Sarah Müller, Nadine Lederer, Annika Weingart und Lisa Rosa Gabriel (v.l.n.r.) vom Reiterverein Bliestal in der Reithalle. - Foto: Stephan Bonaventura

Corona trifft nicht nur viele Personen und Unternehmen hart – auch die Vereine leiden unter der Unklarheit und den ausbleibenden Einnahmen. Notwendige Investitionen müssen in die Zukunft verschoben werden. Wie schwer das sein kann, zeigt ein Besuch beim Reiterverein Bliestal in Blieskastel-Webenheim.

Für den Laien scheint eigentlich erst einmal alles okay. Ein lockerer Sandteppich, eine große Halle mit viel Auslauf – eigentlich müssten sich Pferde doch hier wohlfühlen. Der Eindruck täuscht aber. Denn der Hallenboden des Reitervereins Bliestal ist alt und für die Gelenke der Pferde und die Lungen ihrer Reiter gesundheitsgefährdend. Eine Sanierung kostet jedoch Geld. Viel Geld. Und hier kommt die Pandemie ins Spiel.

„Durch Corona ist uns als Ausrichter mit dem Webenheimer Bauernfest die wichtigste Einnahmequelle im letzten Jahr weggebrochen“, erklärt Sarah Müller, die 1. Vorsitzende des Vereins, die bereits mit 6 Jahren dort Mitglied wurde. 80% der Gesamteinnahmen seien das. „An eine Sanierung des Hallenbodens ist daher momentan nicht zu denken.“ Erschwerend kommt hinzu, dass das Bauernfest auch in diesem Jahr, wenn überhaupt, nur in abgespeckter Form stattfinden können wird. Inklusive der Parallelveranstaltungen, wie dem Renntag oder dem Bauernmarkt, die in „normalen“ Zeiten ebenfalls wertvolles Geld in die Kasse spülen. Darüber hinaus reichen auch die anderen Einnahmen nicht aus, um das Projekt in Angriff zu nehmen. Mitgliedsbeiträge, die Pensionspferdehaltung sowie Reitbetrieb fließen zwar weiterhin, können jedoch den hohen Finanzbedarf nicht decken.

Für den Laien unscheinbar, für Pferd und Reiter jedoch gesundheitsgefährdend: der Hallenboden beim Reiterverein. – Foto: Stephan Bonaventura

Denn die Sanierung des Hallenbodens würde rund 20.000 Euro kosten. Es geht hier nämlich nicht einfach nur um einen kleinen Eingriff. Es ist vielmehr eine große Operation, die hier vonstatten gehen muss, um den Boden wieder in Schuss zu bringen. Die Entsorgung des alten Geläufs, die Konstruktion der Unterbodenkonstruktion, der richtige Einbau des neuen Bodens und dazu auch noch die Einarbeitung – für sowas ist eine Spezialfirma vonnöten, die sich das etwas kosten lässt.

Dabei geht es nicht um eine Luxusmaßnahme, wie die Spartenleiterin für Westernreiten, Nadine Lederer, betont. „Der Boden ist nicht nur ein Aushängeschild des Vereins, sondern er ist auch wichtig für die Pferde. Das sind Hochleistungssportler, die gute Bedingungen brauchen, damit sie gesund bleiben.“ Doch Boden ist nicht gleich Boden, wie Lederer erklärt. Dieser muss auch vielseitig einsetzbar sein. „Da wir hier für alle Sparten da sind, muss der Boden einerseits genug Grip haben, dass die Pferde darauf springen können, aber auch locker genug sein, damit sie darauf gleiten können.“

Bild: Stephan Bonaventura

Doch alles Lamentieren hilft nichts, dachte man beim Verein und startete eine Crowdfunding-Kampagne, um das nötige Geld zusammenzukriegen. Dafür wurde extra eine eigene Gruppe gegründet. „Wir versuchen zum Beispiel über Mund-zu-Mund-Propaganda und die intensive Bespielung der sozialen Netzwerke die Menschen zu erreichen“, erläutert die Leiterin der Gruppe, Annika Weingart, das Vorgehen. Das Herzstück der Initiative ist jedoch eine Anzeige auf der Website betterplace.org, mit deren Hilfe die Marke von 20.000 Euro geknackt werden soll. „Ein festes Datum gibt es dabei nicht – wichtig ist, dass der Betrag überhaupt zusammenkommt. Der Endbetrag ist das Ziel, nicht die Zeit“, erklärt Lisa Rosa Gabriel, die die Anzeige eingerichtet hat.

Idyllisch gelegen: Die Anlage des Reitervereins Bliestal in Webenheim. – Foto: Stephan Bonaventura

Sollte das Geld jedoch auf Sicht nicht zusammenkommen, sei es nicht verloren, sondern  komme dem Verein anderweitig zugute, versichert die 1. Vorsitzende Müller. Schließlich ist es ja nicht nur der Hallenboden, der Probleme bereitet. Auf einem der größten Reiterhöfe im Saarland fällt auch einiges an anderen Reparaturen an. Die wiederum wegen Corona liegenbleiben. So stockt nicht nur der Paddockboxenbau, sondern auch die Pflasterung der Einfahrt, die eigentlich in Angriff genommen werden sollte. „Auch die Belichtung muss erneuert werden. Das sind alles notwendige Maßnahmen, die derzeit liegen bleiben“, sagt Nadine Lederer.

Dennoch möchte man beim Reiterverein auch nicht nur meckern. So habe man die Corona-Zeit noch einigermaßen gut überstanden. „Wir dachten zuerst, dass es wirklich schwierig werden könnte“, blickt Müller auf die Anfangsphase der Pandemie zurück. „Doch durch die Restbestände und den Schulbetrieb sind wir sicher, dass wir Corona überstehen.“ Aber gerade dann braucht es wieder einen Hallenboden als Aushängeschild für Reiter und Sponsoren, der nicht nur den Laien auf den ersten Blick zufriedenstellt.

Zur Crowdfunding-Kampagne:

Bild: Stephan Bonaventura

 

 

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