Foto: Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt Bezirksverband Saar-Trier

Eine eigene Wohnung, ein Zimmer in einer WG, ein kleines Apartment in der Nähe des Ausbildungsbetriebs oder der Hochschule – für viele junge Menschen im Saarpfalz-Kreis bleibt das ein Wunsch. Gleichzeitig blicken viele Ältere mit Sorge auf die Zeit nach dem Berufsleben, weil sie nicht wissen, ob die Rente für die bisherige Wohnung reicht. Eine neue Studie zum sozialen Wohnungsbau zeigt nun, wie groß der Druck auf dem Wohnungsmarkt ist – und welche Folgen das besonders für Jüngere und Ältere haben kann.

Nach Angaben der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) gehören im Saarpfalz-Kreis vor allem Auszubildende zu den Verlierern auf dem Wohnungsmarkt. Von den rund 2.570 Azubis in der Region wohnten viele noch bei ihren Eltern, so die Gewerkschaft. „Und das nicht immer ganz freiwillig. Denn eine eigene Wohnung können sie sich oft nicht leisten“, sagte Ute Langenbahn, Bezirksvorsitzende der IG BAU Saar-Trier. Das Wohnen werde für Auszubildende zunehmend zum Problem. Grundlage der Einschätzung ist der aktuelle „Soziale Wohn-Monitor“ des Pestel-Instituts, den die IG BAU mit in Auftrag gegeben hat.

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Besonders kritisch wird es nach Einschätzung der Gewerkschaft, wenn hohe Mieten und fehlender Wohnraum direkt die berufliche Zukunft betreffen. „Tragisch ist es, wenn ein Ausbildungsvertrag nicht zustande kommt, weil das Wohnen zu teuer ist. Etwa dann, wenn Jugendliche weder eine Wohnung noch ein WG-Zimmer in der Nähe des Ausbildungsbetriebs bezahlen können“, so Langenbahn. Sie warnt: „Wenn Ausbildungsverträge am Wohnungsmangel und an zu hohen Mieten scheitern, dann ist das Maß voll. Das kann sich die heimische Wirtschaft nicht erlauben.“

Die IG BAU fordert deshalb, dass Bund und Saarland den Neubau von Azubi-Wohnungen gezielt unterstützen, vor allem in der Nähe von Ausbildungszentren. Langenbahn spricht sich auch für steuerliche Anreize aus, wenn Betriebe selbst dafür sorgen, dass ihre Auszubildenden eine Unterkunft bekommen. Ähnliche Probleme sieht die Gewerkschaft bei Studierenden. „Deshalb muss es auch in Universitätsstädten eine gezielte Förderung für den Neubau von Studi-Wohnungen geben“, erklärte Langenbahn.

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Neben den Jüngeren geraten nach Einschätzung der IG BAU auch viele Ältere in eine schwierige Lage. Die Gewerkschaft warnt vor „Wohnarmut im Alter“ und verweist dabei auf die geburtenstarken Jahrgänge. Im Saarpfalz-Kreis leben demnach rund 20.100 sogenannte Baby-Boomer, die nach Berechnungen des Pestel-Instituts bis 2035 vollständig in Rente sein werden. „Viele der Baby-Boomer im Saarpfalz-Kreis bekommen nur eine niedrige Rente. Denn sie haben oft Phasen von Arbeitslosigkeit hinter sich. Außerdem haben sie ganz häufig auch für niedrige Löhne gearbeitet“, sagte Langenbahn. Wenn diese Generation in den kommenden Jahren in Rente gehe, könnten sich etliche ihre bisherige Wohnung kaum oder gar nicht mehr leisten: „Sie wohnen sich regelrecht arm.“

Die IG BAU rechnet damit, dass sich die Lage auf dem Wohnungsmarkt weiter zuspitzt. „Mieten kennen seit Jahren nur eine Richtung: nach oben. Das muss sich ändern. Wir brauchen wieder sinkende und damit bezahlbare Mieten“, forderte Langenbahn. Ein zentraler Hebel sei aus ihrer Sicht der Ausbau des sozialen Wohnungsbaus. „Nur mehr günstiger Wohnraum sorgt für Druck auf die Mieten am Markt. Der Neubau von Sozialwohnungen muss zur politischen Herzenssache und zur Sache der politischen Vernunft werden“, so die Bezirksvorsitzende.

Der „Soziale Wohn-Monitor“ des Pestel-Instituts setzt dafür eine klare Zielmarke: Die Zahl der Sozialwohnungen in Deutschland soll von derzeit 1 auf 2 Millionen bis zur Mitte des nächsten Jahrzehnts verdoppelt werden. Für das Saarland bedeutet das nach den Berechnungen: „Bis 2035 muss es im ganzen Saarland 17.600 Sozialwohnungen geben“, sagte Langenbahn. Daraus leite sich ein jährlicher Bedarf von 1.500 zusätzlichen Sozialwohnungen im Land ab.

Um dieses Ziel zu erreichen, sei eine intensive Förderung durch Bund und Saarland nötig. Nach Ansicht der IG BAU müssen die Fördergelder des Bundes bereits zum Baubeginn vollständig zur Verfügung stehen. „Sie dürfen nicht erst über Jahre verteilt ausgeschüttet werden“, forderte Langenbahn. Ein weiterer Punkt seien die Baukosten. Um günstiger bauen zu können, verweist die Gewerkschaft auf den Regelstandard „Erleichtertes Bauen“. „Es geht darum, einfacher zu bauen – und damit fürs gleiche Geld mehr Sozialwohnungen bauen zu können. Und das trotzdem in guter Qualität, mit niedrigen Instandhaltungskosten“, erläuterte Langenbahn.

Zudem drängt die IG BAU Saar-Trier auf mehr Transparenz beim sozialen Wohnungsbau im Land. Das Saarland solle eine öffentliche Statistik führen, die ausweist, wo und wie viele Sozialwohnungen pro Monat neu entstehen. „Es ist wichtig, zu wissen, wo im Saarland wie viele Sozialwohnungen pro Monat neu gebaut worden sind“, sagte die Vorsitzende der IG BAU Saar-Trier. Nur so lasse sich nachvollziehen, ob die im „Sozialen Wohn-Monitor“ genannten Zielmarken tatsächlich erreicht werden können.