Strahlender Sonnenschein, blühende Tulpen im Stadtpark und eine Nachricht, die dem Fest in diesem Jahr eine ganz besondere Note verlieh: Das 12. Deutsch-Türkische Tulpenfest in Homburg feierte nicht nur sich selbst – es feierte auch seine offizielle Aufnahme in das Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes des Saarlandes.
Was vor 13 Jahren als Idee zweier Nachbarn begann, ist heute das einzige deutsch-türkische Tulpenfest in ganz Deutschland – und nach Aussage der Organisatoren weltweit in dieser Form einzigartig. Nurettin Tan vom Türkischen Elternbund und Klaus Friedrich, der geistige Vater des Festes, erinnerten sich in ihren Begrüßungsworten an den Ursprung: Irgendwann habe Friedrich seinen Nachbarn Tan gefragt, ob er wisse, dass die Tulpe ursprünglich aus der Türkei stamme. Tan wusste es nicht – und aus dieser kleinen Entdeckung erwuchs gemeinsam mit Markus Emser eine Idee, die Homburg seither jedes Jahr im April verwandelt.
„Das Tulpenfest ist das erste seiner Art in der ganzen Welt – deutsch-türkisch“, betonte Friedrich in seiner Rede. „Dass die Tulpe aus der Türkei kommt, wissen die wenigsten.“ Tatsächlich gelangte die Blume, die im Osmanischen Reich als Sinnbild für Leben und Fruchtbarkeit verehrt wurde, erst im 16. Jahrhundert nach Mitteleuropa – zunächst an den Hof Kaiser Ferdinands I. in Wien, von dort nach Holland und schließlich in die ganze Welt. Ihr deutscher Name erinnert noch heute an das persische Wort dulband für eine tulpenförmige Kopfbedeckung. In der Türkei hingegen heißt sie lale – ein Wort, dessen Buchstaben im arabischen Alphabet dieselben sind wie die des Gottesnamens Allah, was der Blume eine tief symbolische, auch religiöse Bedeutung verleiht.
Die glanzvolle osmanisch-türkische „Tulpenzeit“ (lale devri) unter Sultan Ahmed III. zwischen 1718 und 1730 – eine Epoche prächtiger Tulpenfeste und künstlerischer Blüte – liefert das historische Vorbild, an das das Homburger Fest bewusst anknüpft. Das von Klaus Friedrich angeregte Konzept verbindet diese Tradition mit ortstypischen Akzenten und macht daraus etwas genuin Saarländisches.
Der herausragende Anlass des diesjährigen Festes war die Auszeichnung als immaterielles Kulturerbe des Saarlandes. Bildungs- und Kulturministerin Christine Streichert-Clivot, die in diesem Jahr die Schirmherrschaft von deutscher Seite übernommen hatte, würdigte die Aufnahme in bewegenden Worten: „Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass dieses Fest Einzug gefunden hat in das Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes.“ Sie betonte, dass hinter dem Eintrag keine politische Entscheidung stehe, sondern das Urteil einer unabhängigen Jury – ein Jury, die überzeugt worden sei von dem, was das Tulpenfest verkörpert: eine lebendige, vielfältige und langanhaltende Beziehung zwischen Deutschland und der Türkei. „Kultur in Deutschland ist eben nicht nur etwas Deutsches per se“, so die Ministerin, „sondern sie lebt davon, dass Menschen unterschiedlichster Herkunft, Biografie und Sprache zusammenkommen.“
Das Tulpenfest steht dabei in prominenter Gesellschaft: Gemeinsam mit dem saarländischen Schwenker wurde es in das Verzeichnis aufgenommen – eine Nachbarschaft, die für Schmunzeln, aber auch für Stolz sorgte. Zuvor hatten bereits das Steigerlied und der nordsaarländische Lehnenruf Eingang in das Verzeichnis gefunden. Die offizielle Urkundenübergabe wird in einigen Wochen in Saarbrücken stattfinden, wo alle Beteiligten der aktuellen Aufnahmerunde zusammenkommen.
Hochrangige Gäste, herzliche Atmosphäre
Dass das Fest längst weit über Homburg hinaus Strahlkraft besitzt, zeigte die hochkarätige Gästeliste. Türkischer Schirmherr war in diesem Jahr erneut Generalkonsul Akif Inam, der eigens aus Mainz angereist war und das Fest in seiner Rede als weit mehr als eine Gemeinschaftsveranstaltung bezeichnete: „This is important for us because this festival is where Turkish and German communities can come together, create together and celebrate together.“ Die Aufnahme in das Kulturerbeverzeichnis nannte er einen Beweis dafür, wie bedeutsam das Fest auch in offiziellen Institutionen wahrgenommen werde.
Oberbürgermeister Michael Forster, der das Fest als Mitveranstalter und nach eigenen Worten als echter Freund begleitet, richtete seinen Dank ausdrücklich an die Organisatoren: „Für dieses Durchhaltevermögen, für alle, die daran teilnehmen und die dieses Fest am Leben erhalten – dafür mein herzliches Dankeschön.“ Er hob auch ein kleines, aber symbolträchtiges Detail hervor: In diesem Jahr blühten die Tulpen im Stadtpark pünktlich zum Fest – etwas, das keineswegs selbstverständlich sei und das er als gutes Zeichen für die Zukunft wertete.
Unter den weiteren Gästen befanden sich Bundestagsabgeordnete Roland Theis und Esra Limbauer, Finanzminister Jakob von Weizsäcker, Landrat Frank John, Bürgermeister Manfred Rippel sowie zahlreiche Stadt- und Landtagsabgeordnete aller Fraktionen – ein eindrucksvolles Bild politischer Geschlossenheit hinter einem Fest der Begegnung.
Ein Fest, das lebt – und wächst
Mit 18 Ständen und Vereinen verzeichnete das diesjährige Tulpenfest einen neuen Rekord – vier mehr als im Vorjahr. Das Angebot spiegelte die kulturelle Vielfalt wider, die das Fest ausmacht: Baklava traf auf Bohnensuppe, Gözleme auf bulgarisches Osterbrot, Tee und Mokka auf Bier und Filterkaffee. Traditionelle Orchestermusik erklang, getanzt wurde bereits bei der Ankunft der Ministerin – ein Empfang, der sie sichtlich begeisterte und den sie sich für künftige Besuche ausdrücklich wünschte.
Klaus Friedrich fasste die Haltung, die dieses Fest trägt, in schlichte Worte: „Wir haben uns dem ganzen Weltgeschehen nicht ausgesetzt. Das Tulpenfest hat sich nie verändert.“ In einer Zeit, in der aus Annäherung vielerorts Abgrenzung geworden sei, lebe das Fest unbeirrt von seiner Grundidee – dem Miteinander. Dass es dabei ausschließlich auf ehrenamtlichem Engagement basiere, erfülle ihn mit besonderem Stolz.
Ministerin Streichert-Clivot setzte am Ende ein klares Signal: „Wir wollen ein klares Zeichen setzen, auch an all diejenigen, die meinen, dass Rassismus und Fremdenfeindlichkeit zum guten Ton gehören. Dieses Fest setzt das Signal, dass wir miteinander nur besser werden können.“ Das 13. Deutsch-Türkische Tulpenfest darf man bereits jetzt im Kalender vormerken.
Alle Bilder: Friedel Simon












































































































































