Foto: Tobias Seifert

Wenn die Generation der Babyboomer in den kommenden Jahren in den Ruhestand wechselt, wird der Wohnungsbestand im Saarpfalz-Kreis vor einer harten Prüfung stehen. Nur rund 3.900 der etwa 76.400 Wohnungen in der Region sind so geschnitten, dass Menschen mit Rollator oder Rollstuhl darin ohne Hindernisse zurechtkommen. Das entspricht gerade einmal fünf Prozent. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Regionalanalyse des Pestel-Instituts, die im Auftrag des Bundesverbandes Deutscher Baustoff-Fachhandel (BDB) erstellt wurde.

„Damit bieten nur rund 5 Prozent aller Wohnungen im Saarpfalz-Kreis den Standard, der nötig ist, um mit körperlichen Einschränkungen oder auch als Pflegefall darin alt zu werden“, fasst Institutsleiter Matthias Günther das Kernergebnis zusammen. Die Dringlichkeit ergibt sich aus einer simplen demografischen Rechnung: Etwa 24.600 Menschen in der Region werden in den kommenden zehn Jahren ihr Berufsleben beenden – und früher oder später auf eine Wohnumgebung angewiesen sein, die mit ihrem Älterwerden Schritt hält.

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Die Schwachstellen beginnen oft schon hinter der Haustür. Laut Untersuchung sind 29 Prozent der Hausflure im Kreis zu schmal, um mit einem Rollstuhl wirklich komfortabel hindurchzukommen, was rund 19.500 Wohnungen betrifft. Auch die Eingangstüren selbst seien häufig zu eng dimensioniert. Wer es bis in die Wohnung schafft, stößt dort auf die nächsten Hürden: In etwa 20.800 Küchen fehlt der Wendekreis für einen Rollstuhl, und 32.500 Bäder – also 43 Prozent – sind schlicht zu klein.

Als eigentliches K.-o.-Kriterium gilt jedoch ein anderes Detail: die bodengleiche Dusche. Sie steht nur in rund 21.000 Wohnungen im Saarpfalz-Kreis bereit, was einem Anteil von 28 Prozent entspricht. „Das A-und-O-Kriterium, um in der eigenen Wohnung alt werden zu können“, nennt Günther diesen Aspekt. Sein Rat an Eigentümer lautet deshalb klar, beim altersgerechten Umbau zuerst das Badezimmer anzugehen. Gerade in Gebäuden aus den 1950er-Jahren stoße man dabei allerdings an bauliche Grenzen, weil die Geschossdecken oft zu dünn seien, um eine ebenerdige Dusche aufzunehmen.

Für BDB-Präsidentin Katharina Metzger liegt die Lösung weniger im Neubau als im Umbau dessen, was bereits steht. „Auf Dauer ist jede altersgerechte Sanierung günstiger als ein Umzug ins Heim“, argumentiert sie. Hinzu komme der Wunsch der Menschen selbst, möglichst lange in den vertrauten vier Wänden zu bleiben. Der altersgerechte Umbau sei aber jahrzehntelang vernachlässigt worden – nun brauche es eine regelrechte „Senioren-Umbau-Offensive“.

Damit diese Offensive Fahrt aufnimmt, fordern Verband und Institut massiven politischen Rückenwind aus Berlin. Konkret sollen sogenannte „Boomer-Zuschüsse“ einen Großteil der Umbaukosten abdecken. Die derzeit übliche staatliche Unterstützung von zehn Prozent beim Bad-Umbau sei „nichts anderes als ein Placebo-Zuschuss“, kritisiert Günther. Wer kurz vor der Rente stehe, scheue zudem die Aufnahme eines Kredits. Auch das bestehende Geflecht aus KfW, Krankenkassen und Pflegeversicherung hält Metzger für untauglich: „Durch das Förder-Dickicht muss man sich erst einmal durchkämpfen.“ Stattdessen brauche es einen milliardenschweren Zuschusstopf, mit dem aus Standardwohnungen mit Stufen und Stolperschwellen endlich barrierearme Rückzugsorte fürs Alter werden.

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