite Beschaffungssysteme aufrechterhalten, bei denen vor allem der niedrigste Preis zählt“, betont Brakmann. Standort-, Versorgungs- und Beschaffungspolitik müssten zusammen gedacht werden.

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Für Pharma Deutschland liegt in der Reform die Chance, den Wettbewerb um Arzneimittel neu auszurichten: weg von der reinen Preisorientierung, hin zu einem Verfahren, das Qualität, Versorgungssicherheit und Widerstandsfähigkeit mit einbezieht. Langfristig, so die Hoffnung des Verbands, könne davon auch die Versorgung der Patientinnen und Patienten in Deutschland profitieren.

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