Im Rahmen einer Sondersitzung des Kreistages in Przemysl am 1. September 2017 wurde die Partnerschaft der Kreise neu beurkundet. - Foto: Sammlung Saarpfalz-Kreis

Die deutsch-polnischen Kontakte im Saarpfalz-Kreis haben eine über 20-jährige Tradition. Die Zusammenarbeit der beiden Landkreise hat ihren Ursprung in kulturellen und schulischen Austauschen. Die Initiatoren dieser Austausche und Begründer des Kulturvereins „Begegnungen auf der Grenze – Spotkania na granicy – Rencontres à la frontière“ – Hans Bollinger und Gaby Schwartz – organisieren künstlerische Zusammenkünfte vor allem junger Menschen aus Polen, Deutschland, Frankreich und aus der Ukraine. Neben einigen Kreisschulen, die enge Partnerschaften mit polnischen Schulen pflegen und damit wichtige Elemente der Kreispartnerschaft darstellen, ist das Ökologische Schullandheim „Spohns Haus“ in Gersheim eine etablierte Begegnungsstätte für Jugendliche verschiedener Nationen.

In den Jahren 2009 bis 2011 wurde das COMENIUS-Regio-Projekt „Schlüsselkompetenzen für den Beruf“ ausgeführt. Dem damaligen Projekt vorausgegangen war die Idee, eine COMENIUS-Regio-Partnerschaft als Baustein für die künftige Kooperation des Saarpfalz-Kreises mit dem polnischen Landkreis Przemysl einzugehen. Schnell fanden die Kooperationspartner zusammen und beschlossen nach Beendigung des Projektes, ihre Zusammenarbeit fortzusetzen.

Mit dem Leitsatz „Europa wächst zusammen“ und angesichts der allgemeinen Bestrebungen für einen interkulturellen Dialog, sich zu begegnen, voneinander zu erfahren und sich für die Friedenssicherung einzusetzen, beschloss der Kreistag des Saarpfalz-Kreises am 15. März 2011 die Begründung einer Partnerschaft mit dem polnischen Landkreis Przemysl. Die Unterzeichner der Partnerschaftsurkunde am 13. Mai 2011 waren der damalige Landrat Clemens Lindemann und dessen polnischer Kollege Jan Paczek

Landrat Dr. Theophil Gallo war es von Beginn an vordingliches Ziel, die bestehenden Kontakte zum Landkreis Przemysl und nach Polen generell im Sinne des Europäischen Gedankens fortzuentwickeln. Dieses Ansinnen und das unter seiner Leitung entfaltete stärkere Engagement trägt seither Früchte.

Die Partnerregionen haben viele Ähnlichkeiten, so etwa die jeweilige Grenzlage, einerseits zu Frankreich, andererseits zur Ukraine. Dies mag, wirtschaftlich betrachtet, als Nachteil erscheinen, dennoch profitieren alle davon. Oft schon wurden in die bilateralen Austausche auch Teilnehmende aus Frankreich und der Ukraine integriert. Die Partnerregionen greifen vielfältige Themen auf, so auch die Herausforderungen des demographischen Wandels.

2016 feierten der Saarpfalz-Kreis und Landkreis Przemysl das fünfjährige Bestehen ihrer offiziellen Partnerschaft. Eine fünfköpfige Delegation um Landrat Jan Paczek kam eigens für drei Tage in den Saarpfalz-Kreis. Die begeisterten Gäste und die Gastgeber bekräftigten, ihre Zusammenarbeit im Bereich der Bildung und Kultur auf der Verwaltungs- und Bürgerebene weiter ausbauen zu wollen.

Bei seinem Gegenbesuch 2017 im Landkreis Przemysl wurde Landrat Dr. Theophil Gallo konkreter. „Wir werden durch eine engere Kooperation die Partnerschaft und die Verständigung zwischen den Menschen beider Nationalitäten, die sehr vieles gemeinsam haben, in den nächsten Jahren auf dieser Ebene weiter vertiefen, unabhängig von den Entwicklungen etwa auf nationaler Ebene. Je schwieriger die „politische Großwetterlage“ auch zu sein scheint, umso stärker müssen wir auf der bürgerschaftlichen Ebene zusammenarbeiten“, so schon damals sein Credo, „Ansatzpunkte gibt es genügend“, kündigte Landrat Dr. Theophil Gallo während seines Antrittsbesuchs in Przemysl an.

Um die Bedeutung der Partnerschaft zu unterstreichen, wurde auf Veranlassung von Landrat Dr. Gallo die Partnerschaft am 1. September 2017 offiziell im Rahmen einer Sondersitzung des Kreistages in Przemysl mit seinem Kollegen Jan Paczek nochmals neu beurkundet und damit auch beiderseits persönlich bestätigt.

Die Verbindungen zu Polen sind bis heute – intensiviert durch mehrere Bürger– und Delegationsreisen – unvermindert eng. Es haben sich darüber gar neue Beziehungen in die Ukraine ergeben. „Besonders freute es mich, dass wir in Przemysl die Landrätin des Rayon Pustomyty (Ukraine), Halyna Hytchka, kennen gelernt haben, die uns dann auf eine Partnerschaft mit ihrem Rayon ansprach. Wenn einem jemand seine Freundschaft anbietet, schlägt man dieses Angebot nicht aus. Es war eine gute Entscheidung, und ich bin meinem Freund Landrat Jan Paczek dankbar, dass er den Saarpfalz-Kreis mit dem Rayon Pustomyty zusammenführte“, so Landrat Dr. Gallo. Eine Kommunalreform in der Ukraine führte dazu, dass der Partnerkreis Pustomyty in den neuen, größeren Rayon Lemberg übernommen wurde, diese „Fortsetzungspartnerschaft“ besteht nunmehr offiziell seit April dieses Jahres.

„Kommunale Partnerschaften leben nicht nur von den traditionellen wechselseitigen Delegationsbesuchen, die Themen müssen konkreter und sichtbarer werden“ so der Landrat des Saarpfalz-Kreises. Konkret wurde etwa der – wegen Corona bisher leider nicht realisierbare – wechselseitige Austausch von Beschäftigten der beiden Kreisverwaltungen vereinbart. Ebenso ist der polnische Landkreis Przemysl zwischenzeitlich sehr interessiert und bestrebt, im Rahmen der verbesserten Anwerbung und Integration polnischer Pflegekräfte aktiv mitzuwirken. Dass Broschüren des Kreises und verschiedener Einrichtungen mehrsprachig sind, ist nichts Neues. Besonders aber ist, dass neben französisch- und englischsprachigen Informationen zunehmend auch Texte zusätzlich in polnischer Sprache wiedergegeben werden.

Die harte Bewährungsprobe der kommunalen Partnerschaften zwischen den beteiligten Kreisen kam im Februar 2022 mit dem Krieg in der Ukraine. Infolge der guten Beziehungen war es aus dem Stand heraus und von einem auf den anderen Tag möglich, gemeinsam und geordnet in den Krisenmodus umzuschalten und mit den weiteren polnischen Partnern sehr schnell, effektiv und zielgerichtet Hilfeleistungen für die Ukraine auf den Weg zu bringen. „Unsere polnischen Freunde leisten hier Unglaubliches, indem sie einerseits die Hilfslieferungen aus dem Westen koordinieren und weiterleiten, andererseits aber auch die Tausenden von Flüchtlingen aus der Ukraine aufnehmen und sehr gut betreuen und versorgen. Dies verdient unseren allergrößten Respekt, deshalb habe ich auch vorgeschlagen, die Partnerlandkreise entlang der polnisch-ukrainischen Grenze als Ehrenmitglieder von Euregio aufzunehmen“, so der saarpfälzische Landrat.

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