Foto: IG BAU / Florian Göricke
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Noch bis Ende Mai haben Beschäftigte im Saarpfalz-Kreis die Möglichkeit, in ihren Betrieben einen Betriebsrat zu wählen – und die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) Saar-Trier drängt darauf, dass deutlich mehr Belegschaften von diesem Recht Gebrauch machen. Rund 40 Prozent der Unternehmen im Kreis erfüllen die Voraussetzungen für eine Betriebsratswahl, doch gerade im Handwerk und in der Gebäudereinigung bleiben viele Firmen ohne gewählte Interessenvertretung. Die Gewerkschaft hat deshalb einen Appell gestartet, der sich gezielt an Branchen richtet, in denen Mitbestimmung bislang eher die Ausnahme als die Regel ist.

Die Zahlen, auf die sich die IG BAU Saar-Trier beruft, stammen von der Arbeitsagentur: Im Saarpfalz-Kreis sind rund 79.600 Menschen in etwa 5.160 Unternehmen beschäftigt. Überall dort, wo mindestens fünf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten, kann ein Betriebsrat gegründet werden. Dabei spielt es keine Rolle, ob jemand in Vollzeit, Teilzeit, als Auszubildender oder auf Minijob-Basis tätig ist – alle zählen mit. Trotzdem fehlt in vielen Betrieben eine solche Vertretung, obwohl die gesetzliche Grundlage längst gegeben wäre.

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Besonders im Handwerk sieht die Gewerkschaft erheblichen Nachholbedarf. „Gerade Handwerker im Saarpfalz-Kreis sollten ihre Chance, einen Betriebsrat zu wählen, besser nutzen: in Bauunternehmen genauso wie bei Dachdecker- oder Malerbetrieben. Da ist nämlich noch viel Luft nach oben, wenn es um die Interessenvertretung der Beschäftigten gegenüber dem Chef geht“, sagt Ute Langenbahn, Bezirksvorsitzende der IG BAU Saar-Trier. Ihr Blick richtet sich aber auch auf die Gebäudereinigung, eine Branche, in der Konflikte um Dienstpläne, Urlaubsregelungen und ausbleibende Zulagen für Sonn- und Feiertagsarbeit keine Seltenheit seien. „Vor allem aber auch, wenn der faire Tariflohn nicht gezahlt wird. In solchen Fällen ist der Betriebsrat ein wichtiges Sprachrohr gegenüber der Chef-Etage“, betont Langenbahn.

Für die Gewerkschafterin geht die Bedeutung eines Betriebsrats weit über einzelne Streitfragen hinaus. Wenn Arbeitsplätze auf dem Spiel stünden, setze ein Betriebsrat alles daran, Kündigungen abzuwenden. Auch Auszubildende könnten sich an die gewählte Vertretung wenden, wenn es in der Lehre Probleme gebe. Darüber hinaus kümmere sich ein Betriebsrat um Fortbildungsmöglichkeiten am Arbeitsplatz – ein Aspekt, der in Zeiten des Fachkräftemangels zunehmend an Gewicht gewinnt. Langenbahn beschreibt den Betriebsrat als ein „wichtiges Instrument, um Konflikte hinterm Werkstor zu lösen“, bevor sie eskalieren.

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Mit einem einprägsamen Vergleich wirbt die IG BAU Saar-Trier für mehr Beteiligung an den laufenden Wahlen. „Es ist wie mit der Superzahl beim Lotto: Mit einem Betriebsrat hat man einfach bessere Chancen, mehr für sich herauszuholen. Aber das hat nichts mit Lotterie zu tun. Die Vorteile, die man mit einem Betriebsrat hat, sind ein garantierter Gewinn für alle in der Firma“, macht Langenbahn deutlich. Anders als beim Glücksspiel sei das Ergebnis einer Betriebsratswahl kein Zufall, sondern eine bewusste Entscheidung der Belegschaft für mehr Mitsprache.

Wer im Saarpfalz-Kreis auf dem Bau, in der Gebäudereinigung, im Garten- und Landschaftsbau oder in der Forst- und Landwirtschaft arbeitet und Fragen zur Gründung oder Wahl eines Betriebsrats hat, kann sich direkt an die IG BAU Saar-Trier wenden. Die Gewerkschaft bietet Unterstützung unter der Telefonnummer 0681 – 92 56 30 sowie per E-Mail an saarbruecken [at] igbau.de. Stift, Zettel und ein Kreuz – viel mehr braucht es nicht, um im eigenen Betrieb ein Stück Mitbestimmung zu sichern.

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