Foto: LV/L. Geiger
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Sechs Wochen vor dem Startschuss der Special Olympics Nationalen Spiele im Saarland hat die Landesvertretung in Berlin den Blick auf eine Frage gelenkt, die weit über den reinen Wettkampf hinausreicht: Was bleibt, wenn die Athletinnen und Athleten wieder abgereist sind? Bei einer Abendveranstaltung unter dem Titel „Wertschöpfung trifft Werte“ diskutierten Vertreter aus Politik, Sport, Wirtschaft und Zivilgesellschaft, wie inklusive Großereignisse wirtschaftliche Impulse setzen und zugleich den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken können.

Die Nationalen Spiele finden vom 15. bis 20. Juni 2026 statt und sind für das Saarland mehr als ein sportliches Highlight. Das sogenannte Team Saarland verfolgt das Ziel, das Bundesland als modernen, inklusiven Standort sichtbar zu machen – und anderen Regionen als Vorbild zu dienen. Bereits im Vorfeld wurde dafür die Kampagne „Dabeisein ist Saarland“ gestartet. Flankiert wird das Ganze von Begleitprojekten, die Teilhabe greifbar machen sollen: ein inklusiver Songcontest, ein eigens entwickeltes Kinderbuch sowie groß angelegte Fackelläufe durch alle saarländischen Landkreise und die Landeshauptstadt Saarbrücken. Erstmals bei Nationalen Spielen wird zudem ein Host Town Program durchgeführt, das die Botschaft der Inklusion direkt in die Kommunen trägt.

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Saarlands Innenminister Reinhold Jost nutzte den Abend, um die langfristige Perspektive des Engagements zu unterstreichen. „Inklusion rechnet sich – und zwar gesellschaftlich wie wirtschaftlich. Wertschöpfung und Nachhaltigkeit bedeutet für uns, dass die Strukturen, die wir heute schaffen – von der Barrierefreiheit bis hin zu neuen Netzwerken zwischen Wirtschaft und Zivilgesellschaft – weit über das Event hinaus bestehen bleiben“, sagte Jost. Die Veranstaltung in Berlin sei selbst ein Akt der Wertschöpfung, weil Erfahrungen und Konzepte mit Interessierten aus der ganzen Bundesrepublik geteilt würden. „Damit tragen wir dazu bei, dass das ‚saarländische Feuer der Inklusion‘ nachhaltig in ganz Deutschland Schule macht“, so der Minister.

Den inhaltlichen Rahmen setzte ein Impulsvortrag von Prof. Dr. Achim Schröder von der htw saar zur Wertschöpfung von Sportgroßveranstaltungen. In zwei anschließenden Talkrunden kamen ganz unterschiedliche Perspektiven zusammen: Special Olympics Athletin Daniela Huhn sprach ebenso wie Ralf Kirch, Geschäftsleiter der Nationalen Spiele Saarland 2026, und Carsten Kranz, Geschäftsführer von Special Olympics Deutschland. Paul Wedeleit von der Berliner Senatsverwaltung und Wiebke Balcke vom Beratungsunternehmen PROPROJEKT brachten ihre Erfahrungen aus der Planung der Special Olympics World Games Berlin 2023 ein. Die kommunale Sicht vertrat Thomas Höchst, ehrenamtlicher Inklusionsbeauftragter der Stadt Homburg, während Peter Selzer als Stiftungsbeauftragter der PSD Bank Rhein-Neckar-Saar eG die Perspektive der Wirtschaft und der Partner einbrachte.

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Dass Inklusion nicht nur diskutiert, sondern auch erlebt werden sollte, machte die inklusive Band „21 down-beats“ des Berliner Theaters „Rambazamba“ mit ihren Auftritten deutlich. Im Publikum saßen unter anderem Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Landesvertretungen, aller Special Olympics Landesverbände, des Deutschen Olympischen Sportbundes sowie des Bundestagsausschusses für Sport und Ehrenamt. Die Breite der Gästeliste zeigte, dass das Thema längst über die Grenzen des Saarlandes hinaus Aufmerksamkeit findet.

Mit dem Abend in Berlin hat das Saarland ein Signal gesetzt, das über die übliche Vorberichterstattung zu einem Sportereignis hinausgeht. Die Frage, ob die geschaffenen Strukturen tatsächlich Bestand haben werden, wird sich erst nach den Spielen beantworten lassen. Der Anspruch aber ist formuliert – und er reicht deutlich weiter als bis zum 20. Juni.

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